„Es ist nerv­lich nicht aus­zu­hal­ten . . .“

Die Ach­ter­bahn­fahrt des HSV – Frei­burg fehlt nur noch ein Schritt zur Sen­sa­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Wer hat die bes­se­ren Ner­ven im Ab­stiegs-Thril­ler?

Ein sol­ches Sai­son­fi­na­le hat Wolfs­burgs Tor­jä­ger Ma­rio Go­mez si­cher noch nicht er­lebt. 1:1 ge­gen Mön­chen­glad­bach – nach Ha­gel, Blitz und Don­ner so­wie rund halb­stün­di­ger Spiel­un­ter­bre­chung. Und am kom­men­den Sams­tag der Ab­stiegs-Thril­ler beim HSV. „99 Pro­zent der Deut­schen wün­schen sich die­ses End­spiel, wir nicht.“Go­mez schob aber so­fort mit brei­ter Brust nach: „Ich weiß, dass wir nicht ab­stei­gen wer­den. Der Druck ist bei Ham­burg.“In der Tat, der HSV muss ge­win­nen, um die „Wöl­fe“zu über­ho­len und sich vor der Re­le­ga­ti­on zu ret­ten. Selbst bei ei­ner Nie­der­la­ge kann der VfL so­gar noch den un­be­lieb­ten Ent­schei­dungs­spie­len ent­ge­hen, wenn die ak­tu­ell punkt­glei­chen und in der Tor­dif­fe­renz hauch­dünn bes­se­ren Augs­bur­ger deut­lich hö­her als die Wolfs­bur­ger ver­lie­ren. Viel­leicht könn­te das der ent­schei­den­de

Trumpf für den HSV sein: An der El­be muss kei­ner mehr rech­nen. Al­les an­de­re als ein Drei­er be­deu­tet die nächs­te Re­le­ga­ti­on. Da­bei woll­te He­ri­bert Bruch­ha­gen nach sei­nem Aus­stieg bei Ein­tracht Frank­furt ge­sün­der le­ben. Als neu­er HSV-Vor­stands­chef hat er in die­ser Hin­sicht kei­ne Chan­ce. „Es ist nerv­lich nicht aus­zu­hal­ten. Es gibt Si­tua­tio­nen wie heu­te, da geht es in Rich­tung Un­mensch­lich­keit“, mein­te der 68-Jäh­ri­ge nach dem 1:1 auf Schal­ke – und steck­te sich die nächs­te Zi­ga­ret­te an.

Wie geht es jetzt bei Bay­er Le­ver­ku­sen wei­ter?

Die Freu­de über den Klas­sen­er­halt fiel bei al­len Be­tei­lig­ten von Bay­er Le­ver­ku­sen oh­ne­hin schon ge­dämpft aus. Zu groß sind die Er­war­tun­gen und Vor­aus­set­zun­gen un­term Bay­erk­reuz ei­gent­lich, als dass ei­ne Ret­tung in fast letz­ter Se­kun­de ge­fei­ert wer­den könn­te. „Das war ein Wahn­sinns­kampf und ein or­dent­li­cher Ab­schluss“, sag­te

Ste­fan Kieß­ling zwar. Der er­fah­re­ne Stür­mer hat­te mit sei­nem Aus­gleichs­tor we­sent­lich zum 2:2 im Der­by ge­gen Köln bei­ge­tra­gen, wur­de dann aber gleich von ei­ner neu­er­li­chen Pos­se aus der Le­ver­ku­se­ner Füh­rung über­rascht. Ge­schäfts­füh­rer Michael Scha­de schaff­te fast bei­läu­fig und wahr­schein­lich oh­ne vor­he­ri­ge Ab­spra­che Fak­ten: „Es ist doch klar, dass es am Sai­son­en­de zu ei­ner Be­en­di­gung der Zu­sam­men­ar­beit kom­men wird“, sag­te er über Trai­ner Tay­fun Kor­kut. Nach nur ei­nem Sieg aus zehn Spie­len ist die­ser Schritt we­nig über­ra­schend, das un­be­dach­te Vor­pre­schen Scha­des al­ler­dings schon. So­wohl Sport­chef Ru­di Völ­ler als auch Kor­kut selbst äu­ßer­ten sich noch zu­rück­hal­ten­der, erst am Abend kam vom Ver­ein dann bei­na­he klein­laut ei­ne Mit­tei­lung, die end­gül­tig Fak­ten schaff­te. „Ich ha­be ges­tern Abend – nach dem un­ge­heu­ren Druck der ver­gan­ge­nen Ta­ge und un­ter den Emo­tio­nen des dra­ma­ti­schen Der­bys, ei­nen Feh­ler ge­macht, den ich sehr be­daue­re“,

