… und kommt dann Fav­re?

Niz­zas-Trai­ner ist be­gehrt – nicht nur in Dort­mund

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Von Olaf Kup­fer

Bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach wurmt es sie noch heu­te. Dass Lu­ci­en Fav­re nach er­folg­rei­chen Jah­ren und dann sechs Nie­der­la­gen zu Sai­son­be­ginn am 20. Sep­tem­ber 2015 über­stürzt hin­ge­wor­fen hat und ge­flüch­tet ist. Meh­re­re Ma­le zu­vor schon hat­te der sen­si­ble Schwei­zer sei­nen Rück­tritt an­ge­bo­ten, gar da­mit ge­droht. Zu­meist hat­te das sein­er­zeit Glad­bachs Ma­na­ger Max Eberl ab­ge­fan­gen, er re­de­te auf Fav­re ein, über­re­de­te ihn, wur­de so zum Fav­re-Psy­cho­lo­gen.

Ein­ein­halb Jah­re spä­ter ist Lu­ci­en Fav­re, 59 Jah­re alt, wie­der in al­ler Mun­de: Als Trai­ner, der mit dem fran­zö­si­schen Erst­li­gis­ten OGC Niz­za in der nächs­ten Sai­son in der Cham­pi­ons Le­ague an­tre­ten wird. Und eben auch als Iko­ne, die deut­sche Top­clubs um­gar­nen. Wer sich in die­sen letz­ten Ta­gen ei­ner für vie­le zä­hen Sai­son nach ei­ner neu­en Hoff­nung um­schaut, der lan­det bei Fav­re. Bei dem Mann, des­sen Haar lang­sam weiß wird, im No­vem­ber wird er 60. Der mit sei­nem über­stürz­ten Ab­schied aus Glad­bach an sei­ner Le­gen­de ge­strickt, aber nichts von sei­nem Wert ver­lo­ren hat. Fuß­ball ist Psy­cho­lo­gie, und die­ses Feld be­ackert der bis­wei­len wun­der­li­che Schwei­zer viel­leicht so­gar un­be­wusst mit Ver­ve. Man muss nur mal Lu­ci­en Fav­re.

weg sein, um an­de­ren die Chan­ce zu ge­ben zu er­ken­nen, was fehlt.

Le­ver­ku­sen et­wa soll an ihm ge­bag­gert ha­ben. Jetzt heißt es, Dort­mund wol­le in als Nach­fol­ger vom Viel­leicht-bald-Ex-Trai­ner Tho­mas Tu­chel. Wie schon vor zwei Jah­ren, als Fav­re ein hoch ge­han­del­ter Kan­di­dat als Klopp-Nach­fol­ger war.

Fal­sche Fähr­te? Aus sei­nem Um­feld ist zu hö­ren, dass sich Fav­re und des­sen Frau Chan­tal in Frank­reich wohl­füh­len. Ver­trag bis 2019. Dass er nicht nur Er­folg hat, son­dern in sei­ner Mut­ter­spra­che – end­lich! – ein an­de­res Bild von sich schaf­fen konn­te. In Deutsch­land war das bis­wei­len ein Pro­blem, zu­erst für Fav­re.

Er ist mit den Sei­nen ein bis­si­ger Ver­fol­ger der su­per­rei­chen Clubs Pa­ris St. Ger­main und AS Mo­na­co. Fav­re hat mit sei­ner jun­gen Elf, in der sein al­ter Glad­bach-Spe­zi Dan­te und der ihm zu­ge­fal­le­ne Ita­lie­ner Ma­rio Ba­lo­tel­li die Stüt­zen sind, 77 Punk­te ge­holt. Ba­lo­tel­li, den Um­trie­bi­gen, hat er ge­zähmt. Ba­lo­tel­li über Fav­re: „Er steht auf ei­ner Stu­fe mit Mour­in­ho.“Fav­re hat sich – so schreibt die „Zeit“– die an­de­ren Stars selbst ge­bas­telt. Es wür­de zu Fav­re pas­sen, wenn er die­se Ent­wick­lung wei­ter aus der Nä­he ver­fol­gen wol­len wür­de. Zu­dem soll der AS Mo­na­co auf Fav­re schie­len, weil des­sen Trai­ner Leo­nar­do Jar­dim nach En­g­land ten­diert. Die Fa­mi­lie Fav­re fühlt sich wohl in Süd­frank­reich, Mo­na­co wä­re um die Ecke, und Fav­re hät­te dann ziem­lich viel Geld zur Ver­fü­gung. Man ent­wi­ckelt ja auch ganz ger­ne teu­re Ta­len­te wei­ter.

In Frank­reich, heißt es, sind auch die Pre­mierLe­ague-Ver­ei­ne sehr viel auf­merk­sa­mer ge­wor­den auf ihn. Fav­re selbst woll­te im­mer zum FC Bay­ern. Aber von dort kam nichts.

Und Dort­mund? Schwer vor­stell­bar, dass der Fuß­bal­lLeh­rer im Re­vier lan­det, wo die Fans sich nach ei­ner freud­vol­len Trai­ner-Club­Fans-See­len­ge­mein­schaft seh­nen, die Fav­re in sei­ner Art, eher bei sich als bei an­de­ren zu sein, nie er­fül­len könn­te. Er braucht Ru­he für sei­ne Fuß­ball-De­tail­ar­beit. Er hat vie­le Op­tio­nen. Aber ein Fav­re will gut über­legt sein.

Fo­to: imago/ Mül­ler

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