„Le­wis hat den bes­se­ren Job ge­macht“

For­mel-1-Eu­ro­pa-Auf­takt in Bar­ce­lo­na: Ha­mil­ton 3,5 Se­kun­den vor Vet­tel Mer­ce­des-Pi­lot Le­wis Ha­mil­ton hat den Gro­ßen Preis von Spa­ni­en vor For­mel-1-Spit­zen­rei­ter Se­bas­ti­an Vet­tel ge­won­nen. Der Bri­te setz­te sich am Sonn­tag in Bar­ce­lo­na nach ei­nem span­nen­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Claas Hen­nig

Trotz der Nie­der­la­ge in der nächs­ten Run­de des elek­tri­sie­ren­den Zwei­kampfs mit Ha­mil­ton konn­te Vet­tel la­chen. In ei­nem denk­wür­di­gen Ren­nen mit auf­re­gen­den Über­hol­ma­nö­vern, Rad-an-Rad-Du­el­len, Stra­te­gie­spiel­chen und Rei­fen­po­ker ver­pass­te der Fer­ra­ri-Star ge­gen sei­nen eng­li­schen Ti­tel­ri­va­len sei­nen drit­ten Sai­son­sieg. Den­noch wirk­te der Hep­pen­hei­mer nach dem Eu­ro­pa­Auf­takt ent­spannt und scherz­te mit dem Kon­kur­ren­ten bei der Sie­ger­eh­rung.

„Es hat Spaß ge­macht“, sag­te der vier­ma­li­ge Cham­pi­on. „Aber na­tür­lich ist es bit­ter, nur den zwei­ten Platz mit­zu­neh­men.“Letzt­lich muss­te er zu­ge­ben: „Le­wis hat ein­fach den bes­se­ren Job ge­macht.“Ge­ra­de ein­mal knapp 3,5 Se­kun­den hat­te Vet­tel im Ziel hin­ter dem bri­ti­schen Drei­fach-Cham­pi­on ge­le­gen. Er ver­dräng­te den Mer­ce­des-Mann beim fünf­ten Sai­son­ren­nen in Bar­ce­lo­na zwar noch in der ers­ten Kur­ve von Po­si­ti­on eins, muss­te sich am En­de je­doch ge­schla­gen ge­ben.

„So muss Ra­c­ing sein“, mein­te Ha­mil­ton, dem das Du­ell mit dem Deut­schen trotz al­ler An­stren­gun­gen Freu­de ge­macht hat­te: „Das ist ei­nes der här­tes­ten Ren­nen. Ich ha­be meh­re­re Ki­los ver­lo­ren, und mit ihm im Rü­cken hat das Gan­ze nicht ein­fa­cher ge­macht“, mein­te der En­g­län­der nach sei­nem 55. Kar­rie­re-Sieg. Vet­tel ent­geg­ne­te: „Ich ha­be wirk­lich al­les ver­sucht, an der Spit­ze zu blei­ben. So­bald wir aber al­lei­ne wa­ren, ist er an mir vor­bei­ge­flo­gen.“

Wäh­rend Vet­tel und Ha­mil­ton die gro­ße Show bo­ten, schaff­te es Red-Bull-Fah­rer Da­ni­el Ric­ci­ar­do als Drit­ter erst­mals in die­ser Sai­son noch auf das Po­di­um. Sein Team­kol­le­ge und Vor­jah­res­sie­ger Max Ver­stap­pen schied nach ei­ner Start­kol­li­si­on mit Ki­mi Räik­kö­nen im zwei­ten Fer­ra­ri aus. Vet­tel (104 Zäh­ler) geht nun mit ei­ner auf sechs Punk­te ge­schmol­ze­nen WM-Füh­rung auf den zwei­ma­li­gen Sai­son­sie­ger Ha­mil­ton in zwei Wo­chen in den Tra­di­ti­ons­Grand-Prix von Mo­na­co.

