Aus­ge­schla­fe­ne Früch­te

Wie das Weck­glas zum Syn­onym für das Ein­ko­chen wur­de

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen - Un­se­rer Se­rie auf noz.de/ach­so

Von El­ke Schrö­der

Der Li­fe­style-Trend in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zum Selbst­ma­chen hat auch das Weck­glas oder Ein­weck­glä­ser an­de­rer Her­stel­ler wie­der be­liebt ge­macht, bei­spiels­wei­se zum Ein­ko­chen von ei­ge­nen Mar­me­la­den­krea­tio­nen. Wer hat es aber einst er­fun­den?

In der kind­li­chen Fan­ta­sie ist al­les mög­lich: Aus die­sem Blick­win­kel sa­hen einst die ein­ge­mach­ten Pflau­men in ih­ren Glä­sern, die das gan­ze Kel­ler­re­gal füll­ten, aus, als wä­ren sie in ei­nen Dorn­rös­chen­schlaf ge­fal­len. Bei Be­darf wur­den sie dann mit ei­nem Mar­me­la­de kräf­ti­gen Zug am Gum­mi­ring des De­ckels, ge­folgt von ei­nem „Pfifft“, wie­der ge­weckt. Nach die­ser Lo­gik konn­te sich der Na­me Weck­glas al­so nur von dem Verb we­cken her­lei­ten.

Das war na­tür­lich völ­lig falsch kom­bi­niert, be­zie­hungs­wei­se fan­ta­siert: Hin­ter dem Na­men, der auch zum Syn­onym für das Ein­mach­glas ge­wor­den ist, ste­cken ei­ne über 120 Jah­re al­te Un­ter­neh­mens­ge­schich­te und ei­ne Er­fin­dung, die bahn­bre­chend für die häus­li­che Vor­rats­hal­tung war. Na­mens­ge­ber Jo­hann Weck grün­de­te 1900 sei­ne Fir­ma mit Ge­or­ge van Eyck, nach­dem er zu­vor 1895 das „Rem­pel­sche Pa­tent“er­wor­ben hat­te. Denn es war die Er­fin­dung des Che­mi­kers Ru­dolf Rem­pel (1859–1893), Obst und Ge­mü­se im Glas zu kon­ser­vie­ren.

Rem­pels Ver­fah­ren, mit­tels Ein­ko­chen und Luft­ab­schluss Le­bens­mit­tel fast un­be­grenzt halt­bar zu ma­chen, wur­de im Jahr 1892 pa­ten­tiert. Und so funk­tio­niert es: Mit ei­nem Draht­bü­gel oder ei­ner Klam­mer aus Fe­der­stahl wer­den der lo­se auf dem Glas lie­gen­de De­ckel und der Gum­mi­ring be­fes­tigt. Wäh­rend des Er­hit­zens im Was­ser­bad dehnt sich die rest­li­che Luft im Glas aus und ent­weicht. Durch den star­ken Un­ter­druck, der beim Ab­küh­len ent­steht, wird der De­ckel fest auf das Glas ge­drückt und ist da­mit ver­schlos­sen.

Für das Ein­ko­chen ist es wich­tig, dass die Glä­ser und der Gum­mi­ring sau­ber sind und vor­her aus­ge­kocht wur­den. Sie dür­fen da­nach aber nicht ab­ge­trock­net wer­den, da das Ge­schirr­tuch nicht ste­ril ist, wor­auf die Initia­ti­ve „Zu gut für die Ton­ne“hin­weist. Ist beim Öff­nen durch Zie­hen am Gum­mi­ring nicht zu deut­lich zu hö­ren, dass sich das Va­ku­um auf­löst, oder liegt der De­ckel nur noch lo­se auf dem Glas, könn­ten die Le­bens­mit­tel nicht mehr gut sein.

Al­le Tei­le

selbst ein­ko­chen ist wie­der be­liebt. Fo­to: dpa

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