Wo der Gins­ter gelb blüht

Der Braum­kamp in Alt-Lot­te er­in­nert an Gins­ter und ei­ne al­te All­men­de

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

LOT­TE. In Lot­tes Os­ten, na­he der ehe­ma­li­gen Gren­ze des Kö­nig­reichs Han­no­ver, ver­läuft par­al­lel zur al­ten B 65 der Braum­kamp. Mit der Far­be braun, Bäu­men oder gar brau­nen Bäu­men hat Braum da­bei nichts zu tun. Hier fand ei­ne ty­pi­sche Art der nord­west­deut­schen Sand­hei­den den Weg aufs Stra­ßen­schild.

„Auf der Hei­de“ist ein Be­griff aus dem Mit­tel­al­ter und be­zieht sich auf die eins­ti­ge All­men­de oder Mark. Hier wur­de das Vieh ge­wei­det, Plag­gen ge­sto­chen und Brenn­holz ge­sam­melt, wo­bei ei­ne Al­le­men­de Ge­mein­schafts­ei­gen­tum war. Dass wir uns am Braum­kamp in der ehe­ma­li­gen Mark und al­so auf ei­ner al­ten Hei­de­flä­che be­we­gen, zeigt auch die be­nach­bar­te Stra­ße „Feld­mark“an.

Nähr­stoff­ar­mer Bo­den

Die in­ten­si­ve Nut­zung hat­te zur Fol­ge, dass die Bö- den ex­trem nähr­stoff­arm wa­ren und nur we­ni­ge, spe­zi­el­le Pflan­zen­ar­ten ge­dei­hen konn­ten, die den Cha­rak­ter der Hei­den präg­ten. Hin­weis dar­auf ge­ben auch die be­nach­bar­ten Stra­ßen­na­men Wa­chol­der­weg und Gins­ter­weg. Letz­te­rer liegt di­rekt am Braum­kamp und Der Braum­kamp in Alt-Lot­te ver­läuft par­al­lel zur al­ten B 65.

ist so­zu­sa­gen das hoch­deut­sche Pen­dant: denn Braum ist Os­na­brü­cker Mun­d­art und ge­hört zum west­fä­li­schen Bram, her­vor­ge­gan­gen aus dem mit­tel­nie­der­deut­schen Bram mit der Be­deu­tung Gins­ter, Brom­bee­re oder Dorn­strauch. Ety­mo­lo­gisch geht es auf das ger­ma­ni­sche Bre­mo – Dorn­strauch und das in­do­ger­ma­ni­sche be­rem – Spit­ze, Kan­te zu­rück.

Bram­kamp ist ein ver­hält­nis­mä­ßig häu­fi­ger Fl­ur­na­me, was in der Na­tur der Sa­che liegt: Die Hei­de­flä­chen wa­ren groß, und Brom­bee­ren wie Gins­ter konn­ten sich hier bes­tens ver­brei­ten. Der

bo­ta­ni­sche Trick des Gins­ters: Er la­gert Stick­stoff aus der Luft in Wur­zel­knöll­chen ein und ist da­bei sehr schnell­wüch­sig, ei­ne ech­te Pio­nier­pflan­ze. Bei ent­spre­chen­dem Al­ter kann der Strauch bis zu drei Me­ter hoch wer­den.

Va­ri­an­ten von Bram sind Braam, Bra­me, Bramm und eben Braum. Auch das be­nach­bar­te Wes­ter­kap­peln hat sei­nen Bram­kamp am Senn­li­cher Weg na­he der Lot­ter Stra­ße. Dar­über hin­aus exis­tie­ren in Wes­ter­kap­peln die Fl­ur­na­men Braam­kam­pe, Gün­nen­bra­men­kam­pe, Bram­brei­te, Bram­bree­de. Die Ha­le­ner Brom­bree­de dürf­te eben­falls hier­her ge­hö­ren (mit­tel­nie­der­deutsch: Bro­men), ei­nen gleich­na­mi­gen Braum­kamp gibt es in Ber­sen­brück. Im na­he ge­le­ge­nen Os­na­brü­cker Orts­teil At­ter heißt es dann al­ler­dings wie­der Bram­kamp.

Am Lot­ter Braum­kamp ver­lieh höchst­wahr­schein­lich – wie in den meis­ten Fäl­len im Teck­len­bur­ger Land – der Be­sen­gins­ter Flur und Stra­ße sei­nen Na­men, was sich auch im be­nach­bar­ten Gins­ter­weg wi­der­spie­gelt.

Im­mer­hin: der gold­gelb blü­hen­de Strauch wächst hier tat­säch­lich noch wild an der Stra­ße.

Fo­tos: As­trid Sprin­ger

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