Wirt­schafts­we­ge auf dem Prüf­stand

Ge­mein­de lässt Kon­zept für zu­kunfts­fä­hi­ges Stra­ßen­netz er­stel­len – Bür­ger wer­den be­tei­ligt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Von Frank Klaus­mey­er

Zu­sam­men 335 Ki­lo­me­ter lang sind die Wirt­schafts­we­ge in Wes­ter­kap­peln. Das ent­spricht un­ge­fähr ei­ner Fahr­rou­te von hier bis Frank­furt am Main. Die Ge­mein­de­stra­ßen wer­den der­zeit ge­nau un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

Ziel ist ein Kon­zept, das die Rich­tung vor­gibt, wie das Wirt­schafts­we­ge­netz kurz-, mit­te­lund lang­fris­tig ge­nutzt wer­den soll und in wel­cher Qua­li­tät. Dass der ei­ne oder an­de­re Weg da­bei ganz auf der Stre­cke bleibt, ist nicht aus­ge­schlos­sen. Auf Initia­ti­ve der SPD hat­te der Rat vor ei­ni­gen Mo­na­ten be­schlos­sen, so ein We­ge­netz­kon­zept er­stel­len zu las­sen.

Da­mit be­auf­tragt wur­de das In­ge­nieur­bü­ro To­var & Part­ner (ITB) aus Osnabrück. Im­mer­hin 80 000 Eu­ro soll das Gut­ach­ten kos­ten, 75 Pro­zent über­nimmt das Land. Weil die För­der­gel­der be­fris­tet sind, kommt jetzt ein straf­fes Pro­gramm auf al­le Be­tei­lig­ten zu. Be­reits En­de Sep­tem­ber sol­len die Er­geb­nis­se öf­fent­lich vor­ge­stellt wer­den, er­läu­ter­te Ste­phan Wier­mann, In­ge­nieur und Ge­sell­schaf­ter bei ITB, am Don­ners­tag­abend im Bau­aus­schuss zum Zeit­plan.

Bis Mit­te Ju­ni will das Bü­ro den Ist-Zu­stand er­fasst und ka­te­go­ri­siert ha­ben. Da­bei fi­schen die Ex­per­ten nicht im Trü­ben. ITB hat vor Jah­ren im Zu­ge der Ein­füh­rung des so­ge­nann­ten Neu­en Kom­mu­na­len Fi­nanz­mo­dells (NKF) be­reits ein um­fang­rei­ches Stra­ßen­be­stands­ka­tas­ter er­stellt. Er­geb­nis da­mals: Nicht ein­mal zehn Pro­zent des We­ge­net­zes in Wes­ter­kap­peln sind män­gel- und scha­den­frei.

Zwar wur­de der ei­ne oder an­de­re Weg in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus­ge­bes­sert, ten­den­zi­ell dürf­ten sich die Zu­stän­de aber nicht ver­bes­sert ha­ben. Aus­ge­hend von ei­ner durch­schnitt­lich 40 Jah­re be­tra­gen­den Ge­samt­le­bens­dau­er ei­ner Stra­ße, rut­sche

die­se al­le acht Jah­re ei­ne Zu­stands­klas­se tie­fer, gibt Wier­mann zu be­den­ken. Das sei aber ein buch­hal­te­ri­scher Wert, wenn­gleich dies in vie­len Fäl­len ver­mut­lich auch den tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten ent­spre­chen dürf­te.

Mit dem nun in Ar­beit be­find­li­chen Kon­zept sol­le ein zu­kunfts­fä­hi­ges und be­darfs­ge­rech­tes We­ge­netz ent­wi­ckelt wer­den, gibt Wier­mann

das Ziel vor. Da­bei sol­le so­wohl die Be­deu­tung ei­ner Stra­ße für den Ver­kehr, aber auch für die Na­tur und Land­schaft be­rück­sich­tigt wer­den.

„Das länd­li­che We­ge­netz ist viel zu groß“, meint Dagmar Brix, De­zer­nen­tin für Flur­be­rei­ni­gung bei der Be­zirks­re­gie­rung Müns­ter, und er­klärt da­mit gleich­zei­tig, war­um das Land sol­che Un­ter­su­chun­gen be­zu­schusst. „Man soll­te auch den Mut fin­den, sich von Be­stand zu tren­nen“, sagt die Spit­zen­be­am­tin. Um­ge­kehrt kön­ne es auch – wo nö­tig – die Mög­lich­keit ge­ben, neue Tras­sen zu schaf­fen.

Dass vor al­lem die Auf­ga­be ei­nes We­ges, aber auch ein Neu­bau für Kon­flikt­stoff sor­gen kann, ist den Ver­ant­wort­li­chen klar. Des­halb sol­len die Bür­ger mit­ge­nom­men wer­den. En­de Ju­ni sind Work­shops mit ört­li­chen Ak­teu­ren ge­plant, wo­zu si­cher die Bau­ern und die Jagd­ge­nos­sen­schaf­ten zäh­len dürf­ten.

An­fang Au­gust ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Kon­zept­ent­wur­fes ge­plant, der wie­der­um mit ver­schie­de­nen Be­trof­fe­nen ab­ge­stimmt und in wei­te­ren Work­shops mit Bür­ger­be­tei­li­gung so­wie in den Rats­gre­mi­en zur Dis­kus­si­on ge­stellt wer­den soll. In die­sem Soll-Kon­zept wer­de es auch Hand­lungs­emp­feh­lun­gen ge­ben; sei es zu ei­ner Sa­nie­rung oder zu ei­nem kom­plet­ten Rück­bau.

Man­sour Rah­mi­an vom Bau­amt be­tont, dass die Um­set­zung des Kon­zep­tes nicht ver­bind­lich sei. Auch des­halb ist Wolf­gang Jo­nas, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der CDU, skep­tisch, was die Zie­le be­trifft. „Un­se­re Be­fürch­tung be­steht dar­in, dass am En­de nichts als hei­ße Luft her­aus­kommt.“Ei­ni­ge Nach­bar­ge­mein­den hät­ten sol­che Kon­zep­te be­reits ver­ab­schie­det – „mit nicht ge­ra­de über­zeu­gen­den Er­geb­nis­sen“, fin­det Jo­nas. Po­si­tiv sei aber viel­leicht, dass ein Au­ßen­ste­hen­der das We­ge­netz be­gut­ach­tet.

Bei der SPD fin­det das Vor­ge­hen da­ge­gen un­ein­ge­schränk­te Zu­stim­mung: Un­ter Be­tei­li­gung der Bür­ger wür­de den Pro­ble­men auf den Grund ge­gan­gen, „statt im­mer nur mit Sa­nie­rungs­pro­gram­men am of­fe­nen Her­zen zu ope­rie­ren“, meint Michael Pu­ke, sach­kun­di­ger Bür­ger im Bau­aus­schuss.

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Fo­to: Frank Klaus­mey­er

Die ver­kehr­li­che Be­deu­tung der Wirt­schafts­we­ge, aber auch die für Na­tur und Land­schaft sol­len in dem Kon­zept her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den.

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