Es gibt auch Ver­lie­rer un­ter den Ge­win­nern

NRW-Wahl­ana­ly­se: CDU-Lis­ten­kan­di­da­ten ha­ben das Nach­se­hen – SPD-Hoch­bur­gen in Ost­west­fa­len, im Ruhr­ge­biet und um Aa­chen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Lothar Schma­len

DÜS­SEL­DORF. Ein Blick auf die Wahl­kreis-Kar­te von Nord­rhein-West­fa­len zeigt es mit ei­nem Blick: Ost­west­fa­len-Lip­pe (9 der 15 Wahl­krei­se gin­gen hier an die SPD), das Ruhr­ge­biet und der Raum Aa­chen – wo SPD-Par­tei­chef Mar­tin Schulz her­kommt – blei­ben trotz der her­ben Nie­der­la­ge bei der Land­tags­wahl Kern­land der So­zi­al­de­mo­kra­ten.

In Un­na, Her­ne und Dort­mund konn­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten ih­re Top­er­geb­nis­se ein­fah­ren – das bes­te im Wahl­kreis Un­na III/Hamm II mit 44,6 Pro­zent. Die we­nigs­tens Zweit­stim­men gab es für die SPD da­ge­gen im Wahl­kreis Pa­der­born-Stadt: Dort mach­ten 22,1 Pro­zent der Wäh­ler ihr Kreuz­chen bei den drei Buch­sta­ben SPD.

Zwar hat die SPD im „Pott“bis auf den Wahl­kreis Essen IV al­le Di­rekt­man­da­te wie­der­ge­holt, doch hat hier auch die AfD ih­re besten Er­geb­nis­se er­zielt. In Gel­sen­kir­chen wa­ren es 15,2 Pro­zent. Be­son­ders schwach schnitt die AfD in den Uni­ver­si­täts­städ­ten Bie­le­feld, Aa­chen und Müns­ter, aber auch in der größ­ten NRW-Stadt Köln ab. Das schwächs­te Re­sul­tat gab es in Müns­ter mit 3,4 Pro­zent.

Ne­ben der CDU war die FDP ein wei­te­rer Sie­ger der Wahl. Die Li­be­ra­len schnit­ten be­son­ders stark im Raum Düs­sel­dorf/Neuss ab. Par­tei­chef Chris­ti­an Lind­ner hol­te in sei­nem Wahl­kreis Rhei­nisch-Ber­gi­scher Kreis II auch im­mer­hin 17,2 Pro­zent Zweit­stim­men. Mit 13,9 Pro­zent der Zweit­stim­men ist Bie­le­feld nach wie vor ei­ne der NRW-Hoch­bur­gen für die Grü­nen.

Im tra­di­tio­nell schwar­zen Müns­ter­land, wo die SPD vor fünf Jah­ren über­ra­schend vier der elf Wahl­krei­se ge­win­nen konn­te, stell­te die CDU die al­ten Kräf­te­ver­hält­nis­se wie­der her. Ein­zig Frank Sun­der­mann aus Wes­ter­kap­peln konn­te sei­nen Wahl­kreis St­ein­furt III mit mi­ni­ma­lem Vor­sprung ver­tei­di­gen.

Die Christ­de­mo­kra­ten hol­ten 72 von ins­ge­samt 128 Wahl­krei­sen – das sind so­gar sechs mehr, als ihr vom Stim­men­an­teil (33,0 Pro­zent) ei­gent­lich zu­stan­den. Des­halb zieht nicht ein ein­zi­ger Ab­ge­ord­ne­ter über die Lan­des­lis­te ins Par­la­ment ein. Das be­deu­tet, dass al­le CDU-Kan­di­da­ten, die ih­ren Wahl­kreis nicht di­rekt ge­holt ha­ben, nicht im Land­tag sit­zen.

Bei den Grü­nen schaff­ten es Jo­se­fi­ne Paul (Müns­ter) und Nor­wich Rü­ße (St­ein­furt) we­gen ih­rer gu­ten Lis­ten­plät­ze ganz knapp zu­rück nach Düs­sel­dorf. Von der SPD-Re­ser­ve­lis­te rü­cken 13 Ab­ge­ord­ne­te in den Land­tag, dar­un­ter der hin­ter Han­ne­lo­re Kraft an Num­mer zwei ge­setz­te Nor­bert Rö­mer. Sei­nen Wahl­kreis in Soest, ei­ner Hoch­burg der CDU, konn­te der SPD-Frak­ti­ons­chef nicht ge­win­nen. Das­sel­be gilt für die Num­mer drei auf der Re­ser­ve­lis­te, die bis­he­ri­ge Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze aus Müns­ter.

CDU-Top­mann Armin La­schet wä­re bei­na­he das Glei­che pas­siert. Doch mit ei­nem hauch­dün­nen Vor­sprung von 567 Stim­men hol­te er das Di­rekt­man­dat in sei­nem Aa­che­ner Wahl­kreis doch noch. Das war wich­tig für La­schet, denn der Mi­nis­ter­prä­si­dent muss, an­ders als sei­ne Mi­nis­ter, laut Ver­fas­sung Mit­glied des Land­tags sein.

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