Wes­halb die SPD schei­tert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Burk­hard Ewert b.ewert@noz.de

Wie­der hat sich ge­zeigt, wie über­stei­ger­te Eu­pho­rie ins Ge­gen­teil um­schla­gen kann. SPD-Chef Mar­tin Schulz war je­den­falls nie so strah­lend un­an­ge­foch­ten, bis er in un­ge­ahn­te Hö­hen ge­tra­gen wur­de. Han­ne­lo­re Kraft war als Mi­nis­ter­prä­si­den­tin nie so lan­des­müt­ter­lich küm­mernd, wie es ihr zu­ge­schrie­ben wur­de. Über bei­den brach die Wel­le schließ­lich zu­sam­men.

Wahl­ver­lie­rer zie­hen häu­fig den Schluss, ih­re Politik künf­tig „bes­ser er­klä­ren“zu wol­len. Das aber ist nur ei­ne Um­schrei­bung da­für, die Wäh­ler für zu dumm zu hal­ten, um ver­stan­den wor­den

zu sein. Viel­mehr soll­te die SPD nach ih­ren dies­jäh­ri­gen Nie­der­la­gen in NRW, Schles­wig-Hol­stein und dem Saar­land rea­li­sie­ren, dass der Groß­teil der Be­völ­ke­rung ih­re Politik zu­min­dest in die­ser Art ge­gen­wär­tig nicht will.

Gi­gan­ti­sche Un­ge­rech­tig­keit und gras­sie­ren­de Ar­mut zu be­haup­ten ent­spricht der Le­bens­wirk­lich­keit eben­so we­nig wie die Auf­fas­sung, es ge­be kei­ner­lei Kri­mi­na­li­täts­pro­blem un­ter Zu­wan­de­rern. Mehr Wahr­haf­tig­keit – wenn das ei­ne Leh­re die­ser Wah­len ist, wä­re viel ge­won­nen. Aber es sieht nicht so aus. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten wol­len jetzt kon­kret er­ar­bei­ten, wie mehr Ge­rech­tig­keit im De­tail aus­se­hen kann, und es, na klar, bes­ser er­klä­ren. Aber viel­leicht be­steht sie ja längst viel weit­ge­hen­der als be­haup­tet? Al­lein die Re­kord­ein­nah­men des Staa­tes oder der Ver­gleich der in­ter­na­tio­na­len Ab­ga­ben­last füh­ren je­de an­de­re Ar­gu­men­ta­ti­on ad ab­sur­dum. Und wer Fa­ke News ver­brei­tet, den mag ja kei­ner wählen.

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