Kau­fen, Tau­schen, Fach­sim­peln

Pflan­zen­märk­te in der Re­gi­on für Hob­by­gärt­ner ein Muss

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region - Von Clau­dia Sar­ra­zin

Pflan­zen­märk­te oder auch Pflan­zen­tausch­märk­te sind bei Hob­by­gärt­nern sehr be­liebt. Die meis­ten Floh­märk­te für Pflan­zen la­den im Früh­ling zum Kau­fen, Tau­schen und Fach­sim­peln ein. Doch auch der Herbst bie­tet sich für Pflanz­märk­te an.

WALLENHOST/BAD RO­THEN­FEL­DE. End­lich ist der Früh­ling da. Zeit, den Gar­ten auf Vor­der­mann zu brin­gen. Kein Ge­heim­tipp mehr sind die so­ge­nann­ten Pflan­zen­märk­te oder Tausch­bör­sen für Gar­ten­pflan­zen. Das Prin­zip ist das glei­che wie bei an­de­ren Floh­märk­ten auch: Pri­vat­leu­te sor­tie­ren da­heim aus und ver­kau­fen oder tau­schen Aus­ge­dien­tes – in die­sem Fall Pflan­zen. Ei­nen er­heb­li­chen Un­ter­schied zu Klei­dung, Haus­halts­wa­ren, Bü­chern oder Spiel­sa­chen gibt es den­noch: Pflan­zen wach­sen. Die Fol­ge ist: Man­che Hob­by­gärt­ner ge­ben über­schüs­si­ge, selbst ge­zo­ge­ne Pflan­zen ab. Bei­spiels­wei­se, wenn mehr To­ma­ten­zög­lin­ge gut ge­kom­men sind als er­war­tet. An­de­re ste­chen von wu­chern­den Pflan­zen ei­nen Teil ab oder bie­ten Ab­le­ger zum Kauf an. Sie ha­ben al­so im­mer noch et­was von ih­rer Pflan­ze.

Ei­ne wei­te­re Ähn­lich­keit zwi­schen Pflanz­märk­ten und Floh­märk­ten: Hier gilt, der frü­he Vo­gel fängt den Wurm. Schon kurz nach dem of­fi­zi­el­len Be­ginn der Märk­te sind oft die ver­meint­lich bes­ten Stü­cke weg. Wer hin­ge­gen zum En­de ei­nes sol­chen Mark­tes kommt, kann Glück oder auch Pech ha­ben: Ent­we­der sind die An­bie­ter schon aus­ver­kauft, oder man kann noch das ei­ne oder an­de­re ganz be­son­de­re Schnäpp­chen er­gat­tern. Schließ­lich hat kaum ein Hob­by­gärt­ner Lust, sei­ne Pflan­zen wie­der mit nach Hau­se zu neh­men.

Die meis­ten Pflanz­märk­te der Re­gi­on sind in die­sem Früh­jahr schon ge­lau­fen, da sich da­für die Mo­na­te März und April be­son­ders an­bie­ten. Sehr be­liebt ist zum Bei­spiel der Pflan­zen­tausch­markt im Bo­ta­ni­schen Gar­ten am Wes­ter­berg in Osnabrück, der stets En­de März/An­fang April Hob­by­gärt­ner an­lockt. Eben­falls An­fang April fand im Mos­kau­bad in Osnabrück die fünf­te „Gar­ten­zeit“der Stadt­werk Osnabrück statt, bei der es nicht nur Pflan­zen gab, son­dern auch Skulp­tu­ren, Be­ra­tung für den Gar­ten und Ku­li­na­ri­sches.

Auch in Bad Ro­then­fel­de gibt es ei­nen Pflan­zen­markt, der sehr be­liebt ist und Hob­by­gärt­ner aus der gan­zen Re­gi­on an­zieht. Michaela Fran­ke kauft dort je­des Jahr Fun­ki­en und schätzt an die­sem Markt, „dass hier wirk­lich Lieb­ha­ber her­kom­men. Hier gibt es kei­ne Treib­haus­pflan­zen“, be­rich­te­te die Hob­by­gärt­ne­rin, die auf dem Pflanz­markt noch nie ei­ne Pflan­ze ge­kauft hat, die nicht an­ge­gan­gen ist. Auch Jo­se­fa Horst­mann kann die­sen Pflan­zen­markt emp­feh­len: „Weil es hier gu­te, gro­ße und er­prob­te Pflan­zen zu su­per Prei­sen gibt“, so die Gar­ten­lieb­ha­be­rin, die sich stets vor Ort vom An­ge­bot über­ra­schen lässt: „Ich bin im­mer ganz fle­xi­bel und gu­cke, was ich noch nicht im Gar­ten ha­be“, be­rich­te­te Horst­mann. Die­ser An­satz schützt vor Ent­täu­schung, schließ­lich weiß auch Pflanz­markt-Or­ga­ni­sa­to­rin Lui­se Fischer im Vor­feld nie ganz ge­nau, wer wel­che Pflan­zen mit­bringt. Ei­nes hat­te sie je­doch be­ob­ach­tet: „Ge­mü­se ist im Kom­men.“

