Kult der Klas­si­ker

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Ste­fan Lüd­de­mann s.lued­de­mann@noz.de

Re­vo­lu­tio­när, Ti­tan, Mensch­heits­be­glü­cker: Das Bild Lud­wig van Beet­ho­vens scheint seit Ge­ne­ra­tio­nen von hu­ma­ni­tä­rem Pa­thos ge­ra­de­zu durch­tränkt. Gleich­zei­tig er­scheint der Kom­po­nist als rast­lo­ses und vor al­lem ein­sa­mes Ge­nie. Mit sei­nem Na­men ver­bin­det sich ei­ne Po­se un­an­fecht­ba­rer Au­to­ri­tät. Lud­wig van Beet­ho­ven – der He­ros mit dem dop­pel­ten Ge­sicht?

Die For­schun­gen zur Rol­le des Beet­ho­ven-Hau­ses im Drit­ten Reich zei­gen nun je­den­falls, in wel­chem Maß auch die­se Über­fi­gur der Mu­sik­ge­schich­te für ei­ne men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie miss­braucht wor­den ist. El­ly Ney, die li­ni­en­treue Pia­nis­tin, lob­te et­wa wäh­rend des Drit­ten Rei­ches Beet­ho­vens drit­te Sin­fo­nie, die „Eroi­ca“, als Mo­nu­ment tö­nen­der Kampf­be­reit­schaft. Beet­ho­ven und das Ha­ken­kreuz? Ja, auch die­se Al­li­anz hat es ge­ge­ben.

Nun kön­nen sich Künst­ler ge­gen den Miss­brauch ih­rer Wer­ke nicht mehr weh­ren. Das muss so­gar Richard Wa­gner zu­gu­t­ege­hal­ten wer­den. Aber es wä­re an der Zeit, die po­li­ti­schen Kon­tex­te des ver­meint­lich ent­rück­ten Er­bes gro­ßer Klas­si­ker der Mu­sik ge­nau­er zu be­den­ken. Ein lee­rer He­ro­en-Kult hilft nie­man­dem wei­ter.

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