Tat­ort Tu­rin

Arte zeigt se­hens­wer­te ita­lie­ni­sche Se­rie um die Ober­inspek­to­rin Va­le­ria Fer­ro

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen -

Die sehr se­hens­wer­te ita­lie­ni­sche Kri­mi­se­rie „Die To­ten von Tu­rin“ver­bin­det ab­ge­schlos­se­ne Fäl­le mit ei­ner fort­lau­fen­den Hand­lung, die sich um die Haupt­fi­gur Ober­inspek­to­rin Va­le­ria Fer­ro dreht.

Von Frank Jür­gens

Seit Ta­gen wird die 15-jäh­ri­ge Turm­sprin­ge­rin Sa­ra Da­mia­no ver­misst. Wäh­rend die Lei­che der Ju­gend­li­chen in ei­ner ver­fal­le­nen In­dus­trie­rui­ne ge­fun­den wird, sitzt ihr Va­ter Gi­an­car­lo in ei­nem Fern­seh­stu­dio, wo er live ei­nen Auf­ruf ver­le­sen möch­te. Na­tür­lich lässt es sich der Mo­de­ra­tor der Sen­dung nicht ent­ge­hen, den Fund der Lei­che mit ge­heu­chel­tem „tief emp­fun­de­nen Schmerz“rei­ße­risch aus­zu­schlach­ten.

Wäh­rend das fik­ti­ve Pu­bli­kum der fik­ti­ven Live­sen­dung den ar­men Va­ter in voy­eu­ris­ti­scher Groß­auf­nah­me sieht, er­le­ben die Zu­schau­er der neu­en Kri­mi­se­rie „Die To­ten von Tu­rin“die­sen Mo­ment aus der Per­spek­ti­ve der fas­sungs­lo­sen Mut­ter und des klei­nen Bru­ders in de­ren Wohn­zim­mer. Auch wenn die­se star­ke Ein­gangs­se­quenz mit ei­ner deut­li­chen Por­ti­on Me­di­en­kri­tik da­her­kommt, spielt die­ser Aspekt im wei­te­ren Ver­lauf der ers­ten Dop­pel­fol­ge nur ei­ne Ne­ben­rol­le. Zahl­rei­che Spu­ren füh­ren wäh­rend der span­nen­den Tä­ter­su­che in die un­ter­schied­li­chen Rich­tun­gen. Am En­de darf mit ei­ner über­ra­schen­den Auf­lö­sung ge­rech­net wer­den.

Aber die neue Kri­mi­se­rie, die im Ori­gi­nal nach dem fünf­ten Ge­bot „Non Ucci­de­re“, al­so „Du sollst nicht tö­ten“be­nannt ist, hebt sich trotz die­ser kon­ven­tio­nel­len Er­zähl­mus­ter po­si­tiv vom Gros an­de­rer Kri­mi­pro­duk­tio­nen ab. Ne­ben den ein­zel­nen Fäl­len, die je­weils ei­ne Dop­pe­l­epi­so­de aus­ma­chen und un­ab­hän­gig von­ein­an­der ge­schaut wer­den kön­nen, gibt es auch ei­ne fort­lau­fen­de Hand­lung, die in zu­neh­men­dem Ma­ße für Span­nung sorgt.

Die dreht sich um die Haupt­fi­gur Va­le­ria Fer­ro (Miriam Leo­ne), Ober­inspek­to­rin der Kri­mi­nal­po­li­zei Tu­rin. Vor 17 Jah­ren hat Va­le­ri­as Mut­ter Lu­cia (Mo­ni­ca Gu­er­ri­to­re) ih­ren Ehe­mann er­mor­det. Nun kehrt sie aus dem Knast zu­rück und dringt in Va­le­ri­as Le­ben ein, die sich zu­nächst da­ge­gen ver­wahrt. Da­bei wird all­mäh­lich klar, dass sich um die Um­stän­de der Fa­mi­li­en­tra­gö­die ein Ge­heim­nis rankt, das sich mehr und mehr in den Vor­der­grund der Se­rie schiebt.

Nun ist die Ver­mi­schung von ho­ri­zon­ta­len und ver­ti­ka­len Er­zähl­mus­tern auch im Krimi-Gen­re kei­ne Neu­heit. Fans der Se­rie „Monk“bei­spiels­wei­se wer­den sich noch sehr gut an das Ge­heim­nis um den Tod von Mon­ks Ehe­frau Tru­dy er­in­nern, das sich wie ein ro­ter Fa­den durch die ge­sam­te Se­rie zog und erst am En­de auf­ge­löst wur­de. Aber so ein Stil­mit­tel al­lei­ne macht na­tür­lich noch kei­ne gu­te Se­rie aus. Ent­schei­dend ist das Wie. Und die­se Fra­ge be­ant­wor­tet der ita­lie­ni­sche Re­gis­seur Gi­u­sep­pe Gagli­ar­di („Ta­tan­ka“) mit sei­ner sehr ei­gen­stän­di­gen Hand­schrift, die er­kenn­bar vom Be­ginn sei­ner Kar­rie­re als Do­ku­men­tar­fil­mer ge­prägt ist. Ru­hi­ge, kraft­vol­le Bil­der bil­den nicht nur das Ge­sche­hen der Hand­lung ab, son­dern er­mög­li­chen auch im­mer wie­der Bli­cke hin­ter die Ku­lis­sen des ei­gent­li­chen Ge­sche­hens. Sei es im Fern­seh­stu­dio zu Be­ginn, hin­ter die düs­te­ren Fas­sa­den von Tu­rin und auch hin­ter die sich erst all­mäh­lich auf­fä­chern­den Ge­fühls­welt der Prot­ago­nis­tin Va­le­ria.

De­ren Darstel­le­rin Miriam Leo­ne, die als Mo­del und Fern­seh­mo­de­ra­to­rin ge­ar­bei­te­te hat, hat es ge­schafft, zur mitt­ler­wei­le ge­frag­ten Schau­spie­le­rin zu wer­den. Nach­dem sie eben­falls un­ter der Re­gie von Gagli­ar­di in der Kor­rup­ti­ons­se­rie „1992“in ei­ner tra­gen­den Ne­ben­rol­le über­zeu­gen konn­te, de­bü­tiert sie nun in „Die To­ten von Tu­rin“erst­mals als Se­ri­en­Haupt­dar­stel­le­rin. Bei­de Se­ri­en ha­ben be­reits grü­nes Licht für je­weils min­des­tens ei­ne wei­te­re Staf­fel be­kom­men.

Lei­der un­ter­bricht Arte die ers­te Staf­fel nach nur drei Dop­pel­fol­gen ge­nau dann, wenn es am span­nends­ten wird. Erst En­de Au­gust geht es wei­ter.

Die To­ten von Tu­rin, Arte, zwei Fol­gen ab 20.15 Uhr

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Hat in „Die To­ten von Tu­rin“erst­mals ei­ne Se­ri­en-Haupt­rol­le: Miriam Leo­ne spielt in der Kri­mi­rei­he Ober­inspek­to­rin Va­le­ria Fer­ro. Foto: Arte Fran­ce/La Rai

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