Die mäch­tigs­te Frau ih­rer Zeit

300. GE­BURTS­TAG VON MA­RIA THE­RE­SIA Sie wur­de ge­liebt und ge­fürch­tet: Zahl­rei­che Aus­stel­lun­gen in Ös­ter­reich so­wie die Bio­gra­fie von Éli­sa­beth Ba­d­in­ter zei­gen die vie­len Fa­cet­ten der ein­fluss­rei­chen ös­ter­rei­chi­schen Re­gen­tin. Zum Ju­bi­lä­um wid­men sich vie­le

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Sie war mächtige Re­gen­tin und kon­ser­va­ti­ve Re­for­me­rin, le­bens­lus­tig und sit­ten­streng: All das ver­an­schau­li­chen an­läss­lich des 300. Ge­burts­tags von Ma­ria The­re­sia zahl­rei­che Aus­stel­lun­gen in Ös­ter­reich.

Von Veit-Ma­rio Thie­de

Die Habs­bur­ge­rin Ma­ria The­re­sia ist als ge­wich­ti­ge Re­gen­tin in ei­ner an­sons­ten von Män­nern do­mi­nier­ten Welt un­ver­ges­sen. Gern wird sie als „Kai­se­rin“be­zeich­net. Ge­nau ge­nom­men aber ver­hält es sich so: Ihr Gat­te war als Kai­ser Franz I. Ober­haupt des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches und sie nur „Frau Kai­se­rin“– wie eben der Ti­tel des Ehe­manns auf die Gat­tin über­tra­gen wird. Trotz­dem war sie als Kö­ni­gin von Un­garn und Böh­men, Erz­her­zo­gin von Ös­ter­reich und Fürs­tin 37 wei­te­rer Herr­schafts­ge­bie­te die mäch­tigs­te Frau ih­rer Zeit.

Dass Ma­ria The­re­sia es so weit brin­gen wür­de, war bei ih­rer Ge­burt am 13. Mai 1717 nicht ab­seh­bar. In Er­in­ne­rung ge­blie­ben ist sie als erz­kon­ser­va­ti­ve Re­for­me­rin und mit sech­zehn ei­ge­nen Kin­dern ge­seg­ne­te Lan­des­mut­ter. Sie war le­bens­lus­tig, aber sit­ten­streng. Sie setz­te auf Zen­sur und war ei­ne in Re­li­gi­ons­fra­gen in­to­le­ran­te Ka­tho­li­kin. Sie führ­te Krie­ge, aber war auf die Wohl­fahrt ih­rer Un­ter­ta­nen be­dacht. Un­ter ih­rer Herr­schaft stan­den Kunst und Kul­tur in schöns­ter Blü­te. Das al­les ver­an­schau­li­chen die zu Ma­ria The­re­si­as 300. Ge­burts­tag in Wi­en und Nie­der­ös­ter­reich ver­an­stal­te­ten Aus­stel­lun­gen. Trat ih­re Re­gent­schaft 1740 an:

Die Ös­ter­rei­chi­sche Na­tio­nal­bi­blio­thek prä­sen­tiert Le­ben, Re­gent­schaft und Nach­ruhm der 1780 ver­stor­be­nen Ma­ria The­re­sia mit­tels ei­gen­hän­di­ger Brie­fe, Staats­ur­kun­den, öf­fent­li­cher Be­kannt­ma­chun­gen und Bü­chern. Zu se­hen sind sie im Prunk­saal, in dem die Sta­tue Kai­ser Karls VI. steht. Er war Ma­ria The­re­si­as Va­ter – und Ur­he­ber der be­rühm­ten „Prag­ma­ti­schen Sank­ti­on“ von 1714. Mit ihr ver­füg­te der da­mals noch kin­der­lo­se Karl VI. die Un­teil­bar­keit der ös­ter­rei­chi­schen Er­b­lan­de. Falls er oh­ne Stamm­hal­ter ster­be, aber Töch­ter ha­be, sol­le die Erst­ge­bo­re­ne die Herr­schaft über­neh­men. Die trat Ma­ria The­re­sia 1740 an.

Ih­re Erb­fol­ge zog ei­ne Rei­he von Krie­gen nach sich, wie die Schau „Bünd­nis­se und Feind­schaf­ten“im Schloss Hof zeigt. Waf­fen und His­to­ri­en­ge­mäl­de er­in­nern an Schlach­ten. Ur­kun­den do­ku­men­tie­ren Frie­dens­schlüs­se. Um die von der Re­gen­tin ein­ge­führ­ten Re­for­men geht es in der Aus­stel­lung im Schloss Nie­der­wei­den. Schul­bü­cher wei­sen auf die von Ma­ria The­re­sia ein­ge­führ­te all­ge­mei­ne Un­ter­richts­pflicht für Jun­gen und Mäd­chen hin. Re­for­mer und Rat­ge­ber sind auf Bil­dern dar­ge­stellt, die ei­ne Sta­tue Ma­ria The­re­si­as um­rin­gen. Sie äu­ßer­te: „Die wich­tigs­te Ob­sorg ei­nes Re­gen­ten ist die Aus­wahl sei­ner Rat­ge­ber.“Fast all­jähr­lich be­gab sich die kai­ser­li­che Fa­mi­lie zu Eh­ren des ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­hei­li­gen Leo­pold auf Wall­fahrt ins Stift Klos­t­er­neu­burg. Dort läuft in den Kai­ser­zim­mern und der Schatz­kam­mer die Schau „Kir­che, Klos­ter, Kai­se­rin“. Den Schwer­punkt bil­den pracht­voll ge­stick­te sa­kra­le Ge­wän­der. Vie­le sind Stif­tun­gen Ma­ria The­re­si­as.

Im Hof­mo­bi­li­en­de­pot schließ­lich ste­hen Ma­ria The­re­si­as „Fa­mi­lie und Ver­mächt­nis“im Blick­punkt. Er­le­se­ne Bei­spie­le des hö­fi­schen Kunst­hand­werks sind zu se­hen. Der „Blu­men­strauß“aus 2102 Dia­man­ten so­wie 761 Ru­bi­nen, Sma­rag­den und an­de­ren far­bi­gen Edel­stei­nen war ein Ge­schenk Ma­ria The­re­si­as an den von ihr sehr ge­lieb­ten Gat­ten. Der un­er­war­te­te Tod ih­res Gat­ten 1765 war für Ma­ria The­re­sia ein schwe­rer Schlag. Frü­her Tanz, Kar­ten­spiel und Fest­lich­kei­ten zu­ge­tan, zog sich Ma­ria The­re­sia zwecks from­mer Be­trach­tun­gen mehr und mehr aus dem hö­fi­schen Le­ben zu­rück.

Ös­ter­rei­chi­schen Na­tio­nal­bi­blio­thek: Ma­ria The­re­sia. Habs­burgs mäch­tigs­te Frau, bis 5. Ju­ni, Schloss Hof: Bünd­nis­se und Feind­schaf­ten, bis 29. No­vem­ber, Schloss Nie­der­wei­den: Mo­der­ni­sie­rung und Re­for­men, bis 29. No­vem­ber, Stift Klos­t­er­neu­burg: Klos­ter, Kir­che, Kai­se­rin. Ma­ria The­re­sia und das sa­kra­le Ös­ter­reich, bis 15. No­vem­ber, Hof­mo­bi­li­en­de­pot – Mö­bel Mu­se­um Wi­en: Fa­mi­lie und Ver­mächt­nis, bis 29. No­vem­ber

Ma­ria The­re­sia von Ös­ter­reich. Re­pro: imago/Rust

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