Po­li­zei stoppt Han­del mit Hun­de­wel­pen

Mehr als 300 Tie­re un­ter der Hand ver­kauft? – Wel­pen un­ter un­wür­di­gen Be­din­gun­gen trans­por­tiert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Po­li­zei­mel­dun­gen le­sen Sie auf noz.de/blau­licht

Der Os­na­brü­cker Po­li­zei ist jetzt ein Schlag ge­gen den il­le­ga­len Han­del mit Hun­de­wel­pen ge­lun­gen. Of­fen­bar hat ei­ne Frau aus dem Witt­la­ger Land über Jah­re hin­weg Hun­der­te aus Ost­eu­ro­pa im­por­tier­te Hun­de­wel­pen un­ter pre­kä­ren Be­din­gun­gen ge­hal­ten und die oft­mals kran­ken Tie­re über Mit­tels­män­ner ver­kauft.

Von Se­bas­ti­an Phil­ipp

„Das ist ein ty­pi­sches Bei­spiel da­für, wie Po­li­zei­ar­beit funk­tio­niert“, sagt An­ke Ham­ker. Die Spre­che­rin der Os­na­brü­cker Po­li­zei­in­spek­ti­on spricht von „Puz­zle­teil­chen“, die zu­sam­men­ge­setzt wur­den und von mo­na­te­lan­ger Re­cher­che­ar­beit von Po­li­zei­be­am­ten der Er­mitt­lungs­grup­pe Um­welt. Am En­de die­ser Ar­beit ste­hen jetzt Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se, die ei­ne Frau aus dem Witt­la­ger Land of­fen­bar schwer be­las­ten. Über Jah­re hin­weg soll die heu­te 40-Jäh­ri­ge Hun­de­wel­pen aus dem Bal­ti­kum be­stellt ha­ben, um sie zum Dis­count­preis, aber ge­winn­brin­gend über das In­ter­net zu ver­kau­fen. Die Hun­de sol­len nach den Er­kennt­nis­sen der Po­li­zei da­bei nicht art­ge­recht ge­hal­ten wor­den sein. In nicht we­ni­gen Fäl­len sol­len die Tie­re so krank ge­we­sen sein, dass sie kaum die ers­ten Ta­ge bei ih­ren Käu­fern über­lebt ha­ben. Der Grund: Die Wel­pen wur­den aus Kos­ten­grün­den gar nicht oder nur un­zu­rei­chend ge­impft.

Ins Rol­len ka­men die Er­mitt­lun­gen ge­gen die Frau im ver­gan­ge­nen Jahr. Ei­ne Dort­mun­de­rin hat­te über ei­nen Mit­tels­mann zwei Hun­de ge­kauft. Was sie nicht ahn­te: Bei­de wa­ren zu die­sem Zeit­punkt schon so schwer an Par­vo­vi­ro­se er­krankt, dass ei­nes der Tie­re we­ni­ge Ta­ge spä­ter trotz tier­ärzt­li­cher Be­treu­ung Im­mer wie­der wer­den Hun­de­wel­pen wie die­ser aus Ost­eu­ro­pa nach Deutsch­land im­por­tiert, um die Tie­re ge­winn­brin­gend zu ver­kau­fen. Das Tier­wohl ist den Hin­ter­män­nern da­bei in vie­len Fäl­len egal.

starb. Als sich die Käu­fe­rin schließ­lich an die Po­li­zei wand­te, schal­te­te sich die Er­mitt­lungs­grup­pe Um­welt ein. Für die Po­li­zei­be­am­ten Ralf Sei­ger und Ge­org Ober­mey­er be­gann da­mals die Ar­beit an ei­nem Fall, der sie bis heu­te be­schäf­tigt. Die Er­mitt­lun­gen kon­zen­trier­ten sich schnell auf die ei­gent­li­che Ver­käu­fe­rin

der Tie­re, ei­ne Frau aus Bohmte. Schon zu die­sem Zeit­punkt war sie in ge­wis­ser Wei­se kein un­be­schrie­be­nes Blatt: Bei der Ve­te­ri­när­be­hör­de des Land­krei­ses Os­na­brück war die 40-Jäh­ri­ge je­den­falls al­les an­de­re als un­be­kannt. „Die Er­kennt­nis­se des Ve­te­ri­när­diens­tes deu­te­ten dar­auf hin, dass die Frau mit

Tie­ren aus dem Aus­land han­delt und dass die­ser Han­del so­gar ei­ne ge­werb­li­che Di­men­si­on hat“, sagt Sei­ger.

