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Ju­gend­fern­se­hen ges­tern und heu­te: Neue Se­rie zum Pro­gramm für Te­enager

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen Am Samstag -

Die Net­flix-Se­rie „To­te Mäd­chen lü­gen nicht“hat ei­ne De­bat­te über das Ju­gend­fern­se­hen aus­ge­löst. Wir be­glei­ten die Dis­kus­si­on mit ei­ner Rei­he von Bei­trä­gen über al­te und neue Te­e­nie-For­ma­te. Zum Auf­takt die Fra­ge: Se­hen Ju­gend­li­che über­haupt noch fern?

Von Da­ni­el Be­ne­dict

Die Se­rie „To­te Mäd­chen lü­gen nicht“er­zählt vom Selbst­mord ei­ner Schü­le­rin. Seit ih­rer Ver­öf­fent­li­chung auf Net­flix wird dis­ku­tiert, ob sie Nach­ah­mun­gen be­güns­tigt. Ist das For­mat ein küh­nes No­vum in der Pro­gramm­ge­schich­te? Si­cher nicht. Schon vor 36 Jah­ren lös­te der ZDF-Sechs­tei­ler „Tod ei­nes Schü­lers“, der vom Sui­zid ei­nes Gym­na­si­as­ten er­zählt, ei­ne ähn­li­che Kon­tro­ver­se aus. Und doch hat sich seit 1981 viel ver­än­dert: Erst kam das Pri­vat­fern­se­hen, dann das In­ter­net. Heu­te er­mög­li­chen Strea­m­ing­diens­te und Me­dia­the­ken es, am li­nea­ren TV vor­bei­zu­gu­cken. Mit Youtube hat das klas­si­sche Fern­se­hen au­ßer­dem neue Kon­kur­renz be­kom­men. Zum Auf­takt un­se­rer Se­rie al­so die Fra­ge: Ha­ben die Fern­seh­sen­der über­haupt noch Zu­schau­er un­ter 18 Jah­ren?

Sit­zen Te­enager noch vor dem Fern­se­her? Ja – sie neh­men sich da­für al­ler­dings im­mer we­ni­ger Zeit. In der Ge­samt­be­völ­ke­rung liegt die TV-Nut­zung seit der Jahr­tau­send­wen­de re­la­tiv kon­stant Sui­zid im Ju­gend­pro­gramm? Die Net­flix-Se­rie „To­te Mäd­chen lü­gen nicht“mit Ka­the­ri­ne Lang­ford (Bild) sorgt für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen – die ein ZDF-For­mat vor 36 Jah­ren auch schon pro­vo­zier­te.

bei gut drei St­un­den pro Tag. Die 14- bis 19-Jäh­ri­gen sche­ren ra­pi­de aus: Bei ih­nen ist der Wert laut Me­dia Ana­ly­se von 162 Mi­nu­ten auf 114 Mi­nu­ten ge­sun­ken. Das ent­spricht ei­ner Se­ri­en­epi­so­de, auf die Ju­gend­li­che je­den Tag ver­zich­ten. Bei der In­ter­net­nut­zung ist der Trend ge­gen­läu­fig: 2006 schätz­ten 12- bis 19-Jäh­ri­ge ih­re werk­täg­li­che Zeit im Netz auf 99 Mi­nu­ten, zehn Jah­re spä­ter hat sich die Zahl ver­dop­pelt.

Fern­se­hen, Youtube oder Net­flix? 79 Pro­zent der 12bis 19-Jäh­ri­gen gu­cken im­mer noch re­gel­mä­ßig fern, 46 Pro­zent täg­lich. Da­mit liegt das Fern­se­hen knapp vor den Web­vi­de­os, die 75 Pro­zent der Te­enager re­gel­mä­ßig an­se­hen. Und das am liebs­ten bei Youtube. Knapp zwei Drit­tel nen­nen die Vi­deo­platt­form als fa­vo­ri­sier­te On­line-An­wen­dung, üb­ri­gens mit deut­li­chem Ab­stand vor so­zia­len Platt­for­men wie

Whats­app oder Face­book. Auch Strea­m­ing-An­ge­bo­te sind im Kom­men: Je­der zwei­te Ju­gend­li­che guckt hier mehr­mals in der Wo­che Se­ri­en, Shows und Fil­me, wo­bei Net­flix die Me­dia­the­ken der Sen­der über­holt hat.