Nach­dem der Pflanz­markt im ers­ten Jahr für sie ein Flop war, hat­te Adria­ne Haar­mei­er die­ses Mal ih­ren Stand in Bad Ro­then­fel­de „auf­ge­rüs­tet“: „Ich ha­be mehr Bil­der und Be­schrei­bun­gen mei­ner Pflan­zen mit­ge­bracht“, be­rich­te­te sie. Dank die­ser Hilfs­mit­tel ver­kauf­ten sich ih­re Pflan­zen fast von selbst. Schließ­lich las­sen sich mög­li­che Blü­ten oder Früch­te im Früh­jahr noch nicht be­ur­tei­len, und nicht je­der Pflanz­markt­be­su­cher kennt sich schon rich­tig gut mit Pflan­zen aus. Auch Su­san­ne Zinn, die ih­re ganz klei­nen Pflan­zen lie­be­voll in Jo­ghurtoder Würst­chen­ver­pa­ckun­gen ge­pflanzt hat­te, gab Hil­fe­stel­lun­gen. Sie hat­te so­gar noch zu je­der Pflan­ze no­tiert, ob die­se es lie­ber son­nig, schat­tig oder halb­schat­tig mag. Und auch das Team vom Bo­ta­ni­schen Gar­ten in Osnabrück weist Hob­by­gärt­ner vor sei­nem Pflan­zen­markt stets dar­auf hin: „Ein Steckbrief über ih­re Kü­bel­pflan­ze wä­re sehr hilf­reich.“

„Hier kommt man mit an­de­ren Gar­ten­be­klopp­ten ins Ge­spräch und kann sei­ne Gar­ten­be­geis­te­rung aus­le­ben“, ant­wor­te­te Zinn auf die Fra­ge, was sie am Pflan­zen­markt in Bad Ro­then­fel­de be­son­ders mö­gen wür­de. Die Os­na­brü­cke­rin ver­kauf­te fast al­le Pflan­zen mit ei­nem klei­nen Plausch. Ent­we­der gab die Hob­by­gärt­ne­rin Tipps zu Pfle­ge und Stand­ort des Ver­kaufs­ob­jek­tes oder er­hielt selbst In­spi­ra­ti­on und An­re­gun­gen. „Zum Teil schla­ckert man mit den Oh­ren, was für Fach­leu­te hier­her­kom­men“, hat­te auch Haar­mei­er fest­ge­stellt.

An­fang Mai lud die Ur­ban-Gar­de­ning-Initia­ti­ve To­ma­tos nicht nur zum Tag der of­fe­nen Tür auf ihr Ge­län­de an der Bram­scher Stra­ße hin­ter dem Fach­han­del „Blu­men Kers­ten“ein, son­dern auch zum Pflan­zen­markt. Der lief su­per: „Ich ha­be schon ei­nen Tisch wie­der ein­ge­packt“, er­klär­te Jür­gen Hil­gert nach ei­ner gu­ten St­un­de. Bei ihm wa­ren un­ter an­de­rem Boh­nen, Wald­meis­ter und Rha­bar­ber schon fast aus­ver­kauft. „Und die Erd­bee­ren wa­ren als Ers­tes weg“, so Hil­gert. Son­ja Brock­mey­er hat­te zwar schon ei­nen gan­zen Korb vol­ler Pflan­zen er­stan­den, muss­te dann aber doch noch mal schnell zu­rück zu den Pflan­zen­markt­stän­den: „Da ist schon wie­der et­was Neu­es ge­kom­men, da muss ich noch mal gu­cken.“Jagd­fie­ber ge­hört zu Pflanz­märk­ten na­tür­lich im­mer mit da­zu – zu­min­dest aus Käu­fer­sicht. Ver­käu­fer oder Blu­men­spen­der wie Re­na­te Diet­zel hin­ge­gen freu­en sich, wenn ihr Über­schuss aus dem Gar­ten ei­ne neue Hei­mat be­kommt: „Ich ha­be To­ma­tos ei­nen Aga­pan­thus ge­spen­det, weil ich zwei ha­be, und der ei­ne im Topf zu schwer für mich wur­de“, so Diet­zel, und Ma­ria Kers­ten von To­ma­tos be­rich­te­te: „Ihr Aga­pan­thus hat noch nicht ein­mal rich­tig ge­stan­den, da kam ein Samm­ler und hat ihn mit­ge­nom­men.“

Wäh­rend Hob­by­gärt­ner im Früh­jahr fast an je­dem Wo­che­n­en­de auf ei­nen Pflan­zen­markt ge­hen kön­nen, gibt es im Herbst kaum wel­che. Ei­ne Aus­nah­me bil­det der Stau­den­markt in Rul­le, den das Gar­ten­fo­rum des Rul­ler Hau­ses be­reits sie­ben­mal or­ga­ni­sier­te. Die Pflan­zen da­für spen­den je­weils Gärt­ne­rei­en und Hob­by­gärt­ner. Im Hof des Rul­ler Hau­ses gab es im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber zum Bei­spiel Stau­den, Kräu­ter, Grä­ser, Fett­ge­wäch­se und Blu­men­knol­len so­wie Ro­sen. „Das An­ge­bot an Dahli­en war rie­sig“, stell­te Im­me Pöl­king vom Gar­ten­fo­rum des Rul­ler Hau­ses da­mals fest, und ih­re Kol­le­gin Bri­git­te Her­bert lob­te: „Die Pflan­zen wa­ren dies­mal ganz toll be­schrif­tet und sehr or­dent­lich ein­ge­topft.“Be­su­cher wie Bir­git Druck wie­der­um freu­ten sich, wenn sie auf dem Stau­den­markt sel­te­ne Pflan­zen ent­deck­ten. Be­son­ders von ei­ner Sor­te ho­her As­tern war Druck be­geis­tert: „Die gibt es ja heu­te nicht mehr so oft.“Ih­re Pflan­zen muss­te sie dann auch di­rekt ver­tei­di­gen, als sich ei­ne wei­te­re Be­su­che­rin da­für in­ter­es­sier­te.

Ob in Bad Ro­then­fel­de,

Wal­len­horst oder Osnabrück – Pflan­zen­märk­te sind be­liebt. Fo­tos: Tho­mas Os­ter­feld

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