Fal­sche Re­ak­ti­on nach Haus­not­ruf

BGH wirft Jo­han­ni­tern Feh­ler vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Auf die Jo­han­ni­ter-Un­fall­hil­fe könn­te ein ers­ter Haf­tungs­fall nach ei­nem Haus­not­ruf zu­kom­men. Der Bun­des­ge­richts­hof ver­wies am Don­ners­tag ei­ne Kla­ge auf Scha­den­er­satz und Schmer­zens­geld zu­rück an das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt. Die Karls­ru­her Rich­ter mach­ten da­bei deut­lich, dass die Jo­han­ni­ter ih­re Hil­fe­leis­tungs­pflicht in dem Fall „grob ver­nach­läs­sigt“ha­ben. (Az. III ZR 92/16)

Der mitt­ler­wei­le ver­stor­be­ne Klä­ger hat­te in sei­ner Woh­nung ei­ne No­t­ruf­an­la­ge. Im April 2012 be­tä­tig­te der da­mals 78-Jäh­ri­ge die­se, wor­auf­hin zwei Mit­ar­bei­ter ei­nes Si­cher­heits­diens­tes, aber kei­ne Ret­tungs­kräf­te ge­schickt wur­den. Zwei Ta­ge spä­ter wur­de bei dem Mann ein nicht ganz neu­er Schlag­an­fall fest­ge­stellt, der ihn halb­sei­tig ge­lähmt und mit ei­ner Sprach­stö­rung zu­rück­ließ.

Sei­ne Töch­ter ver­lan­gen des­halb min­des­tens 40 000 Eu­ro Schmer­zens­geld so­wie Scha­den­er­satz. In den Vor­in­stan­zen blie­ben sie da­mit er­folg­los. „Das scheint uns schon ziem­lich da­ne­ben zu sein“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter, Ul­rich Herr­mann, in der Ver­hand­lung.

Mi­nu­ten­lang sei über den No­t­ruf nur ein Stöh­nen zu hö­ren ge­we­sen. Ein aku­ter me­di­zi­ni­scher Not­fall ha­be sich des­halb auf­ge­drängt, so das Ur­teil. Mit­ar­bei­ter mit ei­ner blo­ßen Ers­te-Hil­fe-Aus­bil­dung zu schi­cken sei kei­ne an­ge­mes­se­ne Hil­fe ge­we­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof zwei­fel­te au­ßer­dem dar­an, dass die Ber­li­ner Rich­ter ob­jek­tiv an die Sa­che her­an­ge­gan­gen sind. Ent­schei­den muss des­halb nun ein an­de­rer Se­nat. Da­bei wird es ne­ben der Hö­he des Scha­den­er­sat­zes dar­um ge­hen, ob die Pflicht­ver­let­zung der Jo­han­ni­ter ur­säch­lich war für Läh­mung und Sprach­stö­rung des Man­nes. In der Re­gel muss das der Klä­ger be­wei­sen. Um­ge­kehrt ist die Be­weis­last et­wa bei gro­ben Be­hand­lungs­feh­lern ei­nes Arz­tes. Die­sen Grund­satz über­trug der Ge­richts­hof nun auf den Haus­not­ruf­ver­trag.

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