Ber­lin droht mit Ab­zug aus In­cir­lik

Tür­kei ver­wei­gert Trup­pen­be­such

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Es­ka­la­ti­on statt Ent­span­nung: Die deutsch-tür­ki­sche Kri­se ver­schärft sich wei­ter. Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te dür­fen wie­der nicht zu den deut­schen Sol­da­ten nach In­cir­lik. Ru­fe nach ei­nem Ab­zug der Trup­pe wer­den lau­ter.

BER­LIN/FLENS­BURG. Die Tür­kei hat Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten er­neut ei­nen Be­such bei den deut­schen Sol­da­ten auf dem Luft­waf­fen­stütz­punkt In­cir­lik un­ter­sagt. Die Bun­des­re­gie­rung droht erst­mals of­fen mit ei­nem Ab­zug der deut­schen Tor­na­do-Auf­klä­rungs­jets, die sich von der Tür­kei aus am Kampf ge­gen die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Is­la­mi­scher Staat (IS) be­tei­li­gen.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) will aber zu­nächst in Ge­sprä­chen nach ei­ner Lö­sung su­chen. Die tür­ki­sche Ent­schei­dung nann­te sie „miss­lich“, das Aus­wär­ti­ge Amt sprach so­gar von ei­nem „ab­so­lut in­ak­zep­ta­blen“Ver­hal­ten. SPD, Lin­ke und Grü­ne for­dern den so­for­ti­gen Ab­zug der Bun­des­wehr­trup­pe aus der Tür­kei. Fa­vo­rit un­ter den Al­ter­na­tiv­stand­or­ten ist Jor­da­ni­en.

Der Be­such der Ob­leu­te des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses war für Di­ens­tag ge­plant und be­reits vor Wo­chen an­ge­kün­digt wor­den. Am Sams­tag wur­de die Ab­sa­ge dem Aus­wär­ti­gen Amt mit­ge­teilt. Als ein Grund wur­de die Ge­wäh­rung von Asyl für tür­ki­sche Of­fi­zie­re in Deutsch­land an­ge­ge­ben.

Der Aus­schuss­vor­sit­zen­de Wolf­gang Hell­mich sprach sich da­für aus, den Ab­zug so­fort ein­zu­lei­ten. „Wir las­sen uns nicht er­pres­sen“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker. Ähn­lich äu­ßer­te sich Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann. Grü­ne und Lin­ke hal­ten den Ab­zug für längst über­fäl­lig. Der CDU-Ver­tei­di­gungs­ob­mann Hen­ning Ot­te for­der­te da­ge­gen le­dig­lich, „mit hö­he­rer Dring­lich­keit al­ter­na­ti­ve Sta­tio­nie­rungs­or­te in Be­tracht zu zie­hen“.

Die Bun­des­re­gie­rung will ab­war­ten, ob die tür­ki­sche Sei­te nicht noch ein­lenkt. Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el will am Mitt­woch in Wa­shing­ton mit den USA über den An­ti-IS-Ein­satz spre­chen. Mer­kel mach­te aber klar, dass das Be­suchs­recht bei den Sol­da­ten nicht ver­han­del­bar ist. „Die Bun­des­wehr ist ei­ne Par­la­ments­ar­mee. Und da­mit ist es ab­so­lut not­wen­dig, dass Be­suchs­mög­lich­kei­ten für un­se­re Ab­ge­ord­ne­ten be­ste­hen.“

Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die Tür­kei Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten über Mo­na­te hin­weg den Be­such bei den deut­schen Sol­da­ten in In­cir­lik ver­wei­gert. Im Ok­to­ber durf­ten sie dann doch noch ein­rei­sen.

„Die Dis­kus­si­on um ei­nen Ab­zug aus In­cir­lik gab es ja schon ein­mal. Wir blei­ben ge­las­sen und war­ten ab“, sag­te Oberst Micha­el Krah, Kom­mo­do­re des Tak­ti­schen Luft­waf­fen­ge­schwa­ders 51 „Im­mel­mann“aus Ja­gel, un­se­rer Re­dak­ti­on. Das Ge­schwa­der ist ei­nes von zwei­en der Bun­des­wehr, das in In­cir­lik sta­tio­niert ist.

„Aus mi­li­tä­risch-ope­ra­tio­na­ler Sicht sind wir in In­cir­lik gut auf­ge­ho­ben“, er­klär­te Krah. „Aber wenn es po­li­tisch ge­wollt ist und die Ent­schei­dung fällt, den Stand­ort zu wech­seln, set­zen wir das um. Das ist lo­gis­tisch ei­ne Her­aus­for­de­rung, aber was auch im­mer ent­schie­den wird, wir wer­den das hin­krie­gen.“

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