Deut­sche Jour­na­lis­tin in Tür­kei in­haf­tiert

Grün­de un­klar – 33-Jäh­ri­ge be­reits vor zwei Wo­chen fest­ge­nom­men – Bun­des­re­gie­rung for­dert Zu­gang

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Noz.de/the­men/tu­er­kei

Die tür­ki­sche Re­gie­rung spricht von ei­nem si­che­ren Land für Jour­na­lis­ten, Kri­ti­ker se­hen das En­de der Pres­se­frei­heit. Jetzt ist auch ei­ne Über­set­ze­rin aus Deutsch­land in Haft. Die deutsch-tür­ki­schen Be­zie­hun­gen wer­den durch ei­ne wei­te­re In­haf­tie­rung be­las­tet. Die Bun­des­re­gie­rung for­der­te am Frei­tag Zu­gang zu der in ei­nem Ge­fäng­nis bei Istan­bul ein­sit­zen­den Me­sa­le To­lu. „Für uns ist es wich­tig, dass wir uns um sie als deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge küm­mern kön­nen“, sag­te der Spre­cher des Aus­wär­ti­gen Am­tes, Mar­tin Schä­fer.

To­lu, die für die links­ge­rich­te­te Agen­tur Etha ar­bei­tet, war be­reits am 30. April von ei­ner An­ti-Ter­ror-Ein­heit fest­ge­nom­men wor­den, wie die ARD am Don­ners­tag be­rich­tet hat­te. Die Bun­des­re­gie­rung ha­be nicht von tür­ki­scher Seite von die­sem Haft­fall

ge­hört, son­dern aus an­de­ren Qu­el­len, er­klär­te das Aus­wär­ti­ge Amt. Die tür­ki­schen Be­hör­den hät­ten da­mit das Wie­ner Über­ein­kom­men für kon­su­la­ri­sche Be­zie­hun­gen ver­letzt.

Wie die ARD be­rich­te­te, er­ließ ein Rich­ter Haft­be­fehl we­gen Ter­ror­pro­pa­gan­da

und Mit­glied­schaft in ei­ner Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on. Laut ta­ges­schau.de wur­de To­lu in Ulm ge­bo­ren. Sie hat­te 2007 die tür­ki­sche Staats­bür­ger­schaft ab­ge­ge­ben und die deut­sche er­hal­ten. Auf die Fra­ge, was das Aus­wär­ti­ge Amt über den Ver­bleib des zwei­jäh­ri­gen Soh­nes der

Über­set­ze­rin wis­se, der wäh­rend der Po­li­zei-Raz­zia wohl in der Woh­nung ge­we­sen sei, ant­wor­te­te Schä­fer, er sei sehr si­cher, dass das Kind bei der Fa­mi­lie sei.

Nach An­ga­ben des Aus­wär­ti­gen Am­tes sind ak­tu­ell sechs deut­sche Staats­bür­ger in der Tür­kei in Un­ter­su­chungs­haft oder in Po­li­zei­ge­wahr­sam. Vier von ih­nen be­sit­zen au­ßer­dem die tür­ki­sche Staats­bür­ger­schaft. Zu ih­nen ge­hört der „Welt“-Kor­re­spon­dent De­niz Yücel. Ihm wer­den Ter­ror­pro­pa­gan­da und Volks­ver­het­zung vor­ge­wor­fen. Er war im Fe­bru­ar fest­ge­nom­men wor­den.

Der Fa­mi­lie der Über­set­ze­rin wird nach An­ga­ben ih­res Bru­ders der Zu­gang ver­wehrt. „Wir dür­fen sie nicht se­hen, wir dür­fen kei­ne Be­su­che ma­chen“, sag­te Hü­sey­in To­lu in Ulm. Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir for­der­te die so­for­ti­ge Frei­las­sung der 33Jäh­ri­gen. Dem Re­dak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land sag­te er, die Bun­des­re­gie­rung müs­se „mit Nach­druck“dar­auf be­ste­hen, da To­lu aus­schließ­lich die deut­sche Staats­bür­ger­schaft be­sit­ze. Der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band (DJV) for­der­te die tür­ki­sche Jus­tiz eben­falls auf, To­lu so­fort auf frei­en Fuß zu set­zen.

Am Frei­tag wur­de auch der On­line-Chef­re­dak­teur der tür­ki­schen Zei­tung „Cumhu­riy­et“in Istan­bul fest­ge­nom­men. Die Staats­an­walt­schaft for­dert lan­ge Haft­stra­fen für ins­ge­samt 19 Mit­ar­bei­ter des op­po­si­tio­nel­len Blat­tes.

Tür­kei nach Putsch und Re­fe­ren­dum:

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