Die drei Kör­per ei­ner ein­drucks­vol­len Re­gen­tin und Frau

Éli­sa­beth Ba­d­in­ter hat mit ih­rer Bio­gra­fie „Ma­ria The­re­sia. Die Macht der Frau“ein fa­cet­ten­rei­ches Por­trät vor­ge­legt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Éli­sa­beth Ba­d­in­ter

Von Chris­ti­ne Adam

War­um zieht die­se Bio­gra­fie so sehr in den Bann? Weil Éli­sa­beth Ba­d­in­ter Ma­ria The­re­sia als stra­te­gisch den­ken­de und macht­be­wuss­te Herr­sche­rin be­schreibt – und als Frau, die ih­re weib­li­chen Qua­li­tä­ten ge­zielt ein­zu­set­zen ver­stand. Ba­d­in­ter spricht sehr hilf­reich von den zwei Kör­pern Ma­ria The­re­si­as, ei­nem sterb­li­chen, der Lei­den­schaf­ten, Krank­hei­ten und dem Tod un­ter­wor­fen ist, und ei­nem un­sterb­li­chen sym­bo­li­schen Kör­per, der mit dem Tod auf den je­wei­li­gen Nach­fol­ger in der habs­bur­gi­schen Dy­nas­tie über­geht.

Der Re­spekt vor Ma­ria The­re­si­as Le­bens­leis­tung steigt um­so mehr, als ihr Kör­per 16 Schwan­ger­schaf­ten aus­ge­setzt war, sie al­so al­le ih­re Staats­ge­schäf­te und pol­ti­schen Kri­sen im dau­er­schwan­ge­ren Zu­stand be­wäl­ti­gen muss­te. Ei­ne Fol­ge da­von: Die an­fangs we­gen ih­rer Schön­heit, An­mut und Selbst­be­herr­schung Ge­prie­se­ne wur­de im­mer di­cker und schwer­fäl­li­ger. Nach her­ri­schen Zü­gen kom­men Schwer­mut, Prü­de­rie hin­zu – die Bio­gra­fin ver­schweigt nicht Ma­ria The­re­si­as Schwä­chen.

Éli­sa­beth Ba­d­in­ter, eme­ri­tier­te Pro­fes­so­rin für Phi­lo­so­phie in Pa­ris und Fe­mi­nis­tin, er­zählt in ele­gan­ter Spra­che und auf rei­cher Qu­el­len­grund­la­ge von den Be­dräng­nis­sen der jun­gen Kö­ni­gin von Un­garn und Böh­men an der Seite ih­res ge­lieb­ten, po­li­tisch und mi­li­tä­risch nicht son­der­lich ver­sier­ten Ehe­manns. Mit Mut, Wi­der­stands­geist, di­plo­ma­tisch ge­hand­hab­ter Un­ab­hän­gig­keit und ei­ner ge­wis­sen „Männ­lich­keit der See­le“konn­te sie sich von man­cher Um­klam­me­rung durch macht­hung­ri­ge Nach­bar­län­der be­frei­en.

Ba­d­in­ter zeigt, wie die Mon­ar­chin Bünd­nis­spiel und Selbst­be­haup­tung in Eu­ro­pa lernt. Et­wa, in­dem sie die ers­te pol­ni­sche Tei­lung 1772 als Ver­rat em­pört ab­lehnt, aber doch da­für sorgt, ein mög­lichst gro­ßes Stück vom Ku­chen zu er­hal­ten. In­dem Ba­d­in­ter ei­nen drit­ten, den müt­ter­li­chen Kör­per, ein­führt, dem die kin­der­rei­che Re­gen­tin viel Platz ein­räu­men muss­te im Ge­gen­satz zu Eliz­a­beth. I von En­g­land und Kat­ha­ri­na II. von Russ­land, die wie Män­ner leb­ten und re­gier­ten, prä­zi­siert sich noch ein­mal das fa­cet­ten­rei­che Por­trät Ma­ria The­re­si­as.

„Ma­ria The­re­sia. Die Macht der Frau“. Paul Zsol­nay Ver­lag, 301 S., 24 Eu­ro

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