Kö­ni­gin der Nacht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - S.lued­de­mann@noz.de

WVon Ste­fan Lüd­de­mann

ar sie her­zens­gut oder sit­ten­streng? Stra­te­gin der Macht oder vor­aus­bli­cken­de Re­for­me­rin? Ma­ria The­re­sia ge­hört zu den gro­ßen, bis­wei­len my­thisch ver­klär­ten Fi­gu­ren der Ge­schich­te. Ein­deu­tig ist ihr Bild des­halb noch lan­ge nicht. Mo­zart hat sie in sei­ner „Zau­ber­flö­te“gar als zi­cki­ge „Kö­ni­gin der Nacht“ka­ri­kiert.

Da­bei ver­die­nen ih­re Leis­tun­gen auch Re­spekt. Als blut­jun­ge Frau hat sie sich in der Män­ner­run­de der eu­ro­päi­schen Mon­ar­chen be­haup­tet. Sie war stock­kon­ser­va­tiv und trieb doch Re­for­men vor­an, die ei­nen Staat for­men hal­fen, der Mon­ar­chen ei­nes Ta­ges nicht mehr brau­chen soll­te. Mit Auf­klä­rung und To­le­ranz hat­te sie den­noch ih­re un­über­wind­ba­ren Pro­ble­me.

Wer sich heu­te mit Ma­ria The­re­sia – oder ih­rem Wi­der­sa­cher Fried­rich dem Gro­ßen – be­schäf­tigt, wird zugleich an ein Eu­ro­pa er­in­nert, in dem die Ba­lan­ce der Staa­ten im­mer wie­der mi­li­tä­risch aus­ge­foch­ten wer­den muss­te. Je­der Mon­arch schlug zu, wenn es mög­lich schien, dem an­de­ren ein Stück Land ab­zu­ja­gen. Ei­ne dau­er­haf­te Frie­dens­ord­nung lag in wei­ter Fer­ne. Heu­te ha­ben wir Eu­ro­pä­er sie. Und soll­ten sie schät­zen, gera­de dann, wenn wir an Ma­ria The­re­sia er­in­nern.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.