Macron und Mer­kel wol­len Re­form der EU

Neu­er fran­zö­si­scher Prä­si­dent be­sucht Ber­lin – Kon­ser­va­ti­ver Phil­ip­pe zum Pre­mier er­nannt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Der jun­ge fran­zö­si­sche Prä­si­dent drückt aufs Tem­po. Erst er­nennt Emmanuel Macron sei­nen neuen Re­gie­rungs­chef, dann fliegt er nach Ber­lin. Von der Kanz­le­rin er­hält er zwar viel Un­ter­stüt­zung. Kon­kret wird sie aber noch nicht.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) und der neue fran­zö­si­sche Prä­si­dent Emmanuel Macron wol­len die Mo­der­ni­sie­rung der Eu­ro­päi­schen Uni­on vor­an­trei­ben und sind da­bei auch of­fen für die Än­de­rung be­ste­hen­der Ver­trä­ge. Mer­kel und Macron kün­dig­ten am Mon­tag in Ber­lin ei­nen ge­mein­sa­men Fahr­plan („Road Map“) für Re­for­men in der EU und der Eu­ro­zo­ne an. Im Ju­li nach den Par­la­ments­wah­len in Frank­reich soll es da­zu ei­ne ge­mein­sa­me Ka­bi­netts­sit­zung ge­ben.

„Wir kön­nen dem Gan­zen ei­ne neue Dy­na­mik ge­ben“, sag­te Mer­kel beim An­tritts­be­such Ma­crons am Mon­tag­abend in Ber­lin. Da­zu müs­se man auch be­reit sein, Ver­trä­ge zu än­dern. „Wenn wir sa­gen kön­nen, war­um, wo­zu, was die Sinn­haf­tig­keit ist, wird Deutsch­land da­zu be­reit sein“, sag­te Mer­kel. Macron be­ton­te: „Für uns gibt es hier kei­ner­lei Ta­bu.“

Un­mit­tel­bar vor sei­nem Kurz­be­such in Ber­lin er­nann­te er den Kon­ser­va­ti­ven Édouard Phil­ip­pe (46) zum neuen Pre­mier­mi­nis­ter. Phil­ip­pe war bis­lang Ab­ge­ord­ne­ter und Bür­ger­meis­ter der Ha­fen­stadt Le Hav­re und ge­hört zum mo­de­ra­ten Flü­gel der kon­ser­va­ti­ven Re­pu­bli­ka­ner-Par­tei um Ex-Pre­mier Alain Jup­pé.

In Ber­lin kün­dig­te Macron „tief grei­fen­de Re­for­men“in sei­nem Land an. Frank­reich sei es in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren nicht ge­lun­gen, das Pro­blem der Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit zu lö­sen. „Die Re­gie­rung wird sich die­sem Ziel

ver­schrei­ben“, ver­sprach Macron, der an die­sem Di­ens­tag die Mi­nis­ter sei­nes Ka­bi­netts be­nen­nen will. Eben­so wie Mer­kel for­der­te er den Ab­bau bü­ro­kra­ti­scher Hemm­nis­se

in der EU. Ei­ne Ver­ge­mein­schaf­tung al­ter Schul­den in der Eu­ro­zo­ne lehn­te der neue Prä­si­dent ab. „Das führt zu ei­ner Politik der Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit“, sag­te er. „Ich

ha­be nie Eu­ro­bonds ge­for­dert.“Macron plä­dier­te al­ler­dings für ei­ne neue In­ves­ti­ti­ons­of­fen­si­ve in der Eu­ro­zo­ne: „Wir müs­sen fri­sches Geld ein­brin­gen.“

Der fran­zö­si­sche Staats­chef er­klär­te, Deutsch­land und Frank­reich sei­en an ei­nem „his­to­ri­schen Mo­ment“an­ge­kom­men. An­ge­sichts des Vor­marschs der Po­pu­lis­ten in Eu­ro­pa müss­ten bei­de Län­der noch stär­ker zu­sam­men­ar­bei­ten. „Un­ser Ver­hält­nis braucht noch mehr Ver­trau­en und kon­kre­te Er­geb­nis­se.“Er ver­sprach Mer­kel: „Ich wer­de ein of­fe­ner, di­rek­ter und kon­struk­ti­ver Partner sein.“

Macron will das tra­di­tio­nel­le Rechts-links-Sche­ma in Frank­reich durch­bre­chen und strebt ei­ne Re­gie­rung ver­schie­de­ner po­li­ti­scher La­ger an. Mit der Er­nen­nung Phil­ip­pes zum Pre­mier­mi­nis­ter sand­te er ein Si­gnal an die Bür­ger­li­chen. Macron be­nö­tigt bei den Wah­len zur Na­tio­nal­ver­samm­lung im Ju­ni ei­ne Mehr­heit, um sei­ne Re­form­agen­da um­set­zen zu kön­nen. Sei­ne Par­tei „En Mar­che!“ist bis­lang nicht im Par­la­ment ver­tre­ten. Mit der Er­nen­nung könn­te Macron die bür­ger­li­che Rech­te spal­ten. Et­wa 20 Po­li­ti­ker der Re­pu­bli­ka­ner und der Zen­trums­par­tei UDI ap­pel­lier­ten be­reits an ihr La­ger, auf Ma­crons „aus­ge­streck­te Hand“zu ant­wor­ten.

Phil­ip­pe über­nahm am Mon­tag das Amt von sei­nem Vor­gän­ger Ber­nard Ca­ze­neuve und be­zeich­ne­te sich als ei­nen „Mann der Rech­ten“. Er stand bis­lang in der na­tio­na­len Politik nicht im Ram­pen­licht. Es ist in Frank­reich höchst un­ge­wöhn­lich, dass ein Prä­si­dent aus frei­en Stü­cken ei­nen Po­li­ti­ker aus ei­ner an­de­ren Par­tei zum Re­gie­rungs­chef macht.

Der Links­au­ßen­po­li­ti­ker Je­an-Luc Mélechon, der in der ers­ten Run­de der Prä­si­den­ten­wahl 19,6 Pro­zent der Stim­men er­hal­ten hat­te, sag­te, die bür­ger­li­che Rech­te wer­de mit Phil­ip­pes Er­nen­nung „an­nek­tiert“. Front-Na­tio­nal-An­füh­re­rin Ma­ri­ne Le Pen, die in der Stich­wahl ge­gen Macron un­ter­le­gen war, sprach von ei­ner „hei­li­gen Al­li­anz“der al­ten Lin­ken und Rech­ten.

Sa­lut und Hän­de­druck für den Nach­fol­ger: Ber­nard Ca­ze­neuve (2. v. links) mit dem neuen Pre­mier Édouard Phil­ip­pe. Fo­to: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.