Ge­gen­wind trotz gu­ter Zah­len

Bei der Haupt­ver­samm­lung der Deut­schen Bank ist nicht nur Har­mo­nie zu er­war­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Schwar­ze Zah­len zu Jah­res­be­ginn, we­ni­ger teu­re Rechts­strei­tig­kei­ten und Um­bau des Vor­stands – gu­te Grün­de für bes­se­re Stim­mung bei den Ak­tio­nä­ren der Deut­schen Bank. Oh­ne Kri­tik geht es aber bei der dies­jäh­ri­gen Haupt­ver­samm­lung nicht.

Von Bri­git­te Schol­tes

Die Deut­sche Bank hat in den letz­ten Mo­na­ten wie­der an Kraft ge­won­nen. Ei­nen or­dent­li­chen Teil der Auf­räum­ar­bei­ten hat Vor­stands­chef John Cryan ge­schafft, vor al­lem die Au­f­ar­bei­tung der Rechts­ri­si­ken ist vor­an­ge­kom­men. Den­noch muss das In­sti­tut am Don­ners­tag beim Ak­tio­närs­tref­fen wie­der mit viel Ge­gen­wind rech­nen.

Cryan dürf­te ver­su­chen, die Ak­tio­nä­re vor al­lem von der Stra­te­gie sei­nes Hau­ses zu über­zeu­gen: Die Bank will die Post­bank, die sie schon aus­ge­glie­dert hat­te, nun doch wie­der in­te­grie­ren. We­sent­li­cher Grund da­für ist na­tür­lich, dass die gel­be Toch­ter nicht zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Preis ver­kauft oder an die Bör­se ge­bracht wer­den konn­te.

Kri­ti­ker räu­men im­mer­hin ein, dass in­zwi­schen Gr­und­zü­ge ei­ner Stra­te­gie er­kenn­bar sei­en, jah­re­lang hät­ten die Ak­tio­nä­re die­se ein­ge­for­dert. Denn ne­ben der Re-In­te­gra­ti­on der Post­bank in das Pri­vat­und Fir­men­kun­den­ge­schäft der Deut­schen Bank, der ei­nen gro­ßen Säu­le, wur­de die zwei­te Säu­le ge­stärkt, weil In­vest­ment­ban­king und Han­dels­ge­schäft wie­der zu­sam­men­ge­führt wur­den.

Im Zu­sam­men­hang mit dem Um­bau stand auch ei­ne Re­struk­tu­rie­rung des Vor­stands: Noch-Fi­nanz­vor­stand Mar­kus Schenck, der nun das In­vest­ment­ban­king lei­tet, wur­de eben­so zum Ko-Vor­stands­chef er­nannt wie Chris­ti­an Sewing, der im Vor­stand für das Pri­vat- und Fir­men­kun­den­ge­schäft zu­stän­dig ist. Das al­les steht auf der Ha­ben­sei­te der Bank – und na­tür­lich, dass die größ­ten Rechts­strei­tig­kei­ten erst ein­mal be­rei­nigt wor­den sind.

Das aber ging nicht oh­ne die im März durch­ge­führ­te Ka­pi­tal­er­hö­hung von acht Mil­li­ar­den Eu­ro. Und ge­nau dar­an dürf­ten Ak­tio­nä­re An­stoß neh­men: Die Ka­pi­tal­er­hö­hung ha­be nicht nur den Ak­ti­en­wert ver­wäs­sert. Vor al­lem ha­be die Bank das Ka­pi­tal nicht ge­nutzt, um neue Ge­schäfts­be­rei­che zu er­schlie­ßen, son­dern vor al­lem Alt­las­ten zu be­zah­len, kri­ti­siert Klaus Nie­ding, Vi­ze­prä­si­dent der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW). Da­für sei­en in­zwi­schen 20 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­ge­nom­men wor­den.

Schar­fe Kri­tik kommt auch über die gro­ßen Stimm­rechts­be­ra­ter: Sie ha­ben schon Ge­gen­an­trä­ge vor­be­rei­tet, die das Ma­nage­ment ins Schwit­zen brin­gen könn­ten. Glass Le­wis et­wa möch­te Vor­stand und Auf­sichts­rat die Ent­las­tung ver­wei­gern, weil ein „En­de der Lis­te“an Kla­gen und Skan­dal­fäl­len noch nicht in Sicht sei. In­ter­na­tio­nal Share­hol­der So­lu­ti­ons (ISS) möch­te ei­ne Son­der­prü­fung durch­set­zen we­gen des Li­bor-Skan­dals um ma­ni­pu­lier­te Zin­sen und der Geld­wä­sche-Af­fä­re in Russ­land. Ein neu­es Ver­gü­tungs­sys­tem dürf­te eben­so für Kon­tro­ver­sen sor­gen wie die Bo­nus­re­ge­lung. Im­mer­hin kann Vor­stands­chef Cryan auf die Un­ter­stüt­zung sei­ner größ­ten Ak­tio­nä­re rech­nen: Seit An­fang Mai ist das chi­ne­si­sche Fi­nanz­kon­glo­me­rat HNA mit 9,92 Pro­zent größ­ter An­teils­eig­ner noch vor der Herr­scher­fa­mi­lie von Ka­tar, die ei­nen An­teil von gut 6 Pro­zent hält.

Fo­to: dpa

Noch nicht ganz klar se­hen die Ak­tio­nä­re der Deut­schen Bank vor der an­ste­hen­den Haupt­ver­samm­lung. Im­mer­hin sei­en Gr­und­zü­ge ei­ner Stra­te­gie er­kenn­bar, räu­men Kri­ti­ker ein.

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