So­lar­world stellt In­sol­venz­an­trag

Deutsch­lands größ­ter So­lar­an­la­gen­her­stel­ler vor dem Aus – Mit­ar­bei­ter kalt er­wischt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Deutsch­lands größ­ter So­lar­her­stel­ler So­lar­world ist in­sol­vent. Der So­lar­her­stel­ler macht vor al­lem Dum­ping-An­ge­bo­te aus Chi­na ver­ant­wort­lich für das Schei­tern.

BONN/BRÜSSEL. Der Preis­kampf mit Kon­kur­ren­ten aus Asi­en hat Deutsch­lands letz­ten gro­ßen So­lar­her­stel­ler So­lar­world in die Plei­te ge­trie­ben. Ein ent­spre­chen­der In­sol­venz­an­trag für die Kon­zern­mut­ter So­lar­world AG sei beim Amts­ge­richt Bonn ein­ge­reicht wor­den, sag­te die Spre­che­rin und stell­ver­tre­ten­de Di­rek­to­rin des Ge­richts, Ga­b­rie­la Wäch­ter, am Don­ners­tag.

Der Vor­stand sei zu der Über­zeu­gung ge­langt, dass „kei­ne po­si­ti­ve Fort­be­ste­hens-Pro­gno­se mehr be­ste­he, die Ge­sell­schaft da­mit über­schul­det sei und so­mit ei­ne In­sol­venz­an­trags­pflicht be­ste­he“, hat­te das Bon­ner Un­ter­neh­men am Mitt­woch­abend per Pflicht­mit­tei­lung an die Bör­se mit­ge­teilt. Kri­ti­ker wer­fen Fir­men­chef Frank As­beck aber auch vor, in der Kri­se zu spät die Kos­ten ge­drückt zu ha­ben.

So­lar­world be­schäf­tigt ins­ge­samt knapp 3300 Men­schen – da­von rund 2600 in Deutsch­land in der Bon­ner Zen­tra­le, in Arn­stadt (Thü­rin­gen) und in Frei­berg (Sach­sen). Die Mit­ar­bei­ter zeig­ten sich über­rascht und scho­ckiert von der Nach­richt. Die Be­triebs­rats­che­fin An­ke Mar­tin-Hee­de am größ­ten Stand­ort Frei­berg sag­te, sie ha­be von der Ent­schei­dung am Mitt­woch­abend im Au­to er­fah­ren. Al­lein in Frei­berg sei­en et­wa 1200 Men­schen be­trof­fen.

So­lar­world macht für das Schei­tern Dum­ping-An­ge­bo­te aus Chi­na ver­ant­wort­lich, die den Markt­preis welt­weit in den Kel­ler ge­drückt hät­ten. Hin­zu kommt ein Scha­den­er­satz-Pro­zess in den USA über mehr als 700 Mil­lio­nen Eu­ro, den der Kon­zern in ers­ter In­stanz ver­lo­ren hat­te. Das Be­ru­fungs­ver­fah­ren läuft noch.

In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ha­be es we­gen des „mas­si­ven Dum­pings chi­ne­si­scher So­lar­her­stel­ler“eu­ro­pa­weit mehr als 100 In­sol­ven­zen und Werks­schlie­ßun­gen

ge­ge­ben, teil­te der Her­stel­ler­ver­band EU Pro­sun mit, in dem So­lar­world Mit­glied ist. Die 2013 ein­ge­führ­ten An­ti-Dum­ping-Maß­nah­men der EU sei­en lan­ge Zeit nur halb­her­zig kon­trol­liert wor­den.

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz führ­te am Don­ners­tag Ge­sprä­che mit der So­lar­world-Füh­rung dar­über, was der Staat für die Mit­ar­bei­ter tun kön­ne. „Wir müs­sen über­prü­fen, wel­che Hil­fe­stel­lun­gen für So­lar­world mög­lich sind“, sag­te Schulz.

In Brüssel be­rie­ten Ver­tre­ter der EU-Staa­ten bei ei­nem Han­dels­mi­nis­ter­tref­fen un­ter­des­sen über neue Ab­weh­r­in­stru­men­te ge­gen Bil­lig­im­por­te aus Chi­na. Hin­ter­grund ist das Aus­lau­fen ei­ner Re­ge­lung der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on

(WTO) zu An­tiDum­ping-Ver­fah­ren ge­gen Chi­na im ver­gan­ge­nen De­zem­ber. Nach ei­nem Ver­lust hat­te So­lar­world An­fang 2017 ein schar­fes Spar­pro­gramm an­ge­kün­digt und woll­te bis 2019 wie­der in die Ge­winn­zo­ne kom­men.

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Vor­bei mit den son­ni­gen Zei­ten: Der Solar­tech­nik-Her­stel­ler So­lar­world hat In­sol­venz an­ge­mel­det. Fo­to: dpa

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