Vom Wohn- zum Gar­ten­trend

Das steckt hin­ter Co­coo­n­ing, Hyg­ge und Ur­ban Gar­de­ning

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film -

Vom Schre­ber­gar­ten zum Ge­mein­schafts­gar­ten, vom Kü­chen­gar­ten zur Gartenküche, vom Nutz­gar­ten zur Well­nes­s­oa­se: Wie sich die ge­sell­schaft­li­che Funk­ti­on des Gar­tens im Lau­fe der Zeit ver­än­dert, zei­gen auch die Be­grif­fe, mit de­nen Zu­kunfts­for­scher Li­fe­style-Trends be­schrei­ben. Hier ei­ni­ge der wich­tigs­ten im Über­blick:

Gre­en Co­coo­n­ing: Be­reits En­de der 80er-Jah­re be­schrieb die ame­ri­ka­ni­sche Markt­for­sche­rin Faith Pop­corn mit dem Be­griff Co­coo­n­ing ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Trend. Die ei­ge­nen vier Wän­de die­nen nach die­ser De­fi­ni­ti­on als Ko­kon, als über­schau­ba­rer Schutz­raum, um den All­tags­stress in ei­ner im­mer kom­pli­zier­ter wir­ken­den Welt so­wie mög­li­che Be­dro­hun­gen und Ge­fah­ren des Stadt­le­bens aus­zu­blen­den. Nach den Ter­ror­an­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 ver­stärk­te sich der Trend zum Rück­zug in die ei­ge­ne Woh­nung.

Mit die­ser „Ver­pup­pung“ist der Hang ver­bun­den, sei­ne Woh­nung be­hag­lich zu ge­stal­ten: statt Zwei­sit­zer-So­fa ei­ne opu­len­te So­fa­land­schaft mit vie­len Kis­sen. Der di­gi­ta­le Wan­del in der Ar­beits- und Ein­kaufs­welt hat es er­mög­licht, dass auch die­se Be­rei­che ver­stärkt in den ei­ge­nen vier Wän­den statt­fin­den. Seit ei­ni­gen Jah­ren er­lebt Co­coo­n­ing al­so ei­nen neu­en Auf­schwung, und spä­tes­tens seit Ter­ras­sen- und Gar­ten­mö­bel nun „Loun­ge­grup­pen“sind, ist klar, dass sich Co­coo­n­ing um die Sehn­sucht nach ei­nem „Wohn­zim­mer im Grü­nen“er­wei­tert hat. Im Trend ist der­zeit die Out­door­kü­che, die ei­ne spon­ta­ne Wahl zwi­schen Ko­chen oder Gril­len im Frei­en er­mög­li­chen soll.

Ho­m­ing: Co­coo­n­ing wur­de bald um den Be­griff Ho­m­ing er­wei­tert: In sei­ne häus­li­che Schutz­hül­le lädt man nun auch gern ei­nen aus­ge­such­ten Per­so­nen­kreis ein. Das so­zia­le Le­ben im Zu­hau­se er­leb­te so ei­ne Re­nais­sance – und De­si­gner und Wohn­aus­stat­ter lie­fern da­zu neue In­ter­pre­ta­tio­nen und Va­ria­tio­nen von Ge­müt­lich­keit: So steht zum Bei­spiel der lan­ge Ess­tisch als Ort der Kom­mu­ni­ka­ti­on wie­der im Zen­trum.

Hyg­ge ist mit dem Co­coo­n­ing und Ho­m­ing ver­wandt. Der Be­griff kommt aus dem Dä­ni­schen, be­schreibt auch ein Le­bens­ge­fühl un­se­rer nörd­li­chen Nach­barn. Hyg­ge be­deu­tet so viel wie ei­ne ge­müt­li­che, herz­li­che At­mo­sphä­re – in der man den ver­meint­lich klei­nen Din­gen des All­tags mehr Raum gibt: mehr Zeit für sich, die Fa­mi­lie und die Freun­de, sei es beim ge­mein­sa­men Ko­chen, Ge­sprä­chen oder Spie­le­aben­den. Das Gan­ze in ei­nem ku­sche­li­gen Am­bi­en­te mit Ker­zen­licht, Ka­min­feu­er, Couch mit Strick­de­cken und Kis­sen in un­auf­ge­reg­ten Far­ben, sanf­ten Na­tur­tö­nen, ge­taucht.

Ur­ban Gar­de­ning: Das Gärt­nern im städ­ti­schen Raum er­lebt seit der Jahr­tau­send­wen­de ei­ne neue Blü­te­zeit. Brach­flä­chen wer­den so von ver­schie­de­nen Initia­ti­ven wie­der nutz­bar ge­macht, auch zur Ver­schö­ne­rung der ur­ba­nen Um­ge­bung. Ge­mein­schafts­gär­ten ent­ste­hen, die auch Raum für kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen bie­ten wol­len.

Rück­zug in den ei­ge­nen Gar­ten, wo All­tags­stress und -ängs­te schein­bar ein­fach aus­ge­sperrt wer­den kön­nen.

Fo­to: dpa

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