Chan­cen und Ri­si­ken

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Ma­ri­on Trim­born m.trim­born@noz.de

Es ist ganz schön in die Jah­re ge­kom­men, das deutsch-fran­zö­si­sche Tan­dem. Wie bei ei­nem al­ten Ehe­paar funk­tio­nier­te das Paar zu­letzt ein­fach nur noch. Rou­ti­ne, Eu­ro-Kri­sen­ma­nage­ment und mü­de Er­in­ne­rung an Welt­kriegs-Ge­den­ken präg­ten das Bild. Frank­reich hinkt wirt­schaft­lich weit hin­ter­her, das schürt an­ti-deut­sche Vor­be­hal­te. Die Rechts­ex­tre­me Ma­ri­ne Le Pen steht für die

Stamm­tisch-Mei­nung, dass die deut­sche Spar­po­li­tik für Frank­reichs Wirt­schafts­schwä­che ver­ant­wort­lich ist.

Nun will Emmanuel Macron das re­for­mun­wil­li­ge Land auf Kurs brin­gen. Sein Er­folg liegt in deut­schem In­ter­es­se. Schei­tert der fran­zö­si­sche Prä­si­dent, ist Eu­ro­pa in der Sack­gas­se, dann dürf­te Le Pen in fünf Jah­ren tri­um­phie­ren.

Das net­te Hän­de­schüt­teln in Ber­lin über­deckt aber ei­nen hand­fes­ten Kon­flikt. Macron braucht deut­sche Zu­stim­mung und deut­sches Geld für sei­ne EU-Re­for­mund Auf­hol­plä­ne. Vor der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber kann Kanz­le­rin Mer­kel ihm aber nicht zu sehr ent­ge­gen­kom­men. Ma­crons For­de­rung nach ei­nem Eu­ro-Bud­get steht un­ver­hoh­len für mehr Schul­den – was für Ber­lin in­ak­zep­ta­bel ist. An­statt das gro­ße Rad zu dre­hen, könn­ten deutsch­fran­zö­si­sche EU-Initia­ti­ven erst mal klein an­fan­gen, et­wa bei der Bil­dungs­po­li­tik oder so­zia­len Fra­gen wie Lohn­dum­ping. Das wä­re ein An­stoß – dann könn­te der Mo­tor viel­leicht an­sprin­gen.

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