Wehr­pflicht als Mit­tel ge­gen rechts?

Kanz­le­rin hält nichts da­von

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Ma­ri­on Trim­born

Was hilft ge­gen rechts­ex­tre­me Vor­fäl­le in der Bun­des­wehr? Der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Patrick Sens­burg setzt auf die Rück­kehr zur Wehr­pflicht – und muss da­für viel Kri­tik ein­ste­cken.

Sens­burg, Oberst­leut­nant der Re­ser­ve, sag­te der Fun­ke-Me­di­en­grup­pe, Wehr­dienst­leis­ten­de sei­en „ein ver­läss­li­ches Früh­warn­sys­tem“, um Ex­tre­mis­mus zu er­ken­nen. Die Aus­set­zung ha­be be­wirkt, dass die Bun­des­wehr kei­nen Qu­er­schnitt der Ge­sell­schaft mehr ab­bil­de.

Prompt ha­gel­te es Kri­tik. Kanz­le­rin und CDU-Che­fin An­ge­la Mer­kel hält nichts von den Vor­schlä­gen aus ih­rer ei­ge­nen Par­tei. „Was die Bun­des­wehr braucht, ist Be­re­chen­bar­keit in ih­rer Ent­wick­lung“, sag­te die Kanz­le­rin am Don­ners­tag in Ber­lin. Die Aus­set­zung der Wehr­pflicht 2011 sei ei­ne grund­sätz­li­che Ent­schei­dung. „In der Kon­ti­nui­tät die­ser Ent­schei­dung soll­ten wir jetzt auch die nö­ti­gen Re­for­men vor­neh­men.“

Auch der Wehr­be­auf­trag­te, der SPD-Po­li­ti­ker Han­sPe­ter Bar­tels, ver­tritt die­se Mei­nung. Er sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Sol­che Vor­schlä­ge spie­len auf der grü­nen Wie­se und ha­ben we­nig mit der heu­ti­gen Bun­des­wehr zu tun.“Der SPD-Po­li­ti­ker füg­te hin­zu, das wä­re kei­ne Ga­ran­tie, dass rechts­ex­tre­mis­ti­sche Vor­fäl­le aus­blie­ben. Auch in der Be­völ­ke­rung sei­en Ten­den­zen von Na­tio­na­lis­mus und Po­pu­lis­mus zu ver­zeich­nen. Bar­tels sag­te: „Es gibt kein Son­der­phä­no­men Bun­des­wehr.“

Die Frei­wil­li­gen­ar­mee sei gut in die de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft in­te­griert, so der Wehr­be­auf­trag­te: „Vie­le Sol­da­ten sind in Ver­ei­nen und Par­tei­en en­ga­giert, kan­di­die­ren als Per­so­nal­rä­te oder fürs Kom­mu­nal­par­la­ment – das geht viel tie­fer als in vie­len an­de­ren Län­dern.“

Zu­dem sei die Rück­kehr or­ga­ni­sa­to­risch gar nicht mög­lich. Bar­tels sag­te, man müss­te ei­nen gan­zen Jahr­gang von jun­gen Män­nern und heu­te ge­wiss auch Frau­en be­trach­ten. „Für Hun­dert­tau­sen­de von taug­lich ge­mus­ter­ten Re­kru­ten je­des Jahr gibt es aber kei­ne mi­li­tä­ri­schen Struk­tu­ren, kei­ne Ka­ser­nen, kei­ne Waf­fen und kei­ne Aus­bil­der“, gab der SPDPo­li­ti­ker zu be­den­ken. Statt­des­sen for­der­te er aus­rei­chend Zeit in Di­enst­plä­nen für die Aus­bil­dung in Ethik, in­ne­rer Füh­rung und po­li­ti­scher Bil­dung.

Mer­kel un­ter­stütz­te die von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) vor­ge­schla­ge­nen Kon­se­quen­zen aus dem Fall des mut­maß­lich rechts­ex­tre­men Ober­leut­nants Fran­co A., der un­ter Ter­ror­ver­dacht steht. Da­zu ge­hö­ren ei­ne Über­prü­fung der Wehr­dis­zi­pli­nar­ord­nung und ein neu­es Pro­gramm „In­ne­re Füh­rung heu­te“.

Auch der Ver­tei­di­gungs­ex­per­te der Grü­nen To­bi­as Lind­ner und CDU-Bun­des­vi­ze Tho­mas Strobl spra­chen sich ge­gen die Wehr­pflicht aus. Un­ter­stüt­zung er­hielt Sens­burg da­ge­gen vom His­to­ri­ker Micha­el Wolffs­ohn. „Oh­ne all­ge­mei­ne Weh­ro­der Di­enst­pflicht – für Män­ner und Frau­en – geht es nicht“, sag­te der ehe­ma­li­ge Pro­fes­sor der Bun­des­wehrHoch­schu­le in Mün­chen der Zeit­schrift „Pu­blik-Fo­rum“. Nach der Aus­set­zung sei­en ver­mehrt Ex­tre­mis­ten in die Bun­des­wehr ge­kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.