Kran­ken­häu­ser be­kom­men ei­ge­nen Sta­ti­ons­apo­the­ker

Me­di­ka­men­te sol­len bes­ser kon­trol­liert wer­den – Ge­setz ge­gen ra­bat­tier­ten Ver­sand­han­del von Arz­nei­en ge­for­dert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Joa­chim Gö­res

Die Apo­the­ker in Nie­der­sach­sen set­zen sich für ein Ver­bot des Ver­sand­han­dels mit re­zept­pflich­ti­gen Arz­nei­en zu ei­nem güns­ti­ge­ren Preis ein. „Wir dür­fen in un­se­ren Apo­the­ken da­für kei­ne Ra­bat­te ge­ben, des­we­gen müs­sen wir uns ge­gen ei­ne sol­che Kon­kur­renz weh­ren“, so Mag­da­le­ne Linz, Prä­si­den­tin der Apo­the­ker­kam­mer Nie­der­sach­sen, auf dem nie­der­säch­si­schen Apo­the­ker­tag am Wo­che­n­en­de in Cel­le.

Nach ei­nem Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs von 2016 ist die­ser Han­del für aus­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ken er­laubt – da­mit wur­de das bis da­hin gül­ti­ge Ver­bot in Deutsch­land ge­kippt. Die Apo­the­ker wol­len er­rei­chen, dass die Bun­des­re­gie­rung durch ein neu­es Ge­setz den ra­bat­tier­ten Ver­sand­han­del für re­zept­pflich­ti­ge Me­di­ka­men­te ver­hin­dert. Laut Friedemann Schmidt, Prä­si­dent der Bun­des­ver­ei­ni­gung Deut­scher Apo­the­ker­ver­bän­de, gibt es ei­nen Ge­setz­ent­wurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums, der aber ver­mut­lich nicht mehr vor der Bun­des­tags­wahl ver­ab­schie­det wer­de.

In Nie­der­sach­sen ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Zahl der Apo­the­ken ge­sun­ken, von 2113 (2009) auf 1954. In der Re­gi­on Osnabrück sank die Zahl der Apo­the­ken in die­sem Zei­t­raum um 20, in der Re­gi­on Nord­horn um 4 und in Ost­fries­land um 15. Bun­des­weit spricht Schmidt für das ers­te Quar­tal die­ses Jah­res vom stärks­ten Rück­gang seit vie­len Jah­ren.

Als Kon­se­quenz aus den Kran­ken­haus­mor­den von Delmenhorst und Ol­den­burg schreibt Nie­der­sach­sen als ers­tes Bun­des­land Kran­ken­häu­sern ei­nen so­ge­nann­ten Sta­ti­ons­apo­the­ker vor. „Me­di­ka­men­te stan­den bis­her nicht ge­nü­gend im Fo­kus, im Sin­ne der Pa­ti­en­ten­si­cher­heit än­dern wir das durch die ver­ab­schie­de­te No­vel­lie­rung des Kran­ken­haus­ge­set­zes“, sagt die nie­der­säch­si­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD). Linz be­grüßt dies: „Vor zehn Jah­ren gab es in Nie­der­sach­sen noch 54 Kran­ken­haus­apo­the­ken, heu­te sind es nur noch die Hälf­te. Künf­tig muss je­des Kran­ken­haus im Land ei­nen Apo­the­ker an­stel­len oder mit ei­nem eng ko­ope­rie­ren.“

Un­zu­frie­den ist Linz mit ei­ner seit Ok­to­ber gel­ten­den bun­des­wei­ten Neu­re­ge­lung. Seit­dem hat je­der Pa­ti­ent, der min­des­tens drei Me­di­ka­men­te be­kommt, ei­nen An­spruch auf ei­nen Me­di­ka­ti­ons­plan durch ei­nen Arzt oder Apo­the­ker. Dort soll über­sicht­lich auf­ge­führt wer­den, wel­che Arz­nei­en in wel­cher Do­sie­rung zu wel­chem Zeit­punkt ge­nom­men wer­den. „Die meis­ten Pa­ti­en­ten ha­ben da­von noch nie et­was ge­hört. Vie­le Haus­ärz­te wis­sen zu­dem nicht, wel­che Me­di­ka­men­te die Fach­ärz­te ver­schrei­ben. In ei­ner Stu­die aus Müns­ter wur­de ge­ra­de fest­ge­stellt, dass 90 Pro­zent der Me­di­ka­ti­ons­plä­ne feh­ler­haft sind“, sagt Linz.

Fo­to: dpa

Den Über­blick be­hal­ten: In Kran­ken­häu­sern be­auf­sich­tigt ein Sta­ti­ons­apo­the­ker künf­tig die Me­di­ka­men­ten­ver­ga­be.

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