Um Got­tes wil­len: War­um Pries­ter wer­den?

Wei­he-Kan­di­da­ten aus den Bi­stü­mern Aa­chen, Hil­des­heim und Lim­burg zu Gast in Osnabrück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Klar, auch ka­tho­li­sche Pries­ter soll­ten ko­chen kön­nen. Zu­min­dest Kar­tof­feln. Denn nicht nur die Zei­ten von Hoch­wür­den, auch die der Haus­häl­te­rin sind vor­bei. Beim Koch­kurs im Os­na­brü­cker Pries­ter­se­mi­nar er­zäh­len die Män­ner, war­um sie Pries­ter wer­den wol­len.

Von An­ne Spiel­mey­er

OSNABRÜCK. Im Pries­ter­se­mi­nar bro­delt es – auch jen­seits der Koch­töp­fe. Denn in die­sem Jahr wird kein Kan­di­dat aus dem Bis­tum Osnabrück ge­weiht. In den Bi­stü­mern Aa­chen, Hil­des­heim und Lim­burg, mit de­nen die Diö­ze­se Osnabrück in der Pries­ter­aus­bil­dung ko­ope­riert, gibt es ins­ge­samt sechs Be­wer­ber. Sie sind hier zu Gast, um vor ih­rer Wei­he an Pfings­ten den letz­ten Schliff zu be­kom­men. Die Küche des Se­mi­nars ist da ein ge­sel­li­ger Ne­ben­schau­platz. Wenn man die Män­ner ein­lau­fen sieht, al­le mit schwar­zem Pul­li und wei­ßem Kol­lar, dann liegt nichts nä­her als ei­ne Schwarz-Weiß-Be­trach­tung: Pro­to­typ Pries­ter. Die­se Gleich­för­mig­keit ist das Au­ge nicht ge­wohnt in ei­ner bun­ten Ge­sell­schaft, die Frei­heit und Selbst­ver­wirk­li­chung groß­schreibt. Al­les ein Ab­wasch beim Koch­kurs?

„Der größ­te Feh­ler, den man ma­chen kann, ist der zu den­ken: Ty­pisch Pries­ter“, warnt Mar­tin Roh­ner, der als Laie mit Re­gens Ul­rich Beck­wer­mert für die Pries­ter­aus­bil­dung in Osnabrück zu­stän­dig ist. Er selbst ha­be an­fangs bei der Aus- und Fort­bil­dung der Pries­ter ei­ne Nor­mal­bio­gra­fie vor­aus­ge­setzt und fest­ge­stellt: „Fehl­dia­gno­se.“Nor­mal gibt’ s nicht. Die Bio­gra­fi­en der Neu­pries­ter sei­en sehr un­ter­schied­lich, vie­le Kan­di­da­ten hät­ten vor­her an­de­re Be­ru­fe ge­lernt, stün­den mit­ten im Le­ben, er­gänzt Beck­wer­mert.

Auf der Ziel­ge­ra­den

Et­wa sie­ben Jah­re dau­ert die Aus­bil­dung zum Pries­ter. Auf das Stu­di­um der Theo­lo­gie folgt der prak­ti­sche Teil – mit Li­t­ur­gie, Ge­mein­de­ar­beit, Seel­sor­ge. Nach der Dia­ko­nen­wei­he steht ganz am En­de die Pries­ter­wei­he. Die sechs Kan­di­da­ten sind auf der Ziel­ge­ra­den ih­res lan­gen We­ges zum Al­tar, an dem sie am En­de „Ja“sa­gen – zu Gott und da­mit auch „Nein“zu ei­nem Le­ben mit Ehe und Fa­mi­lie. Wer macht das heu­te noch – und war­um?

Be­ne­dikt Heimann (41), Bis­tum Hil­des­heim: „Schu­le war mir im­mer zu we­nig“, sagt der ehe­ma­li­ge Be­rufs­schul­leh­rer, dem mit den Fä­chern Deutsch und Re­li­gi­on die Brei­te ge­fehlt ha­be. „Als Pries­ter be­glei­te ich Men­schen das gan­ze Le­ben über.“Tau­fen, trau­en, be­er­di­gen. Viel mehr als ein Le­ben oh­ne Part­ne­rin be­schäf­tigt ihn die Fra­ge nach der Zu­kunft der Kir­che: „Wor­auf las­se ich mich ein, wenn ich heu­te Pries­ter wer­de?“Dass der Lu­xus ei­ner Haus­häl­te­rin aus­stirbt, stört ihn nicht. „Beim Put­zen und Ko­chen ha­be ich die bes­ten Ide­en für mei­ne Pre­dig­ten.“

