Scham­pus für die CDU? Nein, dan­ke

Kamp­fes­lus­ti­ge Kanz­le­rin läu­tet neue Pha­se ein – „Wir müs­sen hart ar­bei­ten“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Bea­te Ten­fel­de

An­ge­la Mer­kel, die ewi­ge Kanz­le­rin? Vie­le Me­di­en sind sich ei­nig, dass es so kom­men wird. Und ge­nau das könn­te für die 63Jäh­ri­ge das Pro­blem wer­den. „Jetzt bit­te nicht zu­rück­leh­nen nach dem Mot­to „Mut­ti macht das schon“, warnt CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber ges­tern die Christ­de­mo­kra­ten.

Nach dem kla­ren 33-Pro­zent-Er­folg der Uni­on im SPD-Stamm­land Nord­rhein-West­fa­len sind Mer­kels Chan­cen auf ei­ne vier­te Amts­zeit un­be­streit­bar ge­stie­gen. Der Ur­nen­gang in Deutsch­lands größ­tem Flä­chen­land galt als Test­wahl für den Bund. Und des­halb hat sich die Kanz­le­rin mit acht Wahl­kampf­auf­trit­ten rich­tig ins Zeug ge­legt. Von Amts­mü­dig­keit kei­ne Spur.

„Nach die­sem Er­geb­nis lässt sich mit Si­cher­heit dar­auf wet­ten, dass An­ge­la Mer­kel nach den Wah­len im Herbst wie­der Bun­des­kanz­le­rin wird“, schreibt die Lon­do­ner „Ti­mes“. Die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“stellt fest, die CDU ha­be mit Mer­kel „noch im­mer das bes­se­re Zug­pferd“. Und „Bild“spricht schon vom „Schul­zFluch“, der Zau­ber des SPDSpit­zen­kan­di­da­ten sei ver­flo­gen.

So­gar Feh­ler ein­ge­räumt

Eu­pho­rie al­so in der Füh­rungs­spit­ze der CDU? Al­ler­dings. Ru­fe nach Cham­pa­gner sei­en laut ge­wor­den in Prä­si­di­um und Vor­stand der Christ­de­mo­kra­ten, be­rich­ten Teil­neh­mer. Nichts da, dämpft Tau­ber den Über­mut. Erst am 25. Sep­tem­ber, wenn die Bun­des­tags­wahl ge­won­nen sei, sol­len die Kor­ken knal­len. Bis da­hin sei noch viel zu ar­bei­ten.

Die sprö­de Kanz­le­rin zeigt ges­tern mit der For­mu­lie­rung, es sei „ein Tag gro­ßer Freu­de“, schon das Äu­ßers­te an Emo­tio­nen. Und an­ge­sichts des ak­tu­el­len Erfolgs räum­te Mer­kel so­gar ei­nen Feh­ler ein. „Ja, ich ha­be ei­ne ver­al­te­te Zahl ge­nannt“, sag­te sie mit Hin­weis auf Gel­der für Stra­ßen­bau, die die SPD­ge­führ­te Lan­des­re­gie­rung nach Mer­kels Darstel­lung ver­fal­len ließ. „Man soll­te sei­ne Fak­ten zu­sam­men­ha­ben, in dem Fall hat­te ich das nicht“, gab die Kanz­le­rin zu, der ei­ne em­pör­te SPD „Un­wahr­heit“vor­ge­wor­fen hat­te. Aber das ist Schnee von ges­tern.

Mer­kel steckt die The­men von mor­gen ab. Bei der Bun­des­tags­wahl am 24 . Sep­tem­ber wür­den die The­men Bil­dung, Di­gi­ta­li­sie­rung und Si­cher­heit auf der Agenda ste­hen. Ge­nau dies hat die Men­schen in NRW in­ter­es­siert. Ge­rech­tig­keit sei na­tür­lich auch „ganz wich­tig“, mein­te die CDU-Che­fin. Das ist bis­her das zen­tra­le The­ma des Wahl­kamp­fes von SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz. Will jetzt die Kanz­le­rin die­ses Feld be­set­zen? Es wä­re nicht das ers­te Mal, dass sie The­men ein­fach über­nimmt.

„Es wird vor al­lem um Ar­beits­plät­ze der Zu­kunft ge­hen“, sag­te sie bei ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit dem NRW-Wahl­sie­ger Armin La­schet. Deutsch­land kön­ne sich auf sei­ner der­zeit gu­ten wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on nicht aus­ru­hen. Au­ßer­dem wer­de es um den Zu­sam­men­halt der Ge­sell­schaft und die In­te­gra­ti­on der vie­len nach Deutsch­land ge­kom­me­nen Flücht­lin­ge ge­hen, sagt die CDU-Po­li­ti­ke­rin.

Lob für das Müns­ter­land

Dass mit La­schet ein treu­er Ver­fech­ter ih­rer Flücht­lings­po­li­tik nun Mi­nis­ter­prä­si­dent in Nord­rhein-West­fa­len wird, wird die Kanz­le­rin als Be­stä­ti­gung ih­rer Will­kom­mens-Hal­tung des Spät­som­mers 2015 be­trach­ten. „Wir ha­ben 2015 Groß­ar­ti­ges ge­leis­tet, dies ist ein Teil un­se­rer Ge­schich­te“, be­kräf­tigt Mer­kel. Dass dann der Flücht­lings­zu­strom „ge­ord­net und ge­steu­ert“wor­den sei, schmä­le­re die­se Leis­tung nicht.

La­schet wür­digt er­neut das star­ke En­ga­ge­ment vie­ler eh­ren­amt­li­cher Hel­fer und vie­ler Kir­chen­ge­mein­den als „rich­tig“und er­mu­ti­gend. Spe­zi­ell in Müns­ter und den um­lie­gen­den Re­gio­nen ha­be dies da­zu ge­führt, dass die AfD mit ih­ren aus­län­der­feind­li­chen Pa­ro­len kaum durch­ge­drun­gen sei. „Wir schaf­fen es im­mer noch“– ein Spruch­band mit die­ser Auf­schrift ha­be ihn in Hal­tern sehr be­ein­druckt.

„Es be­ginnt jetzt ei­ne neue Pha­se im Bun­des­tags­wahl­jahr“, rich­tet Mer­kel den Blick auf das CDU-Wahl­pro­gramm, das am 5. Ju­li vor­ge­stellt wer­den soll. Die CDU müs­se in den kom­men­den Mo­na­ten nun ge­nau­so ge­eint auf­tre­ten wie in den jüngs­ten Land­tags­wahl­kämp­fen, mahnt sie. CSU-Chef Horst See­ho­fer ist fried­lich – da ist er eben Pro­fi. Im Mo­ment kom­men kei­ne Qu­er­schüs­se aus Bay­ern.

Blu­men­strauß für den Wahl­sie­ger: Armin La­schet. Bun­des­kanz­le­rin und CDU-Bun­des­vor­sit­zen­de An­ge­la Mer­kel be­glück­wünscht den Sie­ger der Land­tags­wahl in Nord­rhein-West­fa­len, Fo­to: dpa

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