Was gu­cken Ju­gend­li­che? Ju­gend­li­che se­hen Pri­vat­fern­se­hen. Das Lieb­lings­pro­gramm ist Pro Sie­ben mit ei­nem Markt­an­teil von 14,8 Pro­zent, ge­folgt von RTL (14,3 Pro­zent), Sat1 (10,2) und RTL 2 (7,1). Erst dann folgt die ARD (5,8); das ZDF liegt mit 5 Pro­zent noch hin­ter Ni­cke­lo­de­on. Jungs wol­len da­bei vor al­lem was zu la­chen ha­ben; als be­lieb­tes­te Sen­dun­gen nann­ten sie am häu­figs­ten „Die Simpsons“so­wie die Sit­coms „The Big Bang Theo­ry“, „Two and a Half Man“und „How I Met Your Mo­ther“. Bei den Mäd­chen do­mi­nie­ren Cas­ting-Shows und So­aps: „Ger­ma­ny’ s Next Top­mo­del“führt vor „DSDS“, „GZSZ“und „Berlin – Tag und Nacht“. Je­der zehn­te Jun­ge zwi­schen 12 und 16 Jah­ren fin­det Die­ter Boh­len rich­tig gut; je­des ach­te Mäd­chen die­ser Al­ters­grup­pe be­wun­dert Hei­di Klum.

Leit­me­di­um oder Be­gleit­me­di­um? Wel­che Ge­rä­te be­sit­zen 2013 nutz­te noch Te­enager? In fast je­dem nicht mal ein Drit­tel der Haus­halt ste­hen Fern­se­her; Deut­schen mit In­ter­net­zu­gang je­der zwei­te Ju­gend­li­che hat TV- und Web-An­ge­bo­te so­gar ei­nen ei­ge­nen. Er­reich­bar gleich­zei­tig, zwei Jah­re spä­ter ist das jun­ge Pu­bli­kum al­so. lag der Wert schon bei 43 Aber die Kon­kur­renz ist in Pro­zent. Bei Ju­gend­li­chen ist den letz­ten Jah­ren enorm ge­wach­sen der Trend noch deut­li­cher: – und zwar vor al­lem Von den 14- bis 29-Jäh­ri­gen die der Smart­pho­nes: 2012 be­saß grif­fen 2015 56 Pro­zent beim noch nicht mal je­der zwei­te Fern­se­hen zu­min­dest ge­le­gent­lich Ju­gend­li­che im Al­ter von 12 zu Smart­pho­ne oder bis 19 Jah­ren ein ei­ge­nes; im Ta­blet. Ist das ein Hin­weis letz­ten Jah­re wa­ren es 95 Pro­zent auf die Flüch­tig­keit der TVNut­zung? die­ser Al­ters­grup­pe. Vier Nicht not­wen­di­ger­wei­se: von fünf Te­enagern kön­nen Wo Sen­dun­gen via da­mit dank Flat­rate un­be­grenzt Twit­ter dis­ku­tiert oder im sur­fen. In der Fra­ge, Wer­be­block die Bio­gra­fi­en mit wel­chem Ge­rät Ju­gend­li­che von Show-Kan­di­da­ten re­cher­chiert ins Netz ge­hen, hat das wer­den, wä­re eher Smart­pho­ne mit 76 Pro­zent von ei­ner ver­tief­ten Nut­zung den Lö­wen­an­teil. aus­zu­ge­hen.

Gu­cken oder Zo­cken? Ein wei­te­rer Kon­kur­rent um die Auf­merk­sam­keit von Ju­gend­li­chen sind Com­pu­ter­spie­le. 45 Pro­zent der 12- bis 19-Jäh­ri­gen dad­deln mehr­mals in der Wo­che oder so­gar täg­lich auf dem Han­dy, 35 Pro­zent sind es bei den On­li­ne­spie­len, 21 Pro­zent grei­fen zur Kon­so­le – die in drei von vier Haus­hal­ten ver­füg­bar ist. Bei den jün­ge­ren Te­enagern do­mi­niert das Open-World-Spiel „Mine­craft“, bei äl­te­ren der „FI­FA“Fuß­ball-Si­mu­la­tor.

Zi­tiert nach den JIM-Stu­di­en des Me­di­en­päd­ago­gi­schen For­schungs­ver­bunds Süd­west und der Da­ten­samm­lung des In­ter­na­tio­na­len Zen­tral­in­sti­tuts für das Bil­dungs­und Ju­gend­fern­se­hen (IZI).

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