Der Gip­fel des Re­per­toires

Sprit­zi­ges Duo Me­la­gra­na gas­tier­te im Rah­men des Eu­re­gio Mu­sik­fes­ti­vals im Rul­ler Haus

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

Wie so oft prä­sen­tiert das Eu­re­gio Mu­sik­fes­ti­val mu­si­ka­li­sche Nach­wuchs­ta­len­te: Die bei­den Künst­le­rin­nen im Rul­ler Haus sind fort­ge­schrit­te­ne Stu­den­tin­nen.

Die Kla­ri­net­tis­tin Li­na Neu­loh und die Pia­nis­tin Ma­ne Dav­ty­an tre­ten als fes­tes Duo auf, das sie Me­la­gra­na ge­nannt ha­ben. Das be­deu­tet Gra­nat­ap­fel, wie Tho­mas Leu­sch­ner zu Be­ginn des Kon­zer­tes in­for­miert, und der sei die Sym­bol­f­rucht Ar­me­ni­ens, dem Her­kunfts­land der Pia­nis­tin.

Das Pro­gramm der bei­den bie­tet so ziem­lich die Gip­fel des Kla­ri­net­ten­re­per­toires, mit Schu­manns drei Fan­ta­siestü­cken geht es los. Die In­ter­pre­tin­nen pen­deln zwi­schen ent­spannt sanf­ten Klän­gen und ei­ner spür­ba­ren Un­ru­he, die den Vortrag le­ben­dig wir­ken lässt. In der So­na­te Fran­cis Pou­lencs kommt Vir­tuo­si­tät und teil­wei­se auch Hu­mor da­zu. Li­na Neu­loh ris­kiert au­ßer­dem ein aus­drucks­vol­les Pia­no. Die Stär­ken der Kla­ri­net­tis­tin zei­gen sich hier mit er­staun­lich ra­schem Stac­ca­to, meist sehr kla­rem Klang und ei­ner gro­ßen Leich­tig­keit der Ton­ge­bung.

Et­was sper­ri­ger wird es nach der Pau­se, denn nun steht Al­ban Berg auf dem Pro­gramm. Be­son­ders abs­trakt wir­ken sei­ne vier klei­nen Stü­cke op. 5 aber gar nicht, weil die Mu­si­ke­rin­nen dem Klang auch hier Wär­me ge­ben und ihn so sanft leuch­ten las­sen.

Die zwei­te Kla­ri­net­ten­so­na­te von Jo­han­nes Brahms sei ein Spät­werk, sei­ne letz­te Kam­mer­mu­sik über­haupt, er­klärt Ma­ne Dav­ty­an. Dem Vortrag der bei­den Mu­si­ke­rin­nen hät­te man das frei­lich nicht an­ge­hört, der näm­lich kommt ziem­lich un­ge­stüm und ju­gend­lich da­her.

Ru­hi­ge Ab­schnit­te wir­ken da als um­so deut­li­che­rer Kon­trast zu Em­pha­se und Feu­er, die im Ver­gleich zu an­de­ren In­ter­pre­ta­tio­nen hier stär­ker be­tont wer­den. In ei­ni­gen Win­keln des Werks mag die Leis­tung hier viel­leicht tech­nisch nicht ganz so per­fekt sein wie zu­vor, mu­si­ka­lisch über­zeugt sie.

Fo­to: Mo­ritz Fran­ken­berg

Gut be­sucht war das Kon­zert des Du­os Me­la­gra­na im Rul­ler Haus.

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