Frank­reich schlägt ein neu­es Ka­pi­tel auf

Ma­cron mit mi­li­tä­ri­schen Eh­ren ins Amt ein­ge­führt – Neu­er Prä­si­dent heu­te in Ber­lin bei Mer­kel er­war­tet

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Bir­git Hol­zer

Em­ma­nu­el Ma­cron weiß um die ho­hen Er­war­tun­gen, die die Fran­zo­sen in ihn ha­ben. Dass es nun an ihm ist, dem Land wie­der Op­ti­mis­mus und Selbst­ver­trau­en zu ge­ben. Und er ist sich auch be­wusst, dass er in den kom­men­den fünf Jah­ren sei­ne gan­ze Ener­gie und Ent­schlos­sen­heit da­für auf­wen­den muss. Das ver­si­cher­te Frank­reichs neu­er Prä­si­dent ges­tern, ge­nau ei­ne Wo­che nach der Wahl, nach der of­fi­zi­el­len Amts­über­nah­me von sei­nem Vor­gän­ger François Hol­lan­de. „Heu­te ist es an der Zeit für Frank­reich, sich auf Hö­he der Zeit zu be­ge­ben“, so Ma­cron. „Die Welt er­war­tet von uns, dass wir stark und klar­sich­tig sind.“

Der mit 39 Jah­ren jüngs­te fran­zö­si­sche Prä­si­dent al­ler Zei­ten sprach be­son­ders die Fran­zo­sen an, die zwei­feln, sich in der glo­ba­li­sier­ten Welt ver­lo­ren füh­len – und von de­nen vie­le nicht für ihn und sei­nen be­tont pro-eu­ro­päi­schen Kurs stimm­ten. Von ihm will Ma­cron trotz­dem nicht ab­rü­cken: „Wir wer­den Eu­ro­pa stär­ken, weil es uns be­schützt und un­se­re Wer­te in die Welt trägt.“Aber Eu­ro­pa müs­se auch ef­fi­zi­en­ter, de­mo­kra­ti­scher und po­li­ti­scher wer­den, „da es ein In­stru­ment un­se­rer Macht und Sou­ve­rä­ni­tät ist“. Ge­mäß der Tra­di­ti­on ab­sol­viert Ma­cron sei­nen ers­ten An­tritts­be­such im Aus­land heu­te bei Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) in Ber­lin. Auch dass er den bis­he­ri­gen Bot­schaf­ter in Deutsch­land, Phil­ip­pe Éti­en­ne, zu sei­nem di­plo­ma­ti­schen Be­ra­ter er­nann­te, gilt als star­kes Si­gnal für die Be­deu­tung der deutsch-fran­zö­si­schen Ach­se.

Mit gro­ßer Span­nung wird für heu­te die No­mi­nie­rung des Pre­mier­mi­nis­ters oder der -mi­nis­te­rin er­war­tet, die ei­ne Rich­tungs­ent­schei­dung dar­stellt: Der neue Staats­chef zielt ne­ben der po­li­ti­schen Er­neue­rung auch auf den Zu­sam­men­schluss bis­her geg­ne­ri­scher La­ger ab. Er dürf­te al­so so­wohl mit neu­en wie auch mit er­fah­re­nen Per­sön­lich­kei­ten der ge­mä­ßig­ten Rech­ten, Lin­ken und der Mit­te re­gie­ren. In fran­zö­si­schen Me­di­en wur­de häu­fi­ger der kon­ser­va­ti­ve Bür­ger­meis­ter der Ha­fen­me­tro­po­le Le Hav­re, Édouard Phil­ip­pe (46), als denk­ba­rer Kan­di­dat ge­nannt.

Pat­zer be­ging Ma­cron an sei­nem ers­ten of­fi­zi­el­len Tag nicht, der von vie­len sym­bo­li­schen Ges­ten ge­prägt war. Nach der Ze­re­mo­nie im Ély­sée-Pa­last fuhr Ma­cron in ei­nem of­fe­nen Mi­li­tär­wa­gen die Champs-Ély­sées hin­auf, um am Fuß des Tri­umph­bo­gens die ewi­ge Flam­me am Gr­ab des un­be­kann­ten Sol­da­ten neu zu ent­fa­chen. Hier er­klang die Mar­seil­lai­se, wäh­rend vie­le Neu­gie­ri­ge das Spek­ta­kel aus der Fer­ne be­ob­ach­te­ten. Ab dem Abend, so ver­sprach der neue Prä­si­dent, wer­de er „an der Ar­beit“sein, um ein neu­es Ka­pi­tel für Frank­reich auf­zu­schla­gen.

In Deutsch­land nahm der­weil die De­bat­te über Re­for­men der Eu­ro­zo­ne Fahrt auf. Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el schlägt laut „Spie­gel“vor, für zu­sätz­li­che In­ves­ti­tio­nen ei­nen Teil der Rück­la­gen für die Alt­las­ten der deut­schen Atom­ener­gie ein­zu­set­zen. Das Nach­rich­ten­ma­ga­zin be­rief sich auf ein Pa­pier Ga­b­ri­els. Dort greift er auch die For­de­rung Ma­crons nach ei­nem ge­mein­sa­men Haus­halt für die Eu­ro­zo­ne auf. Auch Mer­kel hat­te sich für ge­mein­sa­me In­ves­ti­tio­nen of­fen ge­zeigt.

Die Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Gö­ring-Eckardt wies den Vor­schlag Ga­b­ri­els zu­rück. „Fin­ger weg. Auf­ge­baut wur­de der Nu­klear­fonds schließ­lich nicht oh­ne Grund. Plün­dert Ga­b­ri­el die­sen Fonds, ste­hen un­se­re Kin­der vor lee­ren Kas­sen, wenn es um AKW-Rück­bau und Atom­müll-Ent­sor­gung geht.“

Fo­to: AFP

Hand­schlag mit Ve­te­ra­nen: Em­ma­nu­el Ma­cron nach der Kranz­nie­der­le­gung am Gr­ab des un­be­kann­ten Sol­da­ten.

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