Food­watch für ei­gen­stän­di­ges Mi­nis­te­ri­um

Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­ti­on will Agrar­res­sort ab­schaf­fen – „Rei­ne Kli­en­tel­po­li­tik“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Von Ma­ri­on Trim­born

Gam­mel­fleisch, falsch de­kla­rier­te Bio-Eier und Schock­fo­tos aus der Tier­mast: Die Rei­he an Skan­da­len um Le­bens­mit­tel und Nutz­tie­re reißt nicht ab. Die Ver­brau­cher­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Food­watch for­dert des­halb die Ab­schaf­fung des Agrar­mi­nis­te­ri­ums und ein ei­ge­nes Mi­nis­te­ri­um für Ver­brau­cher­schutz.

In ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on kri­ti­sier­te Food­watch-Chef Mar­tin Rü­cker: „Nie­mand braucht ein Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, das ist ein Re­likt aus al­ten Zei­ten.“Es hand­le sich da­bei nur um ein Kli­en­tel-Mi­nis­te­ri­um für die Le­bens­mit­tel­in­dus­trie und die Bau­ern. Rü­cker sag­te: „Es gibt ja auch kein Au­to­mi­nis­te­ri­um.“Aus sei­ner Sicht soll­te der ge­sund­heit­li­che Ver­brau­cher­schutz in ei­nem ei­gen­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­um ver­an­kert sein, um In­ter­es­sen­kon­flik­te zu ver­mei­den.

Rü­cker stell­te Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) ein schlech­tes Zeug­nis sei­ner Amts­zeit aus. „Wenn ich ein Au­ge zu­drü­cke, wür­de ich sa­gen: Schul­no­te fünf plus.“Schmidt ha­be mit der Tier­hal­tung „zwar zu Recht ein The­ma er­kannt, aber lei­der nichts er­reicht und ei­nen völ­lig fal­schen Weg ein­ge­schla­gen“. We­der bei der Gen­tech­nik-Kenn­zeich­nung noch bei der Re­form des Le­bens­mit­tel­rechts ha­be der CSU-Po­li­ti­ker die Ver­spre­chen im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ein­ge­löst.

Rü­cker sag­te: „Schmidt wirkt wie der Krea­tiv­di­rek­tor ei­ner Bun­des­wer­be­agen­tur, der ei­ne Auf­klä­rungs­kam­pa­gne nach der an­de­ren macht und voll­stän­dig auf Frei­wil­lig­keit setzt.“Es rei­che aber nicht, ge­gen Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung Res­te-Re­zep­te an­zu­bie­ten oder El­tern auf ei­ne ge­sun­de Ver­pfle­gung in Schul­kan­ti­nen zu ver­wei­sen. Not­wen­dig sei­en stren­ge­re Ge­set­ze.

Food­watch kri­ti­siert zu­dem, dass im Wahl­kampf kei­ne Par­tei ei­ne star­ke ver­brau­cher­po­li­ti­sche Agen­da ha­be. „Das scheint ein The­ma zu sein, mit dem Par­tei­en glau­ben, nicht punk­ten zu kön­nen“, sag­te Rü­cker. Die Po­li­ti­ker hät­ten Angst, dass sol­che Vor­schlä­ge als wirt­schafts­feind­lich oder be­vor­mun­dend kri­ti­siert wür­den.

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