sag­te Scha­de am Tag da­nach, das Cha­os auf Füh­rungs­ebe­ne im Club ist aber of­fen­sicht­lich. Ei­nen neu­en Trai­ner auf ho­hem Ni­veau zu fin­den dürf­te gar nicht so ein­fach sein oh­ne eu­ro­päi­sches Ge­schäft. Kieß­ling wünscht sich je­man­den, „der die Trup­pe ein­fach im Griff hat und ver­sucht, al­les aus ihr raus­zu­ho­len“. Ob der 33Jäh­ri­ge dann selbst noch da­bei sein wird, ist of­fen: „Ich muss über­le­gen, ob ich über­haupt wei­ter­ma­che“, sag­te Kieß­ling, der noch bis 2018 ei­nen Ver­trag hat, aber un­ter dau­er­haf­ten Hüft­pro­ble­men lei­det.

Eu­ro­pa Le­ague: Ei­ne Ge­fahr für den SC Frei­burg?

Wer Chris­ti­an Streich dar­auf an­spricht, spürt, dass ihn die­ses The­ma um­treibt. Si­cher wür­de man die Her­aus­for­de­rung an­neh­men, die man sich fast er­ar­bei­tet ha­be, sagt der Trai­ner. Als süd­ba­di­sches Ur­ge­stein weiß er aber ge­nau um die Ge­schich­te der Frei­bur­ger.

Als man im Jahr 2001 erst­mals im UE­FA-Po­kal zwei Run­den über­stand und dann knapp am spä­te­ren Sie­ger Fey­e­no­ord Rot­ter­dam schei­ter­te, stieg man ab. In der Spiel­zeit 2013/14 muss­te der SC als Eu­ro­pa-Le­ague-Teil­neh­mer lan­ge in der Li­ga zit­tern – und stieg in der Fol­ge­sai­son ab. Dass auch die ak­tu­el­le Mann­schaft noch nicht völ­lig ge­fes­tigt ist, zeigt das Tor­ver­hält­nis von minus 15 – be­mer­kens­wert für ei­nen Ta­bel­len­sechs­ten. Frei­burg hat zwar mit kämp­fe­risch und spie­le­risch ge­rad­li­ni­gem Fuß­ball be­geis­tert, aber in die­ser Sai­son auch schon fünf­mal 0:3, ein­mal 0:4, ein­mal 1:4 und ein­mal 2:5 ver­lo­ren. Streich hat da­her auch nicht ver­ges­sen, wo man her­kommt: Nach dem 1:1 ge­gen In­gol­stadt am Sams­tag trös­te­te er den so­eben ab­ge­stie­ge­nen FCI-Trai­ner Ma­ik Wal­pur­gis mit ei­ner herz­li­chen Umar­mung. „Heu­te geht’ s. Mor­gen ist es die Höl­le. Die nächs­ten zwei Wo­chen ist es die Höl­le. Aber wenn ihr das über­steht und wei­ter­macht, wer­det ihr be­lohnt.“

Fo­to: imago/Mo­ritz Mül­ler

Sein ers­tes Tor nach über ei­nem Jahr be­wahrt die Chan­ce des Ham­bur­ger SV auf den Klas­sen­er­halt: Pier­re-Mi­chel La­sog­ga.

Fo­to: imago/Sport­fo­to Ru­del

Trost nö­tig: In­gol­stadts Trai­ner Ma­ik Wal­pur­gis küm­mert sich um sei­ne Spie­ler.

Fo­to: Wit­ters

Ver­si­che­rung ge­gen den Ab­stieg? Ma­rio Go­mez lässt Wolfs­burg hof­fen.

Fo­to: dpa

Be­kommt von Bay­er die Pa­pie­re: Trai­ner Tay­fun Kor­kut.

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