Bei ih­ren Re­cher­chen stie­ßen Sei­ger und Ober­mey­er auch auf ei­nen Vor­fall aus dem Jahr 2012. Han­no­ve­ra­ner Au­to­bahn­po­li­zis­ten kon­trol­lier­ten da­mals ei­nen Trans­por­ter aus Ost­eu­ro­pa. Dar­in be­fan­den sich sechs Hun­de­wel­pen, von de­nen ei­ner schon seit ge­rau­mer Zeit tot war. „In dem Be­richt konn­ten wir le­sen, dass den Kol­le­gen beim Öff­nen des Trans­por­ters ein bes­tia­li­scher Gestank ent­ge­gen­schlug“, sagt Ober­mey­er. Um die Wel­pen hat­te sich wäh­rend der Fahrt nie­mand ge­küm­mert, die Hun­de la­gen in ih­ren ei­ge­nen Ex­kre­men­ten und wa­ren of­fen­sicht­lich be­reits krank auf den Weg ge­schickt wor­den. Im Be­richt der Au­to­bahn­po­li­zei tauch­te auch der Na­me der Frau aus Bohmte als Emp­fän­ge­rin der le­ben­den Wa­re auf.

Als sich die Hin­wei­se mehr­ten, rück­te die Po­li­zei im Mai 2016 zur Haus­durch­su­chung an. In der Woh­nung der Bohm­te­rin herrsch­ten nach An­ga­ben von Sei­ger hy­gie­nisch frag­wür­di­ge Zu­stän­de. Sie­ben er­wach­se­ne Hun­de und acht Wel­pen wur­den zu die­sem Zeit­punkt in der Woh­nung ge­hal­ten, teil­wei­se in Ge­org Ober­mey­er, Er­mitt­lungs­grup­pe Um­welt

Ka­nin­chen­kä­fi­gen. „Das ist al­les an­de­re als ei­ne tier­ge­rech­te Hal­tung und ver­mit­tel­te den Ein­druck, dass die Hal­tung aus rein kom­mer­zi­el­lem In­ter­es­se er­folgt“, sagt Sei­ger. Of­fen­bar spie­geln das auch die Be­wei­se wi­der, die die Po­li­zei im Com­pu­ter der Frau si­cher­stell­te. An­hand der dort ge­spei­cher­ten Da­ten wur­de den Be­am­ten er­sicht­lich, dass die Bohm­te­rin ei­ne Viel­zahl von Hun­den im In­ter­net zum Ver­kauf an­ge­bo­ten hat­te – ei­ne Ge­neh­mi­gung zum ge­werb­li­chen Tier­han­del ha­be sie je­doch nicht be­ses­sen.

Be­ein­dru­cken ließ sie sich of­fen­bar da­von nicht. Auch nach der Durch­su­chung stie­ßen Ober­mey­er und Sei­ger im­mer wie­der auf Hin­wei­se zum Nach­teil der Frau. So sei die Te­le­fon­num­mer der 40Jäh­ri­gen bei ei­ner Da­me aus Has­ber­gen ge­fun­den wor­den, die ei­ner In­ter­es­sen­tin auf ei­nem Ver­brau­cher­markt­park­platz aus dem Kof­fer­raum ih­res Wa­gens her­aus ei­nen Wel­pen ver­kau­fen woll­te. Im Ja­nu­ar die­ses Jah­res nah­men die Er­mitt­lun­gen wei­ter Fahrt auf: Ei­ne Frau aus Bremen hat­te bei der 40-Jäh­ri­gen ei­nen Wel­pen ge­kauft, doch schon auf der Rück­fahrt kol­la­bier­te der Hund. Auch er war auf­grund feh­len­der Im­mu­ni­sie­rung schwer er­krankt und konn­te nur durch ei­ne in­ten­siv­me­di­zi­ni­sche Be­treu­ung ge­ret­tet wer­den. Bei ei­ner wei­te­ren Haus­durch­su­chung ent­deck­te die Po­li­zei vier Hun­de­wel­pen, die im Netz zum Ver­kauf an­ge­bo­ten wur­den.

Die Po­li­zei schätzt, dass in den Jah­ren 2011 bis 2017 min­des­tens 300 Wel­pen aus Ost­eu­ro­pa von der 40-Jäh­ri­gen ver­kauft wur­den – meist zu Prei­sen zwi­schen 250 und 400 Eu­ro. Ober­mey­er ver­mu­tet je­doch, dass die Dun­kel­zif­fer noch weit­aus hö­her lie­gen könn­te. Jetzt wer­de we­gen Be­trugs, Ver­stö­ßen ge­gen das Tier­schutz­ge­setz, die Ge­wer­be­ord­nung, die Tier­seu­chen­schutz­ver­ord­nung und das Tier­ge­sund­heits­ge­setz er­mit­telt. Wann An­kla­ge ge­gen die Frau er­ho­ben wird, steht nach An­ga­ben von Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft ak­tu­ell noch nicht fest.

Mehr

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.