Re­bel­li­on ge­gen das Schul­sys­tem

Re­gis­seur Klei­der: Die Schul­ma­cher sind „kei­ne lang­haa­ri­gen Spin­ner“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film -

Von To­bi­as Sun­der­diek

Auf Stipp­vi­si­te in Os­na­brück: Im Ci­ne­ma-Ar­thouse stell­te Re­gis­seur Alex­an­der Klei­der am Don­ners­tag sei­nen Film „Berlin Re­bel High School“per­sön­lich vor.

Alex­an­der Klei­der weiß, wo­von er spricht, wenn er die Vor­zü­ge der von ihm por­trä­tier­ten „Schu­le für Er­wach­se­nen­bil­dung (SFE)“zeigt. „Ich bin in Schwä­bisch Hall auf­ge­wach­sen und ha­be da­mals sehr un­ter dem Leis­tungs­druck an der Re­gel­schu­le ge­lit­ten.“Doch nach der mitt­le­ren Rei­fe hör­te er dann von der SFE. Er guck­te im Ber­li­ner Te­le­fon­buch nach, stell­te sich vor: „Mir kam das Gan­ze eher vor wie ein Ju­gend­club, nicht wie ei­ne Schu­le.“Alex­an­der Klei­der wur­de auf­ge­nom­men und hol­te 2000 sein Abitur nach. Mehr noch: Für sei­nen Ver­gleich zwi­schen Hitch­cock und Ei­sen­stein er­hielt Klei­der bei der AbiKlau­sur 14 von 15 Punk­ten. Der Fun­ke war ge­legt.

Den­noch muss­te sich Klei­der vor Be­ginn der Dreh­ar­bei­ten Alex­an­der Re­gis­seur von „Berlin Re­bel High School“, zeig­te sein Werk in Os­na­brück.

zu „Berlin Re­bel High School“ei­nem 250-köp­fi­gen Schü­ler­gre­mi­um stel­len: „Ich muss­te klar­ma­chen, dass ich es ernst mein­te mit mei­nem Pro­jekt und die Schu­le nicht bloß­stel­le, et­wa als schrä­ges Hip­pie-Bio­top.“Und wei­ter: „In den 70ern oder 80ern wä­re ein sol­cher Film kaum denk­bar ge­we­sen: Doch längst gel­ten die Ma­cher der Schu­le nicht mehr nur als lang­haa­ri­ge Spin­ner.“

Doch lei­der wird auch die SFE be­droht: Die Gen­tri­fi­zie­rung, gera­de in Berlin-Kreuz­berg, greift um sich. Schü­ler woh­nen oft weit ent­fernt. Be­zahl­ba­rer Wohn­raum wird im­mer sel­te­ner. Die Schu­le aber ist Teil des al­ter­na­ti­ven Meh­ring­hof-Pro­jek­tes, das glück­li­cher­wei­se schon lan­ge vor­her das Ge­bäu­de kauf­te. „Sonst wä­re ein sol­ches Pro­jekt heu­te nicht mehr zu fi­nan­zie­ren“, so Klei­der.

Sei­ne größ­te Sor­ge beim Dreh war je­doch, dass die Schü­ler, die er be­ob­ach­tet, die Schu­le vor­zei­tig ver­las­sen. „Zwar schwan­ken die Zah­len, doch et­wa 60 bis 70 Pro­zent der Schü­ler blei­ben dran, wo­von 70 bis 80 Pro­zent das Abitur schaf­fen. Ei­ne enor­me Er­folgs­quo­te.“

Bei der Ga­la des Deut­schen Film­prei­ses, für den der Film no­mi­niert war, er­hielt Klei­der üb­ri­gens über­ra­schen­des Lob aus Über­see. Die Lau­da­tio hielt, per Live­schal­tung, Os­car-Preis­trä­ger Micha­el Moo­re, der be­kann­te, er wä­re nur zu ger­ne auf die­ser Schu­le ge­we­sen.

Vor al­lem will Klei­der aber mit sei­nem Film ei­ne De­bat­te an­sto­ßen: „Un­ser Schul­sys­tem fußt zum Teil auf Grund­la­gen aus dem Kai­ser­reich, ist we­nig de­mo­kra­tisch. In der Re­gel­schu­le muss man über den Stoff ler­nen, wor­um es um De­mo­kra­tie geht. Auf der SFE lebt man De­mo­kra­tie mit Haut und Haa­ren.“Ei­ne Bot­schaft, auf die das Os­na­brü­cker Pu­bli­kum mit viel zu­stim­men­dem Ap­plaus re­agier­te.

Fo­to: Jörn Mar­tens

Klei­der,

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