Re­nault-Mann Ni­co Hül­ken­berg lan­de­te auf ei­nem her­vor­ra­gen­den sechs­ten Platz, Pas­cal Wehr­lein hol­te sich mit ei­ner ge­wag­ten EinS­topp-Stra­te­gie als Ach­ter so­gar sei­ne ers­ten Punk­te für Sau­ber. Der Worn­dor­fer trotz­te selbst ei­ner Fünf-Se­kun­den-Stra­fe, weil er vor sei­nem Bo­xen­stopp re­gel­wid­rig Rich­tung Ga­ra­ge ge­fah­ren war.

Die 740 Me­ter bis zur ers­ten Kur­ve hat­ten es nach dem Start rich­tig in sich. Um ge­ra­de ein­mal 51 Tau­sends­tel­se­kun­den hat­te Vet­tel we­gen ei­nes Ver­brem­sers in der Qua­li­fi­ka­ti­on noch Start­platz eins ver­passt. Da­bei ist die Po­le ge­ra­de auf dem an Über­hol­mög­lich­kei­ten ar­men Cir­cuit de Ca­ta­lun­ya so wich­tig. 13-mal hat­te vor dem Grand Prix seit 2001 der Qua­li­fi­ka­ti­ons­bes­te auch das Ren­nen ge­won­nen. Ha­mil­ton konn­te die 64. Po­le sei­ner Kar­rie­re je­doch nur kurz ge­nie­ßen. Vet­tel zog an dem Bri­ten vor­bei, da­hin­ter schep­per­te es ge­wal­tig. Bot­tas im zwei­ten Sil­ber­pfeil tou­chier­te Vet­tels Team­kol­le­gen Räik­kö­nen, der aus­wich und in den Red Bull von Ver­stap­pen krach­te. Für den Fin­nen war das Ren­nen kurz dar­auf mit ei­nem de­fek­ten lin­ken Vor­der­rad be­en­det, auch der nie­der­län­di­sche Youngs­ter muss­te sein Au­to mit ei­ner de­mo­lier­ten Auf­hän­gung in der Ga­ra­ge ab­stel­len. Der vier­ma­li­ge WM-Cham­pi­on Vet­tel ging als Ers­ter aus der Spit­zen­grup­pe in Run­de 15 an die Box und ließ sich fri­sche Rei­fen auf­zie­hen. Mer­ce­des hol­te Ha­mil­ton sie­ben Um­läu­fe spä­ter rein. Bot­tas über­nahm die Füh­rung. Und Vet­tel steck­te erst ein­mal hin­ter dem Sot­schi-Sie­ger fest. Ha­mil­ton kam un­ter­des­sen im­mer nä­her. Mit ei­nem ent­schlos­se­nen Zick-Zack-Ma­nö­ver auf dem 4,655 Ki­lo­me­ter lan­gen Kurs setz­te sich Vet­tel wie­der vor Bot­tas, der sei­nen Mer­ce­des mit ei­nem bren­nen­den Mo­tor in der 39. Run­de ab­stel­len muss­te.

An der Spit­ze gab es da­mit wie­der ein­mal nur noch das Du­ell Vet­tel ge­gen Ha­mil­ton. Nach dem Vir­tu­al Sa­fe­ty Car kam Ha­mil­ton als Ers­ter aus dem Duo zu sei­nem zwei­ten Stopp in die Ga­ra­ge, da­nach folg­te der Deut­sche. Bei der Aus­fahrt aus der Box ver­tei­dig­te Vet­tel knall­hart sei­ne Füh­rung ge­gen den Bri­ten. Vet­tel konn­te dem Druck aber nicht lan­ge stand­hal­ten, mit ei­nem herr­li­chen Ma­nö­ver ras­te der Mer­ce­des-Mann am Fer­ra­ri-Star vor­bei.

Fo­to: imago/Crash Me­dia Group

Ju­bel über Platz eins in Bar­ce­lo­na: Le­wis Ha­mil­ton fei­ert in den Ar­men sei­ner Cr­ew.

Fo­to: imago/Eib­ner

Ju­bel über Platz zwei: Se­bas­ti­an Vet­tel ver­liert nach har­tem Kampf ge­gen Ha­mil­ton – und fei­ert trotz­dem mit sei­ner Cr­ew.

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Er­leich­ter­ter Sie­ger: Le­wis Ha­mil­ton.

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