Ne­u­markt-Sper­re kommt – die Kla­ge auch

Ver­söhn­li­che Tö­ne im Aus­schuss – Bür­ger­bund und Wall-An­woh­ner wol­len vor Ge­richt zie­hen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Wil­ried Hin­richs

Die Sper­rung des Os­na­brü­cker Ne­u­mark­tes ist be­schlos­se­ne Sa­che. Nicht zum ers­ten Mal, aber seit ges­tern Abend mit ei­nem grö­ße­ren Ga­ran­tie­ver­spre­chen der Po­li­tik. Doch das letz­te Wort wer­den wohl die Ge­rich­te spre­chen, wie in der Sit­zung des Stadt­ent­wick­lungs­aus­schus­ses an­klang.

Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) höchst­selbst be­müh­te sich in die Sit­zung des Aus­schus­ses für Stadt­ent­wick­lung und Um­welt (Stua) – was sehr un­ge­wöhn­lich ist und die Be­deu­tung die­ser Sit­zung un­ter­strich. Die Ent­schlos­sen­heit der bun­ten Rats­mehr­heit, den Ne­u­markt für Au­tos zu sper­ren, konn­te Grie­sert aber nicht im Ge­rings­ten er­schüt­tern.

Fast al­le Ver­tre­ter der bun­ten Rats­mehr­heit aus SPD, Grü­nen, FDP, UWG und Lin­ken führ­ten das Wort „end­lich“im Mun­de. End­lich müs­se ei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen wer­den, end­lich Schluss sein mit der De­bat­te, die vie­le Men­schen in der Stadt nicht mehr nach­voll­zie­hen könn­ten.

In der sach­lich ge­führ­ten Dis­kus­si­on tausch­ten bei­de La­ger noch ein­mal al­le Ar­gu­men­te aus, um am En­de der an­dert­halb­stün­di­gen De­bat­te fest­zu­stel­len: In der Ab­wä­gung der Vor- und Nach­tei­le kom­men bei­de Sei­ten zu ge­gen­sätz­li­chen Er­geb­nis­sen. Die Stand­punk­te blei­ben un­ver­söhn­lich – aber die Mehr­heit ent­schei­det.

Die bun­te Mehr­heit setz­te ih­ren Be­schluss­vor­schlag ge­gen den Wil­len von CDU, BOB und Grie­sert durch. Wenn der Rat am 30 Mai eben­falls zu­stimmt (was zu er­war­ten ist), wird der Ne­u­markt schon bald für Au­tos ge­sperrt. For­mell wird der Ne­u­markt teil­ent­wid­met, das heißt: Er wird der frei­en Nut­zung für Au­to­fah­rer ent­zo­gen. Ob das recht­lich halt­bar ist, ist wei­ter um­strit­ten.

„Wir voll­zie­hen heu­te, was in ei­ner über 20-jäh­ri­gen De­bat­te im­mer wie­der ge­for­dert wor­den ist: Die Über­win­dung des Gr­a­bens zwi­schen süd­li­cher und nörd­li­cher In­nen­stadt“, er­öff­ne­te Vol­ker Ba­jus (Grü­ne) die Dis­kus­si­on. Ba­jus räum­te ein, dass ei­ne Sper­rung Ver­la­ge­rungs­ef­fek­te er­zeugt, der Ver­kehr sich aber auf vie­le Stel­len der Stadt ver­la­gern wer­de „und nicht nur auf den Wall“. „Wir schaf­fen mehr Le­bens­qua­li­tät in der Ci­ty und stär­ken sie da­mit.“Ba­jus schlug ver­söhn­li­che Tö­ne an, die Red­ner der po­li­ti­schen Ge­gen­sei­te er­wi­der­ten. Er sprach von „Ver­let­zun­gen“, die die po­li­ti­sche De­bat­te bei ei­ni­gen hin­ter­las­se, und äu­ßer­te die Hoff­nung, dass sie in ei­nem neu­en Kli­ma des Mit­ein­an­ders wie­der schnell ver­hei­len.

