Mey­er bringt Acker­preis­brem­se auf den Weg

Ge­setz soll ra­san­te Ent­wick­lung auf dem Bo­den­markt dämp­fen – Kri­ti­ker blei­ben bei ih­ren Be­den­ken

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Als ers­tes Bun­des­land will Nie­der­sach­sen per Ge­setz den ra­san­ten Preis­an­stieg bei Bau­ern­land brem­sen. Das rot­grü­ne Ka­bi­nett bil­lig­te ei­nen ent­spre­chen­den Ent­wurf von Agrar­mi­nis­ter Mey­er. Kri­ti­ker war­nen vor un­ge­plan­ten Ef­fek­ten zu­las­ten der Bau­ern.

Von Klaus Wie­sche­mey­er

HAN­NO­VER. Nie­der­sach­sens Lan­des­re­gie­rung bringt ein neu­es Ge­setz auf den Weg, wel­ches land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben den Zu­gang zu Grund und Bo­den er­leich­tern soll. Die No­vel­le des Grund­stücks­ver­kehrs­rechts sol­le noch in die­sem Jahr vom Land­tag ver­ab­schie­det wer­den, kün­dig­te Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er (Grü­ne) am Don­ners­tag in Han­no­ver an.

Hin­ter­grund sind die seit Jah­ren stei­gen­den Prei­se für Pacht oder Kauf von land­wirt­schaft­li­cher Nutz­flä­che. Zwi­schen 2007 und 2015 sei der Preis in Nie­der­sach­sen um 126 Pro­zent ge­klet­tert. Ins­be­son­de­re in den Land­krei­sen Clop­pen­burg, Vechta, Ems­land und Bad Bent­heim schie­ßen die Prei­se in die Hö­he. An­ge­sichts der pre­kä­ren La­ge vie­ler Be­trie­be ver­lie­ren die Bau­ern buch­stäb­lich an Bo­den: Zu­letzt stieg der An­teil der Land­wir­te bei Bo­den­ver­käu­fen, bei Käu­fen nahm er ab.

Nun soll ei­ne Rei­he von Än­de­run­gen Ab­hil­fe schaf­fen: Über­stei­gen die Prei­se für Ver­kauf und Ver­pach­tun­gen den orts­üb­li­chen Durch­schnitt künf­tig um mehr als 30 Pro­zent, wer­den Buß­gel­der fäl­lig. Gibt es beim Kauf meh­re­re In­ter­es­sen­ten, sol­len Päch­ter, na­he ge­le­ge­ne Be­trie­be und Jun­g­land­wir­te be­vor­zugt wer­den. Ab­zü­ge be­kom­men Be­trie­be, die in ei­ner Ge­mar­kung von min­des­tens 250 Hekt­ar Grö­ße be­reits mehr als ein Vier­tel der Flä­chen be­sit­zen. Vom Tisch ist hin­ge­gen ei­ne ge­ne­rel­le Be­nach­tei­li­gung von Groß­bau­ern. Gut­ach­ter hal­ten die­se Re­ge­lung für ver­fas­sungs­wid­rig. Auch die öf­fent­li­che Hand soll dem Ent­wurf zu­fol­ge leich­ter Land kau­fen kön­nen.

Die CDU kri­ti­sier­te den Ent­wurf. „Das Ge­setz ver­folgt ein heh­res Ziel“, lob­te der agrar­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on, Hel­mut Dam­mann-Tam­ke. Al­ler­dings sei der Ent­wurf von Leu­ten ge­schrie­ben, die „die von land­wirt­schaft­li­cher Pra­xis kei­ne Ah­nung ha­ben“. Das Land­volk be­män­gel­te, vor Mo­na­ten ge­äu­ßer­te Be­den­ken zahl­rei­cher Ver­bän­de sei­en nicht auf­ge­nom­men wor­den.

Kri­tik und Zwei­fel

Der Di­rek­tor des Leib­nizIn­sti­tuts für Agra­r­ent­wick­lung in Trans­for­ma­ti­ons­öko­no­mi­en (IAMO) in Hal­le, Pro­fes­sor Al­fons Bal­mann, kri­ti­sier­te den Ent­wurf als we­nig sinn­voll. Es ge­be vie­le Um­ge­hungs­mög­lich­kei­ten, die Grö­ßen­gren­zen bei Ge­mar­kun­gen sei „lä­cher­lich“. Zu­dem sei der Preis­an­stieg in ei­ner hoch in­dus­tria­li­sier­ten Land­wirt­schaft nicht per se schlecht: „Ho­he Bo­den­prei­se sind auch ein Schutz. Gera­de im Be­reich We­ser-Ems kön­nen Be­trie­be da­mit ih­re ex­trem ka­pi­tal­in­ten­si­ve Pro­duk­ti­on bei Ban­ken be­si­chern“, sag­te Bal­mann.

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Pacht­land: Nicht ein­mal die Hälf­te der nie­der­säch­si­schen Äcker ge­hört den dar­auf ar­bei­ten­den Land­wir­ten. Fo­to: dpa

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