Flo­rett­ge­fecht der Po­in­ten und des Wort­wit­zes

An­net­te Pul­len und Ma­rie Senf über Re­bek­ka Kri­chel­dorfs Be­ar­bei­tung von Cer­van­tes’ „Don Qui­jo­te“im Thea­ter am Dom­hof

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Urauf­füh­rung un­ter noz.de/thea­ter

Von Chris­ti­ne Adam

San­cho Pan­za, der ein biss­chen fei­ge und ge­frä­ßi­ge Knap­pe vom selbst er­nann­ten Rit­ter Don Qui­jo­te, möch­te sich gern auch so ge­wählt und pa­the­tisch aus­drü­cken wie sein Herr. Doch bei ihm ver­un­glü­cken re­gel­mä­ßig die Fremd­wör­ter, Met­ufern, äh, Me­ta­phern und Re­de­wen­dun­gen. Trotz­dem fühlt sich San­cho Don Qui­jo­te an­fangs über­le­gen, weil der doch die Rea­li­tä­ten ver­kennt und Wind­müh­len als ge­fähr­li­che Rie­sen be­kämpft. Bis San­cho von der Aben­teu­er­lust Don Qui­jo­tes an­ge­steckt und ein biss­chen so ver­rückt wird wie der.

Lus­tig geht es zu in Re­bek­ka Kri­chel­dorfs Be­ar­bei­tung des Ba­rock­klas­si­kers von Mi­guel de Cer­van­tes. 2013 war schon ein­mal ei­ne wit­zi­ge Klas­si­ker­be­ar­bei­tung von ihr in Os­na­brück aus der Tau­fe ge­ho­ben wor­den: „Ly­sis­tra­ta“nach Aris­to­pha­nes in der Re­gie von Ma­rie Bu­es.

Kri­chel­dorf hat „Don Qui­jo­te“, das „um­fang­rei­che, schwer zu le­sen­de Cer­van­tes-Werk mit sei­nen vie­len Ab­schwei­fun­gen“, so Dra­ma­tur­gin Ma­rie Senf, in ein Flo­rett­ge­fecht der Po­in­ten und des Wort­wit­zes ver­wan­delt, oh­ne der Hand­lung un­treu zu wer­den. Die frü­he­re Lei­ten­de Schau­spiel­re­gis­seu­rin am Os­na­brü­cker Thea­ter, An­net­te Pul­len, fühlt sich Re­bek­ka Kri­chel­dorfs ver­ba­ler Sprit­zig­keit auch für die Um­set­zung auf der Büh­ne ver­pflich­tet. Sie will das Stück nicht nur als Tra­gi­ko­mö­die, son­dern als ei­nen Gen­re­mix aus „Road­mo­vie, Schel­men­ro­man, Su­per­hel­den­ge­schich­te und Drama übers Äl­ter­wer­den“um­set­zen.

Denn Don Qui­jo­te und San­cho Pan­za sind bei­de 50 Jah­re alt. „Sie müs­sen sich fra­gen, ob sie ihr Le­ben sinn­voll ge­lebt ha­ben“, sagt Pul­len im Gespräch und ist froh, für die Haupt­rol­len Ro­nald Fun­ke und Oli­ver Mes­ken­dahl ein­set­zen zu kön­nen.

Ist Don Qui­jo­te in sei­ner Ver­rückt­heit nur schlau oder schon de­ment? Die­se Fra­ge las­sen Ro­man und Pul­lens Büh­nen­les­art be­wusst of­fen. Je­den­falls ist die Su­che des Rit­ters von der trau­ri­gen Gestalt nach et­was Grö­ße­rem, Ha­ben viel Spaß mit der Cer­van­tes-Be­ar­bei­tung: Dra­ma­tur­gin Ma­rie Senf (l.) und Re­gis­seu­rin An­net­te Pul­len mit dem Kopf vom Pferd Ro­si­nan­te.

Poe­ti­schem und Gla­mou­rö­se­rem als dem All­tag an­ste­ckend, er­fasst auch den Bar­bier und den Pfar­rer und ver­an­lasst sie zum Mit­spie­len,

„Die Ge­sell­schaft wird da­durch

nicht ver­än­dert“, meint Ma­rie Senf. „Ein biss­chen schon“, wi­der­spricht ihr An­net­te Pul­len. Weil al­le Fi­gu­ren von Don Qui­jo­tes Fan­ta­si­en, Tag­träu­men und li­te­ra­ri­schen Fik­tio­nen in­fi­ziert wer­den, oh­ne die es ge­ne­rell kei­ne Rea­li­tät gä­be. „Die­se Run­de der freu­di­gen Plap­per­mäu­ler exis­tiert wie ei­ne süd­eu­ro­päi­sche Fa­mi­lie, so­lan­ge sie re­det.“Des­halb sieht Pul­len in der Cer­van­tes-Be­ar­bei­tung auch „ei­ne Hom­mage ans Thea­ter“, die sie mit Ernst und Hu­mor, Spiel­lust und „auch mal ei­ner Sup­pen­schüs­sel auf dem Kopf “um­set­zen will.

von „Don Qui­jo­te“ist am Sams­tag, 13. Mai, um 19.30 Uhr im Thea­ter am Dom­hof. Kar­ten­te­le­fon 05 41/7 60 00 76.

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Foto: Tho­mas Os­ter­feld

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