Ma­ri­us Kei­te (CDU) warb, eben­falls be­tont sach­lich, um Ver­ständ­nis, dass das Au­to Stef­fen Grü­ner, Bund Os­na­brü­cker Bür­ger

auch in Zu­kunft für vie­le Men­schen das wich­tigs­te Ver­kehrs­mit­tel blei­be. Die Ver­drän­gung des Ver­kehrs auf den Wall sei nicht hin­nehm­bar. Der Ein­bau von Lärm­schutz­fens­tern, wie von der Rats­mehr­heit vor­ge­schla­gen, wä­re „kei­ne Lö­sung“für die An­woh­ner des Walls. Sein Plä­doy­er: „Den ÖPNV stär­ken, den Rad­ver­kehr stär­ken, aber auch die­se Ach­se er­hal­ten, um lan­ge Um­fah­run­gen zu ver­mei­den.“

Hei­ko Pan­zer (SPD) sieht im Sper­rungs­be­schluss ei­ne „Rie­sen­chan­ce“, et­was Po­si­ti­ves für die süd­li­che In­nen­stadt zu er­rei­chen. Wie die Sper­rung auf den Ge­samt­ver­kehr wir­ke, sei be­reits in der 18-mo­na­ti­gen Bau­pha­se er­probt wor­den. Vie­le Au­to­fah­rer hät­ten den Be­reich weit­räu­mig um­fah­ren und auch den Au­to­bahn­ring ge­nutzt. „Die Er­reich­bar­keit der In­nen­stadt ist wei­ter voll­stän­dig ge­ge­ben“, so Pan­zer, „da muss man nur sei­ne In­tel­li­genz be­mü­hen und Ge­wohn­hei­ten än­dern, und schon ist ein frei­es Park­haus er­reicht.“

Stef­fen Grü­ner (BOB) warf der Mehr­heit vor, die Wal­lBe­woh­ner mit „Drei­fach­ver­gla­sung ein­zu­ze­men­tie­ren“. Die „ideo­lo­gisch ge­färb­te Ne­u­markt­sper­rung“füh­re zu ei­ner ge­sund­heit­li­chen Be­dro­hung der Men­schen, die am Wall le­ben. Grü­ner kün­dig­te an, ge­gen die Sper­rung zu kla­gen, soll­te der Rat am 30. Mai die Teil­ent­zie­hung be­schlie­ßen. Auch Wall-An­woh­ner, die als Zu­hö­rer der De­bat­te folg­ten, lie­ßen am Ran­de an­klin­gen, ei­nen sol­chen Be­schluss ge­richt­lich zu Fall brin­gen zu wol­len.

Oli­ver Hass­kamp (FDP) sag­te: „17 Jah­re De­bat­te sind ge­nug.“Er ver­glich die ak­tu­el­le De­bat­te mit dem Streit um die Fuß­gän­ger­zo­ne in der Gro­ßen Stra­ße. Die FDP wer­de ei­nen An­trag ein­brin­gen, ein Kon­zept zur Ver­flüs­si­gung des Wall-Ver­kehrs „end­lich“auf den Weg zu brin­gen. Um die Auf­ent­halts­qua­li­tät auf dem Ne­u­markt nach­hal­tig

zu ver­bes­sern, müs­se auch der Bus­ver­kehr re­du­ziert wer­den. Das stär­ke die Ci­ty und den Ein­zel­han­dels­stand­ort, der sich des On­line­han­dels er­weh­ren müs­se.

Grie­sert be­kräf­tig­te sei­ne Rechts­auf­fas­sung, dass die Stadt die Ver­la­ge­rung des Lärm und der Schad­stof­fe vom Ne­u­markt auf den Wall nicht zu­las­sen darf. Es sei „Spö­ken­kie­ke­rei“, jetzt schon zu sa­gen, dass die Be­las­tung für Wall und um­lie­gen­de Wohn­ge­bie­te in den Griff zu be­kom­men sei. Der OB mahn­te, die Aus­wir­kun­gen auf das ge­sam­te Stra­ßen­netz im Blick zu be­hal­ten, und ap­pel­lier­te an die Rats­mehr­heit, mit ei­ner Ent­schei­dung zu war­ten, bis der Luf­t­rei­ne­halte­und Lärm­ak­ti­ons­plan fer­tig ist. Der Rat sol­le bis 2019 still­hal­ten und dann auf ge­si­cher­ter Fak­ten­la­ge ei­ne Ent­schei­dung tref­fen.

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