Der Mut­ter­tag ist to­ta­ler Blöd­sinn

Al­le fei­ern den Mut­ter­tag? Nein: Un­se­re El­tern­ko­lum­nis­tin fin­det den Tag aus­ge­spro­chen doof

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - In Der Familie -

Lie­ber Da­ni­el!

ach, der Mut­ter­tag! In Fil­men und der Wer­bung ist der im­mer so schmuck an­zu­se­hen: Die Fa­mi­lie bringt der Mut­ti end­lich ein­mal Früh­stück ans Bett, gar­niert mit Blu­men und Par­füm. Da­zu ein Ge­dicht, vor­ge­tra­gen von ei­nem Kind mit Zahn­lü­cke.

Und bei mir? Da gibt es an die­sem Mut­ter­tag wie­der ein­mal: Nix. Kein Par­füm, kei­ne Blu­men, kein Ge­dicht. Denn der Mut­ter­tag wird bei uns nicht ge­fei­ert, je­den­falls nicht an die­sem Tag. Das hat meh­re­re Grün­de: Ich fin­de ihn doof, und mein Mann igno­riert ihn. Ers­te­res wird je­doch nicht durch Letz­te­res aus­ge­löst oder um­ge­kehrt.

Zum ei­nen ist der Mut­ter­tag in Deutsch­land ei­ne Er­fin­dung des „Ver­bands Deut­scher Blu­men­ge­schäfts­in­ha­ber“, der im Jahr 1922 für den Tag ge­wor­ben hat­te.

Zu­dem wur­de er auch noch von den Na­zis of­fi­zi­ell zum Fei­er­tag er­klärt, um die deut­sche und ari­sche Mut­ter vie­ler Kin­der zu eh­ren. „Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind“, lan­ge ei­nes der Stan­dard­wer­ke der deut­schen Säug­lings­pfle­ge, stammt eben­falls aus der Na­zi­zeit und zeigt ei­nem sehr gut, wie Müt­ter – und Vä­ter auch – doch lie­ber nicht sein soll­ten: kühl, ge­schäfts­mä­ßig und statt auf Lie­be ge­gen­über dem Kind nur auf das Wohl des Vol­kes be­dacht.

Kein Wun­der: Au­to­rin Jo­han­na Haa­rer war bis zu ih­rem Tod über­zeug­te An­hän­ge­rin der NSDAP, der von ih­rer Toch­ter noch Jah­re spä­ter ei­ne Ge­fühls­käl­te ge­gen­über den Kin­dern at­tes­tiert wur­de. Der Mut­ter­tag ist al­so ir­gend­wie ver­brannt.

Doch statt ein­mal im Jahr die­sen Ali­bi­tag zu be­ge­hen, wä­re es bes­ser, wenn je­der Tag Mut­ter­tag wä­re. Denn Müt­ter sind schon su­per: Neun Mo­na­te wächst ein Le­ben in ih­nen, sie über­ste­hen die Ge­burt oder so­gar meh­re­re Ge­bur­ten.

Da­nach ste­cken vie­le ih­re Am­bi­tio­nen auf Kar­rie­re und ei­gen­fi­nan­zier­te Al­ters­vor­sor­ge zu­rück, vie­le

sind zum Groß­teil al­lein für Pla­nung des Fa­mi­li­en­all­tags zu­stän­dig, nebst Koch- und Putz­ar­bei­ten. Und die Be­wun­de­rung der Kin­der, die sie even­tu­ell für all die Pla­cke­rei ent­schä­digt, schwin­det in der Pu­ber­tät eben­die­ser dann auch noch auf ein Mi­ni­mum.

Und all das soll an ei­nem Tag mit ir­gend­wel­chem Kon­sum­kram oder ei­nem Blu­men­strauß – even­tu­ell noch schnell ge­holt von der Tank­stel­le – ab­ge­gol­ten wer­den? Och nö.

Bes­ser wä­re es, je­den Tag die Mut­ter zu eh­ren. Das muss jetzt nicht mit ro­tem Tep­pich und Fan­fa­ren sein, so­bald sie den Raum be­tritt, auch nicht mit je­dem Mor­gen Kaf­fee ans Bett, aber eben doch im­mer wert­schät­zen, was frau so al­les für die Fa­mi­lie tut – und dann mit an­pa­cken.

Haus­ar­beit kön­nen al­le, trotz­dem sind oder füh­len sich im­mer noch ver­stärkt Frau­en da­für ver­ant­wort­lich. Und wenn sie teil­wei­se oder kom­plett zu Hau­se blei­ben: Si­chert die Frau fi­nan­zi­ell ab! Ich sa­ge des­halb: Müt­ter al­ler Län­der, ver­ei­nigt euch und for­dert ne­ben Blu­men täg­li­che Un­ter­stüt­zung.

Be­vor es jetzt Är­ger von den männ­li­chen Le­sern oder Dir, lie­ber Da­ni­el, gibt: Auch Vä­ter ha­ben mehr als ei­ne Ali­bi-Eh­rung im Jahr ver­dient. Be­son­ders mehr als ei­nen Tag, der an­schei­nend eh nur auf das ei­ne, näm­lich den hem­mungs­lo­sen Suff, re­du­ziert wird.

Dei­ne Co­rin­na

PS: Was hältst denn Du vom Va­ter­tag?

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