Das Vor­bild Macron

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Kat­ha­ri­na Rit­zer k.rit­zer@noz.de

Wird der Er­folg von Emmanuel Macron zur Blau­pau­se für an­de­re eu­ro­päi­sche Po­li­ti­ker? Der Blick nach Ös­ter­reich lässt das ver­mu­ten: Wie der neue fran­zö­si­sche Prä­si­dent schickt sich auch dort Au­ßen­mi­nis­ter Se­bas­ti­an Kurz (ÖVP) an, durch Ab­stand zum Esta­blish­ment zu punk­ten. Da­zu bringt er die „Lis­te Se­bas­ti­an Kurz – die neue Volks­par­tei“an den Start und in­sze­niert sich als un­ab­hän­gi­ger Kan­di­dat.

Doch an­ders als das zen­tra­lis­ti­sche Frank­reich ist Ös­ter­reich fö­de­ral or­ga­ni­siert, was Kurz’ Stra­te­gie ge­fähr­lich macht. Denn das Aus­höh­len der tra­di­tio­nel­len Par­tei­en­land­schaft stärkt vor al­lem die po­li­ti­sche Rech­te. Und das um­so mehr, je län­ger es bis zur Neu­wahl dau­ert. Dann wird kein Weg mehr an der rechts­po­pu­lis­ti­schen FPÖ vor­bei­füh­ren, die schon

jetzt vie­ler­orts als Mehr­heits­be­schaf­fer ge­braucht wird – wes­halb de­ren Vor­sit­zen­der Heinz-Chris­ti­an Stra­che auch kein In­ter­es­se an ei­nem bal­di­gen Ter­min hat. Kurz hin­ge­gen kann es mit Blick auf den Macron-Ef­fekt gar nicht schnell ge­nug ge­hen.

Wenn aber ei­ne OneMan-Show das in der Re­gel fein aus­ta­rier­te Mit­ein­an­der der de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en er­setzt, kann die De­mo­kra­tie selbst Scha­den neh­men. Zu be­sich­ti­gen ist das be­reits in War­schau, Bu­da­pest, An­ka­ra und vor al­lem in Wa­shing­ton. Viel­leicht bald auch in Pa­ris und Wi­en.

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