Kor­nel­kir­sche, Hor­nis­se oder sor­bi­scher Orts­na­me?

Her­lit­zi­us be­ruht auf dem mehr­deu­ti­gen Na­men Her­litz

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Von Win­fried Breid­bach

Un­se­re Le­se­rin Anet­te Her­lit­zi­us hat ei­ne In­for­ma­ti­on, nach der ihr Fa­mi­li­en­na­me aus der rö­mi­schen Kul­tur stam­men soll.

Mit rund 180 Na­mens­trä­gern ist Her­lit­zi­us ein re­la­tiv sel­te­ner Nach­na­me, der in meh­re­ren Re­gio­nen an­zu­tref­fen ist, ins­be­son­de­re in den al­ten Bun­des­län­dern. Die bei­den stärks­ten Nes­ter des Na­mens zeich­nen sich weit von­ein­an­der ent­fernt in den Land­krei­sen Soest und Breis­gau-Hoch­schwarz­wald ab. Es gibt kei­ne un­mit­tel­ba­ren Na­men­va­ri­an­ten. Die äl­te­ren Schreib­wei­sen „Herr­lit­zi­us, Her­li­zi­us, Her­li­ti­us, Her­li­ci­us“(al­le zwi­schen 1696 und 1799 in Be­ring­hau­sen/Hoch­sau­er­land­kreis und At­teln/Kreis Pa­der­born) sind heu­te aus­ge­stor­ben.

Der ver­mu­te­te Zu­sam­men­hang mit den Rö­mern ist ge­wiss durch die En­dung -ius ver­an­lasst, die sich bei über 2000 Fa­mi­li­en­na­men fin­det. Die meis­ten die­ser Na­men ent­stan­den als so­ge­nann­te Hu­ma­nis­ten­na­men im 16. bis 18. Jahr­hun­dert, in­dem an deut­sche Fa­mi­li­en­na­men die la­tei­ni­sche En­dung -ius an­ge­hängt wur­de. So wur­den aus ge­wöhn­li­chen Na­men „ge­lehrt“er­schei­nen­de und da­durch in­ter­es­san­te­re Nach­na­men, wie et­wa Bo­cki­us zu Bock, Cre­me­ri­us zu Kre­mer, Ho­fi­us zu Hof, Grol­li­us zu Groll.

Dem Na­men Her­lit­zi­us liegt so­mit zu­nächst die Na­mens­form Her­litz zu­grun­de, die in Deutsch­land heu­te von et­wa 570 Per­so­nen ge­tra­gen wird. Da­zu kom­men noch die sel­te­ne­ren Va­ri­an­ten Herr­litz, Her­liz, Her­lit­ze und Her­litse.

Der Fa­mi­li­en­na­me Her­litz konn­te auf drei völ­lig ver­schie­de­nen We­gen ent­ste­hen. Zu­nächst ent­spricht er ei­nem der Na­men der Kor­nel­kir­sche (Cor­nus mas), die seit dem Al­ter­tum als Nut­zund Kul­tur­pflan­ze be­kannt ist. Frü­he Be­zeich­nun­gen des Bau­mes wa­ren un­ter an­de­rem ar­liz­bom, har­lez­bo­um, die Na­mens­form Her­lit­ze scheint zu­erst 1551 be­zeugt zu sein. Wei­te­re Na­men­va­ri­an­ten sind Hör­lit­ze und Hor­lit­ze. Wie bei an­de­ren mit Obst­baum­na­men iden­ti­schen Fa­mi­li­en­na­men wur­de der Obst­bau­er oder -händ­ler be­nannt.

Zwei­tens kann Her­litz mit dem weit ver­brei­te­ten mund­art­li­chen Wan­del von -ö- zu -e- als Va­ri­an­te zum Ti­er­na­men Hör­litz ge­hö­ren. Hör­litz(e) und Hor­lit­ze sind ei­ni­ge von zahl­rei­chen Be­zeich­nun­gen der Hor­nis­se. Die Hor­nis­se (Ve­s­pa crab­ro) gilt als ag­gres­si­ves In­sekt. Die Fa­mi­li­en­na­men, die mit Na­men der Hor­nis­se über­ein­stim­men (wie Hor­nis, Hor­nesch, Hor­nus, Hurn­aus, Har­laß u. a.), be­nann­ten ähn­lich wie Hum­mel und Mü­cke läs­ti­ge, auf­dring­li­che Men­schen.

Drit­tens ist Her­litz als Va­ri­an­te der Her­kunfts­na­men Hör­litz, Hor­litz er­klär­bar, wo­bei auch hier die Ent­run­dung von -ö- zu -e- zum Tra­gen kommt. Die Na­men ge­hen von den sor­bi­schen Or­ten Hör­litz und Hor­litza („Ad­ler­ort“) aus.

Im In­ter­net fin­den Sie die Fa­mi­li­en­na­men, die Win­fried Breid­bach schon im Auf­trag un­se­rer Zei­tung un­ter­sucht hat. Un­ter www.noz.de/ na­men kön­nen sie auf­ge­ru­fen wer­den. Wei­te­re Na­mens­vor­schlä­ge bit­te an na­mens­for­scher@ noz.de sen­den.

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