Heu­te Start-up, in ein paar Jah­ren Wirt­schafts­mo­tor?

War­um Fabian und Ja­nik Schlar­mann ein Glücks­fall für Os­na­brück sind

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Zwei Brü­der grün­den noch wäh­rend ih­res Stu­di­ums ei­ne ei­ge­ne Soft­ware­fir­ma. Heu­te be­lie­fern sie Un­ter­neh­men in ganz Deutsch­land. Aus Sicht der Os­na­brü­cker Wirt­schafts­för­de­rung ein Glücks­fall für die Stadt.

Von Ste­fa­nie Hiek­mann

Bei der Au­to­o­der Ma­schi­nen­pro­duk­ti­on, für den Häu­ser­bau oder die Stadt­pla­nung – 3-D-Mo­del­le ge­win­nen in der In­dus­trie und im In­ge­nieurs­we­sen im­mer mehr an Be­deu­tung. Die aus Wal­len­horst stam­men­den Brü­der Ja­nik (25) und Fabian Schlar­mann (22) ha­ben sich das zu­nut­ze ge­macht: Mit ih­rem Start-up „Fo­res­ta­ge Tech­no­lo­gies“bie­ten sie Un­ter­neh­men ei­ne Soft­ware an, die 3-D-Da­tei­en oh­ne fach­li­ches Know-how er­leb­bar macht und ih­nen ei­ne Büh­ne bie­tet – mit dem Wort „fo­res­ta­ge“wird im eng­li­schen Thea­ter die Ram­pe (Vor­büh­ne) be­zeich­net.

„Nicht je­der Mensch hat ein aus­ge­präg­tes räum­li­ches Vor­stel­lungs­ver­mö­gen“, er­klärt Fabian Schlar­mann, der die Soft­ware über meh­re­re Mo­na­te zu­sam­men mit an­de­ren Ent­wick­lern pro­gram­miert hat. So sei es für di­ver­se Ein­satz­fel­der hilf­reich, ein­fa­che 3-D-Da­tei­en, so­ge­nann­te CAD-Da­tei­en, mit­hil­fe ei­ner 3-D-Bril­le zu vi­sua­li­sie­ren.

Der Clou: Der Kun­de braucht kei­ner­lei Fach­kennt­nis­se, son­dern spielt die ihm vor­lie­gen­den 3-D-Da­tei­en ein­fach in das Pro­gramm ein, das die ent­hal­ten­den Zeich­nun­gen und Mo­del­le dann über ei­ne Vir­tu­al-Rea­li­ty­B­ril­le bin­nen we­ni­ger Se­kun­den ab­bil­det.

„Das kann zum Bei­spiel auch für Mit­ar­bei­ter­schu­lun­gen in­ter­es­sant sein“, be­merkt Ja­nik Schlar­mann. Möch­te man zum Bei­spiel nicht für je­de Schu­lung wie­der ein Au­to aus­ein­an­der­bau­en, um ge­wis­se De­tails zu er­klä­ren, lässt sich der glei­che In­halt oh­ne vi­su­el­le Ver­lus­te über die Soft­ware dar­stel­len. Ähn­li­che Sze­na­ri­en gel­ten für Prä­sen­ta­tio­nen bei Kun­den oder Ge­schäfts­part­nern, die sich ein ge­plan­tes Mo­dell durch die 3-D-Bril­le bes­ser vor­stel­len kön­nen.

Das Ziel für die Fir­men sei da­bei mit­un­ter auch ei­ne Kos­ten­er­spar­nis – mit der Zeit. Zu­nächst kos­tet ei­ne Soft­ware­li­zenz na­tür­lich Geld. Die Preis­staf­fe­lung hän­ge im­mer da­von ab, wie die Li­zenz ge­nutzt wer­den soll, er­klärt Fabian Schlar­mann. Al­so: Soll das Pro­gramm nur in­ner­halb des ei­nen Un­ter­neh­mens ver­wen­det wer­den oder für ei­ne kon­zern­über­grei­fen­de Zu­sam­men­ar­beit in Form von Vi­deo-Kon­fe­ren­zen, bei de­nen von zwei Kon­ti­nen­ten aus der glei­che vir­tu­el­le Raum „be­tre­ten“wer­den kann? All so et­was macht die vir­tu­el­le Rea­li­tät ma­de in Os­na­brück mög­lich. Ge­naue Prei­se nen­nen die jun­gen Un­ter­neh­mer al­ler­dings nicht.

Seit drei Jah­ren tei­len sie sich für ihr Start-up zwei Bü­ro­räu­me im In­no­va­ti­ons­cen­trum Os­na­brück (ICO) an der Al­bert-Ein­stein-Stra­ße. Dass sie heu­te ih­re ei­ge­ne Soft­ware ver­mark­ten und mit ver­schie­de­nen frei­en Pro­gram­mie­rern und Ent­wick­lern zu­sam­men­ar­bei­ten, war zu­nächst gar nicht ge­plant. Schon wäh­rend sei­nes Ba­che­lor­stu­di­en­gan­ges „Me­dia & In­ter­ac­tion De­sign“an der Os­na­brü­cker Hoch­schu­le hat Ja­nik Schlar­mann frei­be­ruf­lich als Fil­me­ma­cher ge­ar­bei­tet. Schlar­mann-Film gibt es heu­te im­mer noch – ist durch „Fo­res­ta­ge Tech­no­lo­gies“

und Tech­nik. Seit En­de 2014 be­schäf­ti­gen sich die Brü­der vor al­lem mit vir­tu­el­ler Rea­li­tät, un­ter­stützt von frei­be­ruf­li­chen Ent­wick­lern. Ih­re Soft­warei­dee wird mitt­ler­wei­le von nam­haf­ten Un­ter­neh­men in ganz Deutsch­land ge­nutzt.

