Wenn Ver­ei­ne aus­zu­ster­ben dro­hen

Nach­wuchs­sor­gen wer­den oft vor al­lem bei den Vor­stands­wah­len deut­lich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Für Ver­ei­ne wird es heut­zu­ta­ge auch in der Re­gi­on Osnabrück zu­neh­mend schwie­ri­ger, lang­fris­tig zu über­le­ben. Alt­ge­dien­te Vor­stands­mit­glie­der wer­den im­mer äl­ter, und jün­ge­re Mit­glie­der, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men, sind schwer zu fin­den. Wie kann ein er­folg­rei­cher Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel ge­lin­gen?

Von Clau­dia Sar­ra­zin

OSNABRÜCK. „Ist ein Vor­sit­zen­der seit 25 Jah­ren mit ei­nem Mords­en­ga­ge­ment da­bei, wird es an­ge­sichts des zeit­li­chen Um­fangs und der Kom­pe­tenz des Vor­gän­gers pro­ble­ma­tisch, ei­nen Nach­fol­ger zu fin­den“, sagt Pe­ter Klö­se­ner, der bei der Ka­tho­li­schen Land­vol­khoch­schu­le Se­mi­na­re für Eh­ren­amt­li­che be­treut. Zwar stei­ge die Zahl der Eh­ren­amt­li­chen wei­ter an. Doch die Zeit, die sie ein­brin­gen könn­ten, wer­de we­ni­ger.

Ei­ni­ge Ver­ei­ne hät­ten da­her ih­re Ver­eins­struk­tur ge­än­dert oder über­legt, die Ar­beit auf meh­re­re Schul­tern zu ver­tei­len. Als Bei­spiel nennt Klö­se­ner den Bund der Deut­schen Ka­tho­li­schen Ju­gend (BDKJ), der statt ei­nes ein­zel­nen Vor­sit­zen­den von ei­nem Team ge­lei­tet wird. „Wenn Eh­ren­amt Spaß macht und die Leu­te mit­ge­stal­ten kön­nen, blei­ben sie da­bei“, so Klö­se­ner.

Alt­ge­dien­te Vor­stands­mit­glie­der müss­ten sich dann al­ler­dings fra­gen: „Las­se ich es zu, dass sich durch neue Mit­wir­ken­de et­was ver­än­dert?“

Mit­un­ter liegt hier das Pro­blem. „Der al­te Vor­stand sorgt sich, weil der Nach­wuchs fehlt. Gleich­zei­tig soll al­les im­mer genau­so lau­fen, Die Hei­mat­grup­pe Nie­der­schwe­del­dorf ist vom Auss­ter­ben be­droht, wie der Vor­sit­zen­de Nor­bert Buhl (von links) im Ge­spräch mit den Mit­glie­dern Hil­de­gard Sonn­tag, Mar­tin Hein­ze und Mar­tha Bil­zer of­fen ein­räum­te. wie er es will“, be­rich­tet ein ehe­ma­li­ger Schrift­füh­rer ei­nes Bür­ger­ver­eins. Neue Ide­en sei­en letzt­end­lich un­will­kom­men. Die Aus­sa­ge „das ha­ben wir schon im­mer so ge­macht…“oder auch Tref­fen zu Uhr­zei­ten, an de­nen Be­rufs­tä­ti­ge kei­ne Zeit ha­ben, schreck­ten po­ten­zi­el­le neue Vor­stands­mit­glie­der

ab. Ei­nen neu­en An­satz lern­ten kürz­lich die Teil­neh­mer ei­nes Tref­fens für Kir­chen­vor­ste­her des evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Kir­chen­kreis­ver­bands in Stadt und Land­kreis Osnabrück ken­nen. Chris­ti­na Enns, die zum The­ma Nach­wuchs­sor­gen ei­ne Ba­che­l­orar­beit an der Hoch­schu­le Osnabrück ge­schrie­ben hat, schlug vor, ei­nen Per­spek­ti­ven­wech­sel zu wa­gen: Zu­nächst müs­se man Pro­fi­le, Stär­ken und Ta­len­te no­tie­ren, die Ver­eins­vor­stän­de auf­wei­sen soll­ten, um an­schlie­ßend zu schau­en, wer die not­wen­di­gen oder ge­wünsch­ten Ei­gen­schaf­ten mit­brin­ge.

Dass vie­le Ver­ei­ne ums Über­le­ben kämp­fen, zeigt das

Bei­spiel der Hei­mat­grup­pe Nie­der­schwe­del­dorf. „Hei­mat­und Ver­trie­be­nen­ver­ei­ne ster­ben aus. Wir ha­ben schon al­les ver­sucht. Ich glau­be, das In­ter­es­se ist nicht mehr da“, sagt der Vor­sit­zen­de Nor­bert Buhl. Die „al­te Hei­mat“sei für die drit­te oder vier­te Ge­ne­ra­ti­on ein­fach sehr weit weg, be­dau­ert Buhl, des­sen Ver­ein bei der ver­gan­ge­nen Wahl kaum al­le Vor­stands­pos­ten be­set­zen konn­te: Die lang­jäh­ri­ge Kas­sie­re­rin bei­spiels­wei­se sei schon 82 Jah­re alt und ha­be ei­gent­lich auf­hö­ren wol­len. „Aber wir ha­ben kei­nen Er­satz ge­fun­den, jetzt hof­fen wir, dass sie lan­ge ge­sund bleibt.“

Mit­glie­der­ge­win­nung ist aber auch für jün­ge­re Ver­ei­ne

wie die Ro­ta­ry-Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on Ro­ta­ract ein Dau­er­the­ma. „Bei uns bringt je­der mal je­man­den mit“, sagt Sven La­ke, Vor­stands­mit­glied des Ro­ta­ract-Clubs Osnabrück. „Man kann Sa­chen aus­pro­bie­ren, die im nor­ma­len All­tag nicht mög­lich sind.“

Die­se Er­fah­rung sam­mel­te auch der Sy­rer So­hel, den die Ro­ta­rac­ter vor ei­nem Jahr ken­nen­lern­ten und zu ei­nem Tref­fen ein­lu­den. In­zwi­schen ist So­hel, ge­mein­sam mit sei­nem Kum­pel Mo­ham­med, fes­ter Be­stand­teil des Clubs.

Wei­te­re Bei­trä­ge der Se­rie zum Eh­ren­amt auf noz.de

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