Me­di­zi­ner for­dern stär­ke­ren Kampf ge­gen Über­ge­wicht

Adi­po­si­tas für vie­le Fol­ge­er­kran­kun­gen Ur­sa­che – Kin­der wer­den früh auf zu sü­ße und zu fet­ti­ge Le­bens­mit­tel ge­prägt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Vie­le Kin­der in Eu­ro­pa sind zu dick und be­we­gen sich zu we­nig. Als Ur­sa­chen für die über­flüs­si­gen Pfun­de se­hen die Au­to­ren ei­ner kürz­lich vor­ge­stell­ten Stu­die in zwölf Län­dern die All­ge­gen­wär­tig­keit von über­zu­cker­ten oder fet­ti­gen Snacks an, be­glei­tet vom Mar­ke­ting der Le­bens­mit­tel­in­dus­trie. Die Me­di­zi­ner for­dern ei­nen na­tio­na­len Ak­ti­ons­plan Adi­po­si­tas, wie es ihn für Dia­be­tes be­reits gibt.

„Adi­po­si­tas ist für min­des­tens 20 bis 40 Fol­ge­er­kran­kun­gen die Ur­sa­che“, sagt der Prä­si­dent der Deut­schen Adi­po­si­tas-Ge­sell­schaft, Mat­thi­as Blü­her. „Aus mei­ner Sicht ist das Pro­blem nur zu lö­sen, in­dem man po­li­tisch han­delt.“

Nach den jüngs­ten von 2008 bis 2011 er­ho­be­nen Da­ten des Ro­bert-Koch-In­sti­tuts (RKI) ha­ben in Deutsch­land zwei Drit­tel der Män­ner und die Hälf­te der Frau­en Über­ge­wicht. Ein Vier­tel der Er­wach­se­nen ist adi­pös – Ten­denz stei­gend. Bei den Kin­dern und Ju­gend­li­chen wa­ren rund 16 Pro­zent über­ge­wich­tig und 6,3 Pro­zent adi­pös, 50 Pro­zent mehr als in den 80er- und 90er-Jah­ren.

Drei Vier­tel der ge­zielt be­wor­be­nen Kin­der­le­bens­mit­tel in Deutsch­land sind laut ei­ner Markt­stu­die von Food­watch zu süß oder zu fet­tig, soll­ten al­so ei­gent­lich nur spar­sam ver­zehrt wer­den. Die Her­stel­ler könn­ten mit die­sen die größ­ten Ge­winn­span­nen er­zie­len, er­klär­te die Ver­brau­cher­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on. Die Le­bens­mit­tel­in­dus­trie drän­ge Kin­dern mas­sen­haft Junk­food auf und ver­füh­re sie zur fal­schen Er­näh­rung, so Food­watch.

Ge­sun­de Le­bens­mit­tel müss­ten ein­fa­cher zu­gäng­lich und kos­ten­güns­ti­ger an­ge­bo­ten wer­den, for­dert Me­di­zin­pro­fes­sor Blü­her, der an der Uni­ver­si­tät Leip­zig ei­ne Adi­po­si­tas-Am­bu­lanz lei­tet.

Das Bun­des­er­näh­rungs­mi­nis­te­ri­um sieht da­ge­gen ei­ne Be­steue­rung von „so­ge­nann­ten un­ge­sun­den Le­bens­mit­teln als nicht ziel­füh­rend“an. Bun­des­er­näh­rungs­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) set­ze vor al­lem auf Prä­ven­ti­on durch Bil­dung und In­for­ma­ti­on, sag­te Spre­cher Cars­ten Rey­mann. So plä­die­re der Mi­nis­ter un­ter an­de­rem für die Ein­füh­rung ei­nes Schul­fa­ches Er­näh­rungs­bil­dung. „Vie­le Ki­tas und Schu­len bie­ten aus Kos­ten­grün­den un­aus­ge­wo­ge­ne Mahl­zei­ten an, weil hoch­wer­ti­ge Le­bens­mit­tel teu­rer sind“, be­klagt der Chef­arzt am Kin­der- und Ju­gend­kran­ken­haus Auf der Bult in Han­no­ver, Tho­mas Dan­ne. Auch was die Ki­o­s­ke in Schu­len an­ge­he, sei ein Ein­griff des Ge­setz­ge­bers not­wen­dig, meint Dan­ne: „In den Schu­len müss­te der Sü­ßig­kei­ten-Ver­kauf ge­stoppt wer­den.“

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