Ge­gen den Mäh­tod: Blitz­licht im Grün­land

Wis­sin­ger Milch­bau­er Rolf De­tert ver­scheucht Kitz und Ha­se vor der Gras­ern­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region -

BIS­SEN­DORF. In Feld und Flur ist die Kin­der­stu­be er­öff­net. Vö­gel, Ha­sen und Re­he be­kom­men jetzt ih­ren Nach­wuchs. Ei­ne ge­fähr­li­che Zeit für al­le Tie­re.

Zwar ist Brut- und Setz­zeit, in der Jung­tie­re samt El­tern ei­nen be­son­de­ren Schutz ge­nie­ßen, doch ei­ne le­bens­be­dro­hen­de Ge­fähr­dung ist da­mit nicht be­sei­tigt – der Mäh­tod. Milch­bau­er Rolf De­tert (61) aus Wis­sin­gen, der wie vie­le sei­ner Be­rufs­kol­le­gen jetzt die ers­te Gras­ern­te be­gon­nen hat, ent­wi­ckel­te schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ne so­ge­nann­te Ver­brä­mungs­stra­te­gie. Ziel war, Jung­tie­re von Ha­se und Reh so­wie Ge­le­ge von Wie­sen­brü­tern vor dem frü­hen Mäh­tod zu be­wah­ren. Bis­lang ver­such­te er am Vor­abend der Mahd die Tie­re so zu be­un­ru­hi­gen, dass sie von ih­ren Plät­zen im Grün­land flüch­te­ten. Das ge­lang schon bei ei­nem Gang durchs Gras­land, mit Lärm und mit­hil­fe ei­nes Hun­des. Doch da­bei wur­den nur die El­tern und die äl­te­ren Jung­tie­re auf­ge­schreckt, die ganz klei­nen duck­ten sich tief an den Bo­den. Wur­den sie auf­ge­spürt, konn­te der Land­wirt den Nach­wuchs nach au­ßer­halb des Mäh­be­rei­ches ver­set­zen. Das war zeit­auf­wen­dig und manch­mal nur von ma­ge­rem Er­folg ge­krönt.

Nun hat sich der Land­wirt ei­ner neu­en Stra­te­gie der Ver­brä­mung ver­schrie­ben. Er setzt auf viel Licht mit ver­schie­de­nen Ef­fek­ten – Dis­co­light im Grün­land eben. In en­ger Ab­stim­mung mit dem Jagd­päch­ter setzt er am Vor­abend der Mahd im Grün­land LED-Warn­lich­ter, die den Schlag rund­um be­streu­en. Von Dau­er­licht über Rund­licht bis Blitz­licht gibt es ins­ge­samt neun Ab­stu­fun­gen. Die Leuch­ten sind bis 800 Me­ter Ent­fer­nung gut sicht­bar und was­ser­dicht.

Die­se Me­tho­de der Ver­brä­mung soll­te nach Rolf De­tert in der Land­wirt­schaft auf deut­li­che Zu­stim­mung sto­ßen. Ein Blink­licht kos­tet rund 20 Eu­ro. Das Nie­der­säch­si­sche Land­volk hat da­zu ein In­fo­blatt her­aus­ge­ge­ben: „So ver­mei­den Sie den Mäh­tod!“. Dar­in wird auch die Kom­bi­na­ti­on mit akus­ti­schen Si­gnal­ton­ge­bern emp­foh­len. Auch De­tert setzt ei­nen sol­chen Pie­per ein, der wäh­rend der Ar­beit von sei­nem Tre­cker ei­nen durch­drin­gen­den Pfeif­ton ab­gibt, wie man ihn von sta­tio­nä­ren Alarm­an­la­gen kennt.

Der Bis­sen­dor­fer Land­wirt hat zu­vor mit den Jagd­päch­tern An­ge­la und Chris­ti­an Huch Kon­takt auf­ge­nom­men. Ge­ra­de die Jä­ger ha­ben ein star­kes In­ter­es­se dar­an, dass der Mäh­tod ein­ge­dämmt wird. Be­son­ders Kit­ze und Ha­sen kön­nen sich im ho­hen Gras oder Grün­rog­gen vor na­tür­li­chen Fress­fein­den schüt­zen, in­dem sie sich tar­nen und du­cken. Doch Krei­sel­mä­her ar­bei­ten sehr bo­den­nah. De­tert hat sein Mäh­werk schon auf sie­ben Zen­ti­me­ter Hö­he ein­ge­stellt, es wird aber auch schon auf fünf Zen­ti­me­ter Hö­he ge­schnit­ten. Da­mit sind nicht nur Häs­lein und Kitz be­droht, son­dern auch Wie­sen­brü­ter wie Kie­bitz, Feld­ler­che und Wach­tel­kö­nig, die mitt­ler­wei­le vom Auss­ter­ben be­droht sind, wie die Deut­sche Wild­tier­stif­tung schreibt. Land­wir­te ha­ben ein ho­hes In­ter­es­se dar­an, dass ih­re Gras­ern­te sau­ber ins Si­lo kommt, macht Rolf De­tert deut­lich, denn die durch Wild­tier­ka­da­ver ver­un­rei­nig­ten Si­la­gen stel­len ei­ne aku­te Ge­fahr für die Bil­dung von Bo­tu­lis­mus-Gift

dar. Die­se Kei­me sind ei­ne töd­li­che Ge­fahr für Wie­der­käu­er. De­tert: „Hat ei­ne Kuh ver­seuch­tes Fut­ter ge­fres­sen, gibt es prak­tisch kei­ne Ret­tung mehr. Dar­an sind schon gan­ze Her­den zu­grun­de ge­gan­gen“.

60 Hekt­ar Grün­land be­wirt­schaf­tet De­tert, die Flä­chen zei­gen ein ganz un­ter­schied­li­ches Wild­tier­auf­kom­men. Nach den ers­ten Ver­su­chen mit der neu­en Ver­brä­mungs­stra­te­gie zeig­te

er sich zu­frie­den. Da­bei hat er auch die Emp­feh­lung des Land­volk­ver­ban­des um­ge­setzt, in­dem er das Gras von in­nen nach au­ßen ge­mäht hat, weil 70 bis 80 Pro­zent des Wil­des den Rand­be­reich nut­zen. Tre­cker­ge­räusch und Pie­per sorg­ten bei Alt- und Jung­tie­ren für wei­te­re Flucht­re­fle­xe. Die Jagd­päch­ter An­ge­la und Chris­ti­an Huch be­für­wor­ten De­terts Be­mü­hun­gen ge­gen den Mäh­tod. LED-Warn­lich­ter

und Pie­per, selbst blau-wei­ßes Flat­ter­band ver­scheu­che das Wild von der Grün­flä­che. Dass die Tie­re be­son­ders auf blaue Far­ben re­agie­ren, ha­ben die Jä­ger mit Re­flek­to­ren an Stra­ßen­be­gren­zungs­pfäh­len er­fah­ren. Sie die­nen im We­sent­li­chen da­zu, ei­nen nächt­li­chen Wild­wech­sel an Stra­ßen ein­zu­däm­men. An­ge­la Huch: „Wir ha­ben für un­ser Re­vier 80 Re­flek­to­ren an­ge­bracht und da­für 380 Eu­ro be­zahlt.“

Fo­to: Ha­rald Preu­in

Stra­te­gie ge­gen den Mäh­tod von Wild­tie­ren: Land­wirt Rolf De­tert (von links), Mit­ar­bei­te­rin Pia En­gel­b­rock und Jagd­päch­ter Chris­ti­an Huch mit LED-Warn­lich­tern.

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