Fran­zö­si­sche Or­gel­mu­sik mit Os­na­brü­cker Ak­zent

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

Zu 90 Pro­zent ent­stam­me sein Pro­gramm der fran­zö­si­schen Or­gel­ro­man­tik, sagt Do­m­or­ga­nist Do­mi­ni­que Sau­er zur Be­grü­ßung beim ers­ten der fünf Or­gel­kon­zer­te im Dom, das er tra­di­tio­nell selbst spielt. Die­ses fran­zö­si­sche Pro­gramm er­hält aber ei­nen klei­nen Os­na­brü­cker Ak­zent, denn die feh­len­den zehn Pro­zent ge­hö­ren Bru­no Os­car Klein. Der wur­de 1858 hier als Sohn von Sau­ers Amts­vor­gän­ger Carl Klein ge­bo­ren, stu­dier­te bei Jo­sef Rhein­ber­ger in Mün­chen und ging dann in die USA, wo er 1911 in New York starb. Die No­ten zu drei Or­gel­stü­cken fand Do­mi­ni­que Sau­er in sei­nem ei­ge­nen No­ten­schrank. Zwei der drei Stü­cke tra­gen pro­gram­ma­ti­sche Ti­tel: „Abend­ge­bet“und „Frü­her Mor­gen im Klos­ter“, sind zart und schlicht, ha­ben aber durch­aus ih­ren Reiz.

Sau­er hat das Pro­gramm streng chro­no­lo­gisch ge­ord­net, so­mit ste­hen zwei Fan­ta­si­en von Cé­sar Franck und Alex­and­re Guil­mant am Be­ginn, es fol­gen Klein und Lou­is Vi­er­ne mit sei­ner gro­ßen drit­ten Or­gel­sym­pho­nie. Die Be­schrän­kun­gen des ei­gent­lich „star­ren“Or­gel­klangs über­win­det Sau­er in Francks Fan­ta­sie A-Dur. Das ge­lingt ihm durch die Kom­bi­na­ti­on von Schwell­werk, Tr­e­mu­lant, sich durch ent­spre­chen­de Re­gis­trie­rung all­mäh­lich ver­än­dern­der Klang­far­ben wei­cher Ar­ti­ku­la­ti­on so­wie der Ver­mei­dung von zu kräf­ti­gen, erst recht von schar­fen Klän­gen, und im Er­geb­nis wirkt der Or­gel­klang fast so fle­xi­bel wie ei­ne Sing­stim­me.

Alex­and­re Guil­mants Fan­ta­sie über ei­nen Os­ter­ge­sang legt der Or­ga­nist ganz an­ders an, die ein­zel­nen Tei­le sind nun eher durch Kon­tras­te ge­prägt. Die drit­te Sym­pho­nie Lou­is Vi­er­nes spielt Sau­er als be­ein­dru­cken­den Hö­he­punkt. Im Aus­druck ist das Werk sehr viel­fäl­tig und wird in al­len Stim­mun­gen von Do­mi­ni­que Sau­er prä­gnant um­ge­setzt. Die ganz gro­ße Klang­pracht spa­ren sich Vi­er­ne und sein In­ter­pret dann al­ler­dings doch bis zu den letz­ten Tak­ten auf.

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