Ös­ter­reich soll im Ok­to­ber neu wählen

Re­gie­rung plant ge­ord­ne­tes En­de – Op­po­si­ti­on will Rüs­tungs­af­fä­re wei­ter auf­klä­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Ös­ter­reich steu­ert auf ei­ne Neu­wahl in der ers­ten Ok­to­ber­hälf­te zu. Die Re­gie­rung aus So­zi­al­de­mo­kra­ten und Kon­ser­va­ti­ven will ei­nen ent­spre­chen­den An­trag der Op­po­si­ti­ons­par­tei­en un­ter­stüt­zen. Das schrie­ben der SPÖ-Frak­ti­ons­chef Andre­as Schie­der so­wie der de­si­gnier­te ÖVP-Vor­sit­zen­de Se­bas­ti­an Kurz am Mon­tag auf Twit­ter.

Ge­wählt wer­den soll dann ent­we­der am 8. oder am 15. Ok­to­ber. Der An­trag soll am Mitt­woch im Par­la­ment in Wi­en be­schlos­sen wer­den. Der Ei­ni­gung al­ler Par­tei­en gin­gen Dut­zen­de Ge­sprä­che über ein ge­ord­ne­tes En­de der rot-schwar­zen Ko­ali­ti­on vor­an. Kanz­ler Chris­ti­an Kern (SPÖ) und sein Au­ßen­mi­nis­ter Kurz war­ben bei­de für ei­ne sau­be­re Auf­lö­sung der Re­gie­rungs­ar­beit.

Nach­dem Kurz sich für vor­ge­zo­ge­ne Par­la­ments­wah­len aus­ge­spro­chen ha­be, sei „ganz klar, dass sie nicht mehr wol­len“, sag­te Kern, der auch SPÖ-Chef ist, mit Blick auf den Ko­ali­ti­ons­part­ner. Das sei „das En­de“der rot­schwar­zen Ko­ali­ti­on. Die ÖVP hat­te den 30-jäh­ri­gen Kurz am Sonn­tag ein­stim­mig zum neuen Par­tei­vor­sit­zen­den be­stimmt.

Bun­des­prä­si­dent Alex­an­der Van der Bel­len hat­te vor der of­fi­zi­el­len Ei­ni­gung auf ei­ne ra­sche Ent­schei­dung auf ei­nen Wahl­ter­min ge­drängt. „Über der Par­tei­tak­tik muss im­mer das Ge­samt­in­ter­es­se Ös­ter­reichs ste­hen“, sag­te

Van der Bel­len. Die zwei Ko­ali­ti­ons­part­ner hat­ten zu­vor mo­na­te­lang weit­ge­hend ver­geb­lich ver­sucht, sich auf ge­mein­sa­me Re­for­men zu ei­ni­gen, die die schwä­cheln­de Wirt­schaft des Lan­des an­kur­beln sol­len.

Klar ist, dass der ab­ge­tre­te­ne Ex-ÖVP-Chef Rein­hold Mit­ter­leh­ner sein Amt als Vi­ze­kanz­ler und Wirt­schafts­mi­nis­ter wei­ter aus­üben wird, bis sei­ne Nach­fol­ge ge­klärt ist. Kurz zeig­te sich bis­lang zö­ger­lich, die Po­si­tio­nen selbst zu über­neh­men.

Die Op­po­si­ti­on sprach sich ve­he­ment ge­gen ei­nen so­for­ti­gen An­trag für ei­ne Neu­wahl aus. Der Chef der rech­ten FPÖ, Heinz-Chris­ti­an

Stra­che, und die Grü­nen-Vor­sit­zen­de Eva Gla­wi­sch­nig for­der­ten die rot-schwar­ze Ko­ali­ti­on auf, sich noch bis En­de Ju­ni Zeit zu las­sen.

Mit dem spä­te­ren Wahl­ter­min soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Un­ter­su­chungs­aus­schuss zur Euro­figh­ter-Af­fä­re wei­ter­ar­bei­ten kann. Ei­ne vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung „wä­re ein gro­ßer Scha­den für die Re­pu­blik. Hier geht es nicht nur um Auf­klä­rung, son­dern auch um ei­nen Mil­li­ar­den­be­trag“, warn­te Gla­wi­sch­nig zu­vor. Der Aus­schuss will die Um­stän­de klären, die zum teu­ers­ten und um­strit­tens­ten Rüs­tungs­ge­schäft Ös­ter­reichs führ­ten. Er müss­te sei­ne Ar­beit be­en­den, wenn ein Neu­wahl­an­trag mit so­for­ti­ger Wir­kung ge­stellt wird.

In Um­fra­gen liegt die ÖVP der­zeit klar hin­ter den So­zi­al­de­mo­kra­ten und der FPÖ. Bei der ab­seh­ba­ren Neu­wahl im Ok­to­ber stre­be die FPÖ Platz eins an, be­ton­te Stra­che. Er wol­le die Rechts­po­pu­lis­ten „zur stärks­ten und be­stim­mends­ten Kraft“ma­chen. Die rot-schwar­ze Ko­ali­ti­on ha­be un­ter an­de­rem bei der Mi­gra­ti­ons- und In­te­gra­ti­ons­po­li­tik ver­sagt.

Chris­ti­an Kern Fo­to: dpa

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