Ab­fall soll stär­ker wie­der­ver­wer­tet wer­den

Bun­des­rat stimmt Ver­pa­ckungs­ge­setz zu – Kri­tik von Um­welt­schüt­zern und kom­mu­na­len Ent­sor­gern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Und Ana­ly­sen auf noz.de/wirt­schaft

Im Jahr 2011 ent­schied die Bun­des­re­gie­rung, gel­be Sä­cke und Ton­nen durch Wert­stoff­ton­nen zu er­set­zen. Aus dem ge­plan­ten Wert­stoff­ge­setz wur­de nichts, er­satz­wei­se gibt es nun ein Ver­pa­ckungs­ge­setz – aber nie­mand ist so rich­tig zu­frie­den da­mit. War­um?

BERLIN. Der Ab­fall in Deutsch­land soll künf­tig stär­ker wie­der­ver­wer­tet wer­den und nicht in der Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge lan­den. Mit dem am Frei­tag vom Bun­des­rat be­schlos­se­nen Ge­setz sol­len Ver­pa­ckungs­ab­fäl­le zu­dem stär­ker ver­mie­den wer­den. Das Ver­pa­ckungs­ge­setz tritt am 1. Ja­nu­ar 2019 in Kraft.

Künf­tig gel­ten dem­nach für die dua­len Sys­te­me von In­dus­trie und Han­del hö­he­re Re­cy­cling­quo­ten. Die Quo­te für Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen steigt bis zum Jahr 2022 von der­zeit 36 Pro­zent auf 63 Pro­zent. Die Quo­te für Me­tal­le, Pa­pier und Glas soll auf 90 Pro­zent stei­gen. Ei­ne zen­tra­le Stel­le soll kon­trol­lie­ren, ob Her­stel­ler ih­re Ver­pa­ckungs­men­gen ge­set­zes­kon­form für das Re­cy­cling an­ge­mel­det ha­ben. Ein Kri­tik­punkt ist je­doch, dass die­se Markt­über­wa­chung zum Teil von Her­stel­lern und Han­del selbst über­nom­men wird. Glas wird be­reits heu­te viel re­cy­celt. Je­doch steigt seit Jah­ren der An­teil an Ge­trän­ken in Ein­weg-Plas­tik­ver­pa­ckun­gen. Mit dem neu­en Ver­pa­ckungs­ge­setz soll die Mehr­weg­quo­te er­höht wer­den. Sank­tio­nen gibt es al­ler­dings kei­ne.

Dar­über hin­aus müs­sen Ge­schäf­te in Zu­kunft auf die Re­ga­le ge­son­dert hin­wei­sen, in de­nen Mehr­weg­fla­schen ste­hen. Au­ßer­dem wird die Pfand­pflicht auf Frucht­saft­schor­len und Misch­ge­trän­ke mit ei­nem Mol­ke-An­teil aus­ge­wei­tet. Da­mit will Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) den Mehr­weg-An­teil

bei den Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen stei­gern. Ziel ist ei­ne Mehr­weg­quo­te von 70 Pro­zent. Bis­her liegt der An­teil bei rund 45 Pro­zent, Ten­denz seit Jah­ren sin­kend. Sank­tio­nen sind aber nicht ge­plant, was bei den Um­welt­ver­bän­den auf Kri­tik stößt.

Ur­sprüng­lich woll­te die Bun­des­re­gie­rung bun­des­weit

Wert­stoff­ton­nen ein­füh­ren, die gel­ben Sack oder gel­be Ton­ne er­setzt hät­ten, da­mit über­all Ver­pa­ckun­gen und an­de­rer Ab­fall aus Wert­stof­fen zu­sam­men ent­sorgt wer­den kön­nen. Doch die­ses Vor­ha­ben schei­ter­te an ei­nem Streit zwi­schen kom­mu­na­len und pri­va­ten Ent­sor­gern.

Nie­der­sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Ste­fan Wen­zel (Grü­ne) kri­ti­sier­te, auch nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen sei es nicht ge­lun­gen, ein ef­fi­zi­en­tes, öko­lo­gi­sches und ver­brau­cher­na­hes Wert­stoff­ge­setz auf den Weg zu brin­gen. Der Bund ha­be nicht ein­mal ver­sucht, auf Kri­tik­punk­te des Bun­des­rats ein­zu­ge­hen.

Kri­tik kommt auch von den kom­mu­na­len Ab­fall­ent­sor­gern: Der Ver­band kom­mu­na­ler Un­ter­neh­men weist dar­auf hin, dass die für den Bür­ger we­nig ver­ständ­li­che Tren­nung von Ver­pa­ckun­gen und Nicht­ver­pa­ckun­gen be­ste­hen blei­be. „Da­mit wur­de ei­ne gro­ße Chan­ce für mehr Res­sour­cen­schutz und Bür­ger­freund­lich­keit ver­ge­ben.“

Um­welt­staats­se­kre­tär Flo­ri­an Pro­nold (SPD) un­ter­strich da­ge­gen: „Wir wer­den nach über 20 Jah­ren die Re­cy­cling­quo­ten an­pas­sen.“

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