Je­de Se­kun­de zählt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - C.schil­ling­mann@noz.de

Dass Gaf­fen an Un­fall­stel­len und Blo­ckie­ren von Ret­tungs­gas­sen in Zu­kunft un­ter Stra­fe ge­stellt wer­den, ist gut und rich­tig. Denn wenn die Schau­lus­ti­gen nach ei­nem schwe­ren Au­to­un­fall mit ge­zück­tem Smart­pho­ne an ei­ner Un­fall­stel­le vor­bei­fah­ren, aus rei­ner Neu­gier ein Vi­deo auf­neh­men und da­durch noch Rück­stau ver­ur­sa­chen, dann ist das rück­sicht­los. Nein, noch mehr. Es ist skru­pel­los.

Wel­che Mo­ti­ve ha­ben sol­che Leu­te, die sich Ret­tungs­kräf­ten ab­sicht­lich in den Weg stel­len oder die­se gar an­grei­fen? Was stimmt mit sol­chen Men­schen nicht? Über die Mo­ti­ve kann man nur spe­ku­lie­ren. Doch zu­min­dest passt das Ver­hal­ten in das Bild ei­ner all­ge­mei­nen Ver­ro­hung der Ge­sell­schaft, wie sie sich auch et­wa in Hass-Kom­men­ta­ren im In­ter­net oder

der ste­ten Zu­nah­me von ge­walt­tä­ti­gen Über­grif­fen ins­ge­samt of­fen­bart. Klar aber ist: Ret­tungs­kräf­te zu at­ta­ckie­ren ist ver­ant­wor­tungs­los. Wer sie an ih­rer Ar­beit hin­dert, ris­kiert, dass Un­fall­op­fer des­we­gen ihr Le­ben ver­lie­ren.

Pas­siert ein Un­fall, muss die De­vi­se lau­ten: Platz ma­chen und die Smart­pho­nes in der Ho­sen­ta­sche oder wo auch im­mer las­sen, nur nicht in der Hand. Das ge­bie­tet der ge­sun­de Men­schen­ver­stand. Dann kön­nen die Ret­tungs­kräf­te auch ih­rer wert­vol­len Ar­beit nach­ge­hen. Denn oft geht es um Le­ben und Tod. Und da zählt je­de Se­kun­de.

Von Chris­toph Schil­ling­mann

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