„Ich hät­te das vor ein paar Jah­ren nie für mög­lich ge­hal­ten“, ge­steht Fabian Schlar­mann mit Blick auf die Selbst­stän­dig­keit, die üb­ri­gens par­al­lel zu sei­nem Ba­che­lor­stu­di­um der Me­di­en­in­for­ma­tik läuft. Aber die Neu­gier­de, der Hang zum Tüf­teln und Aus­pro­bie­ren und si­cher auch die Film­fir­ma sei­nes äl­te­ren Bru­ders ha­ben den Weg für das ge­mein­sa­me Mit ei­ner Vir­tu­al-Rea­li­ty-Bril­le al­ler­dings et­was in den Hin­ter­grund ge­rückt. Da­mals, als die Brü­der mit der Film­fir­ma ins ICO ge­zo­gen sind, hat­ten sie sich auf das vor drei Jah­ren noch sehr un­be­rühr­te Feld der Luft­auf­nah­men durch Droh­nen spe­zia­li­siert. „Die ha­ben wir da­mals selbst ge­baut“, er­zählt Fabian Schlar­mann und schmun­zelt. Heu­te sei­en die Ge­rä­te für je­der­mann er­schwing­lich und weit ver­brei­tet. „Die baut kei­ner mehr selbst!“

Doch so fing al­les an: Der ei­ne mit dem Herz für Film­ar­beit, der an­de­re mit dem In­ter­es­se für Soft­ware­lö­sun­gen

„Ich hät­te das vor ein paar Jah­ren nie für mög­lich ge­hal­ten“ Fabian Schlar­mann, Jung­un­ter­neh­mer

Start-up schnell ge­eb­net.

Ob es manch­mal schwie­rig ist, als Ge­schwis­ter Ge­schäfts­part­ner zu sein? „Wir ha­ben ja zwei Bü­ro­räu­me“, sa­gen die jun­gen Män­ner und schmun­zeln. Aber es klap­pe wirk­lich gut, ver­si­chern sie dann. Schließ­lich ha­be auch je­der sei­ne Auf­ga­ben: Fabian Schlar­mann ist vor al­lem in der Ent­wick­lung tä­tig, der Schwer­punkt sei­nes Bru­ders liegt eher im ge­stal­te­ri­schen Be­reich. Au­ßer­dem küm­mert er sich um all das, was ei­ne ei­ge­ne Fir­ma nun ein­mal so mit sich bringt: Bü­ro­ar­beit – und das nicht zu knapp.

Für die wirt­schaft­li­che Struk­tur der Stadt Os­na­brück sind Start-ups wie „Fo­res­ta­ge Tech­no­lo­gies“üb­ri­gens sehr wich­tig, be­tont Fe­lix Bü­cken von der Wirt­schafts­för­de­rung der Stadt Os­na­brück (WFO). „Jun­ge Un­ter­neh­men, ins­be­son­de­re mit ei­nem Grün­dungs­hin­ter­grund aus den Hoch­schu­len, sind wich­tig, weil sie über ei­nen di­rek­ten Be­zug zum ak­tu­el­len Stand der For­schung und der Tech­nik ver­fü­gen. Dar­auf auf­bau­end, kön­nen Start-ups ih­re Ide­en dann weit­aus fle­xi­bler rea­li­sie­ren als eta­blier­te Un­ter­neh­men.“In­so­fern hät­ten Start-ups die sehr zen­tra­le Funk­ti­on, lang­fris­tig neue Märk­te für die Stadt zu er­schlie­ßen.

„Os­na­brück hat ei­ne mit­tel­stän­disch ge­präg­te Un­ter­neh­mens­struk­tur mit vie­len Be­trie­ben, die seit Lan­gem in ih­ren Seg­men­ten zu den er­folg­reichs­ten in Deutsch­land ge­hö­ren“, sagt Bü­cken. „Für ei­ne aus­ge­gli­che­ne Wirt­schaft ist es aber wich­tig, dass neue Un­ter­neh­men mit neu­en Lö­sun­gen die­se Un­ter­neh­mens­land­schaft er­gän­zen.“

Je­der Welt­kon­zern hat ir­gend­wann mal klein an­ge­fan­gen. Und so könn­te das Start-up von heu­te der re­gio­na­le Wirt­schafts­mo­tor von mor­gen sein.

Ein The­men-Spe­zi­al zur re­gio­na­len Wirt­schaft fin­den Sie un­ter noz.de/wirt­schaf­to­sel

und der Soft­ware der bei­den Brü­der las­sen sich 3-D-Mo­del­le er­leb­bar ma­chen.

Fabian und Ja­nik Schlar­mann (von links) ha­ben seit drei Jah­ren zwei Bü­ro­räu­me im In­no­va­ti­ons­cen­trum Os­na­brück (ICO). Dort ha­ben sie zu­sam­men mit wei­te­ren Ent­wick­lern ei­ne spe­zi­el­le 3-D-Soft­ware ent­wi­ckelt. Fotos: Ste­fa­nie Hiek­mann

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