Frei­spruch im Pro­zess um du­bio­sen Kunst­de­al

Ver­schul­de­ter Bad Es­se­ner woll­te un­be­kann­te Kirch­heim-Samm­lung für 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro kau­fen

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Ei­nen hoch ver­schul­de­ten Bad Es­se­ner hat das Amts­ge­richt Os­na­brück im Pro­zess um die so­ge­nann­te Kirch­heim-Samm­lung vom Ver­dacht des er­neu­ten Be­tru­ges frei­ge­spro­chen. Er war mit ei­nem „Kunst­ver­mitt­ler“aus West­fa­len 2016 ei­nen du­bio­sen Kunst­de­al ein­ge­gan­gen.

Von Clau­dia Scholz

ESSEN. Die Staats­an­walt­schaft, das Schöf­fen­ge­richt und die Ver­tei­di­gung wa­ren sich ei­nig da­rin, dass kein Scha­den und auch kein Irr­tum vor­ge­le­gen hat. Zwei Vor­aus­set­zun­gen, um von Be­trug spre­chen zu kön­nen.

Zwar soll der mehr­fach ein­schlä­gig vor­be­straf­te Bad Es­se­ner, der zu­letzt we­gen Be­tru­ges zu ei­ner Frei­heits­stra­fe auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt wur­de, den Berater aus Rhe­da-Wie­den­brück ge­täuscht ha­ben, als er 2016 vor­gab, ei­ne Kunst­samm­lung für 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro mit Wer­ken des un­be­kann­ten Ma­lers Ger­hard Kirch­heim kau­fen zu wol­len, und auch schon den Kauf­ver­trag un­ter­schrieb.

Aber ers­tens sei der Berater, der sich um sei­ne Pro­vi­si­on von 208000 Eu­ro be­tro­gen fühl­te, kei­nem Irr­tum er­le­gen. Schließ­lich ha­be er ge­wusst, dass der ver­schul­de­te Mann „nicht leis­tungs­fä­hig, ein Blen­der und Be­trü­ger“sei, wie der Vor­sit­zen­de Rich­ter sag­te.

Und zwei­tens sei der Scha­den, den der „Kunst­ver­mitt­ler“aus West­fa­len er­lit­ten ha­ben will, nicht zu er­mit­teln. Wie Staats­an­walt Hei­der zu­sam­men­fass­te: „Es steht völ­lig in den Ster­nen, wie viel die Samm­lung wirk­lich wert ist.“Ver­läss­li­che In­for­ma­tio­nen fehl­ten, vie­les spre­che da­für, dass die 1230 Wer­ke ei­nen sehr viel ge­rin­ge­ren Wert hät­ten.

Da­bei be­zog sich der Staats­an­walt auch auf Re­cher­chen die­ser Zei­tung. Die Pro­ve­ni­enz, die Her­kunft der Bil­der, ist schlei­er­haft, das Wert­gut­ach­ten wur­de von ei­nem Kunst­päd­ago­gen er­stellt, der kei­ner­lei Re­pu­ta­ti­on in der Kunst­welt hat, und der Ma­ler Kirch­heim ist auf dem Kunst­markt na­he­zu un­be­kannt. Um den tat­säch­li­chen Wert der Samm­lung zu er­mit­teln, hät­te man ei­nen Sach­ver­stän­di­gen ein­schal­ten müs­sen, dar­auf ver­zich­te­te das Ge­richt aber.

Je­doch sei von An­fang an un­ver­ständ­lich ge­we­sen, war­um der „Kunst­be­ra­ter“die an­geb­lich auf zehn Mil­lio­nen Eu­ro ge­schätz­te Samm­lung für 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro ha­be ver­hö­kern wol­len. „Das ist doch un­lo­gisch“, so der Rich­ter, der bei die­sem du­bio­sen Kunst­de­al auch in an­de­rer Hin­sicht er­heb­li­che Zwei­fel äu­ßer­te.

Frag­lich sei vor al­lem das Mo­tiv des Be­ra­ters ge­we­sen. Hat­te er von An­fang an dar­auf spe­ku­liert, dass die ver­mö­gen­de Le­bens­ge­fähr­tin des Ver­schul­de­ten den Kauf­ver­trag oder zu­min­dest die Pro­vi­si­on oder Tei­le der Pro­vi­si­on über­neh­men wür­de, um ih­ren Freund raus­zu­bo­xen? Das zu­min­dest ver­mu­te­ten Rich­ter und Staats­an­walt.

Au­ßer­dem blieb das Mo­tiv des Bad Es­se­ners völ­lig im Un­kla­ren. Was hät­te er mit der Kunst­samm­lung an­fan­gen wol­len, er, der nach ei­ge­ner Aus­sa­ge kei­ne Ah­nung von Kunst hat, noch nie Aus­stel­lun­gen oder Auk­tio­nen be­sucht hat? „Hö­ren Sie auf mit so was, ar­bei­ten Sie an sich, sonst wird es das nächs­te Mal rich­tig eng“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter.

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