Fa­bi­an Boun­gard (27), Bis­tum Hil­des­heim: „Ich sa­ge im­mer, ich ha­be nicht die klas­si­sche Sa­kris­tei-Kar­rie­re.“ Aber fast: Er sei ger­ne Mi­nis­trant ge­we­sen und Stern­sin­ger, ha­be im Zi­vil­dienst im Ju­gend­bü­ro des Bis­tums Hil­des­heim ein Jahr Kir­che mit jun­gen Leu­ten ge­lebt und ge­stal­tet. Pries­ter zu wer­den sei zu­nächst kein The­ma ge­we­sen. Als mit der Freun­din Schluss war, kam er ins Grü­beln. „Be­ru­fung? Was ist das? Was will Gott von Dir?“, er­zählt er von sei­nen Fra­gen. „Ich wer­de Pries­ter, weil ich mit den Men­schen den Glau­ben fei­ern will.“

Michael Bri­en (53), Bis­tum Lim­burg: Be­vor er sich für den Di­enst in der Kir­che ent­schied, hat Michael Bri­en als Über­set­zer in Groß­kanz­lei­en in Frank­furt ge­ar­bei­tet. „Nach ei­nem kör­per­li­chen Zu­sam­men­bruch war ich zu­rück­ge­wor­fen auf die wirk­lich wich­ti­gen Fra­gen im Le­ben.“Wer bin ich und war­um? Was ma­che ich aus mei­nem Le­ben? Die Ant­wort ha­be er im Glau­ben ge­fun­den. Gott ge­be ihm Kraft. „Man­che Freun­de ver­ste­hen das, an­de­re nicht“, sagt der Spät­be­ru­fe­ne. „Wich­tig ist, dass wir als Pries­ter für die Men­schen da sind.“

Be­ne­dikt Wach (35), Bis­tum Lim­burg: „Und wenn ihr mit ei­ner schwan­ge­ren Freun­din nach Hau­se kommt – wir krie­gen al­les hin“, er­in­nert er sich an ei­nen Satz, den sei­ne El­tern ihm und sei­nen Ge­schwis­tern mit auf den Weg ge­ge­ben ha­ben. Er kam nicht mit der Freun­din, son­dern mit Mut­ter Kir­che. Auch gut. Par­al­lel zum Ju­ra­stu­di­um ha­be er sich in­ten­siv mit Glau­bens­fra­gen be­schäf­tigt, ist „nach gründ­li­cher Prü­fung“ins Pries­ter­se­mi­nar ein­ge­tre­ten. „Wir le­ben in ei­ner Ge­sell­schaft, in der je­dem sein Spleen zu­ge­stan­den wird. Die ei­nen ge­hen ins Out­back, die an­de­ren wer­den Pries­ter.“

Ste­fan Kn­auf (46), Bis­tum Aa­chen: Mit 25 oder 30 Jah­ren hät­te der Mann vom Nie­der­rhein sich nicht be­wusst für die Kir­che und ge­gen ein Fa­mi­li­en­le­ben ent­schei­den kön­nen. „Jetzt geht das“, sagt er, des­sen Freun­de und Fa­mi­lie schon im­mer ge­ahnt hät­ten, wo­hin die Rei­se geht. Seit sechs Jah­ren ist er stän­di­ger Dia­kon und hat da­mit ei­nen Fuß in der Kir­chen­tür. „Ich möch­te mich gern noch mehr ein­brin­gen“, sagt er. Als ehe­ma­li­ger Bü­ro­kauf­mann hat er sich beim Spät­be­ru­fe­nen-Se­mi­nar St. Lam­bert in Lan­ters­ho­fen fort­ge­bil­det. „Die Wei­he ist nun et­was ganz Be­son­de­res, auf das ich mich freue.“

Wal­ter Si­mon (32), Bis­tum Lim­burg: Man­che sei­en zehn Jah­re mit ih­rer Frau zu­sam­men, ehe sie ihr den Hei­rats­an­trag mach­ten. Er ha­be lan­ge stu­diert, ehe er sich der Be­ru­fung ge­stellt ha­be: „Ich den­ke, ich bin ein Kind der Ge­ne­ra­ti­on Y, die lie­ber sucht als sich fest­zu­le­gen“, sagt der pro­mo­vier­te Phi­lo­soph. Es sei im­mer ein Rin­gen um Loya­li­tät und Frei­heit – auch im Glau­ben. „Das Ge­hor­sams­ver­spre­chen ist für mich schwe­rer als das Zö­li­bat“, dif­fe­ren­ziert er. Sei­nen Le­bens­ort zum Bei­spiel wird fort­an die Kir­che be­stim­men. „Es gibt Din­ge, die ich in der Kir­che nicht än­dern kann.“

Mehr Nach­rich­ten aus der Stadt und dem Bis­tum Osnabrück le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/os

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