Be­las­te­te Bö­den an zwei Erd­gas-För­der­plät­zen ent­deckt

Land schließt Un­ter­su­chung an 200 Stel­len ab – Ver­band: Weit­ge­hend un­auf­fäl­lig – Grü­ne for­dern Aus für Fracking

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Dirk Fis­ser

Bei Bo­den­un­ter­su­chun­gen im Um­feld von Erd­gas­för­der­plät­zen sind in bis­lang zwei Fäl­len un­zu­läs­si­ge Be­las­tun­gen fest­ge­stellt wor­den. Das teil­te das Lan­des­amt für Berg­bau, Ener­gie und Geo­lo­gie (LBEG) jetzt mit. Ins­ge­samt sind dem­nach 200 der ins­ge­samt 455 För­der­plät­ze in Nie­der­sach­sen un­ter­sucht wor­den.

Die zwei pro­ble­ma­ti­schen För­der­plät­ze be­fin­den sich laut LBEG im Land­kreis Leer und im Land­kreis Die­p­holz. Der Grenz­wert für Qu­eck­sil­ber auf Grün­land sei je­weils über­schrit­ten wor­den. Be­trei­ber sei­en die Un­ter­neh­men Ver­mil­li­on so­wie Win­ters­hall.

Auf­fäl­lig­kei­ten sei­en zu­dem im Um­feld von 27 wei­te­ren För­der­plät­zen re­gis­triert wor­den. Die Be­trei­ber sei­en an­ge­wie­sen wor­den, Gut­ach­ten in Auf­trag zu ge­ben, um fest­zu­stel­len, ob ei­ne schäd­li­che Bo­den­be­las­tung vor­liegt. In sechs Fäl­len sei­en die Nach­un­ter­su­chun­gen be­reits ab­ge­schlos­sen und ne­ga­tiv aus­ge­fal­len, schreibt die Be­hör­de.

Die Un­ter­su­chungs­kam­pa­gne war im Som­mer 2015 ge­star­tet und die Kos­ten da­mals mit 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­ge­ben wor­den. Im Um­feld von För­der­plät­zen hat­ten An­woh­ner er­höh­te Krebs­ra­ten be­klagt, die das amt­li­che Krebs­ka­tas­ter be­stä­tig­te – et­wa in der Samt­ge­mein­de Bo­t­hel im Land­kreis Ro­ten­burg.

Die Er­geb­nis­se des LBEG lie­ßen zu ei­ner mög­li­chen Ge­sund­heits­ge­fahr kei­ne Rück­schlüs­se zu, sag­te ein LBEG-Spre­cher un­se­rer Re­dak­ti­on. Im Fo­kus der Un­ter­su­chun­gen hät­ten le­dig­lich mög­li­che Bo­den­be­las­tun­gen ge­stan­den.

Die Er­geb­nis­se flie­ßen aber in die Ur­sa­che­nermitt­lung der er­höh­ten Krebs­ra­ten in ei­ni­gen Re­gio­nen Nie­der­sach­sens mit ein. Das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um in Han­no­ver hat da­zu ei­ne Ar­beits­grup­pe ein­ge­rich­tet.

Ne­ben den Un­ter­su­chun­gen in Bo­t­hel und den Land­krei­sen Leer so­wie Die­p­holz fan­den laut LBEG auch Über­prü­fun­gen in den Land­krei­sen Au­rich, Cel­le, Clop­pen­burg, Ems­land, Graf­schaft Bent­heim, Hei­de­kreis, Ni­en­burg, Ol­den­burg, Vech­ta und Ver­den so­wie in der Stadt Em­den und der Re­gi­on Han­no­ver statt. In Nie­der­sach­sen wird et­wa 95 Pro­zent des deut­schen Erd­ga­ses ge­för­dert.

Der Dach­ver­band der För­der­un­ter­neh­men wies in ei­ner Mit­tei­lung am Mon­tag dar­auf hin, dass die Er­geb­nis­se der Un­ter­su­chun­gen weit­ge­hend un­auf­fäl­lig sei­en. Die In­dus­trie stel­le sich aber auch in den bei­den Fäl­len, in de­nen das nicht so sei, ih­rer Ver­ant­wor­tung. Man wol­le Si­cher­heit für Men­schen und Um­welt ge­währ­leis­ten, so Chris­toph Lö­wer, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bran­chen­bun­des­ver­ban­des Erd­gas, Erd­öl und Geo­en­er­gie (BVEG).

Die en­er­gie­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen im Bun­des­tag, Ju­lia Ver­lin­den, nann­te die Er­geb­nis­se „sehr be­denk­lich“. Sie kri­ti­sier­te: „Trink­was­ser, Um­welt und Ge­sund­heit zu ge­fähr­den und Erd­be­ben zu ris­kie­ren, nur um noch den letz­ten Rest Erd­gas und Öl aus dem Bo­den zu pres­sen, ist un­ver­ant­wort­lich.“Des­we­gen setz­ten sich die Grü­nen wei­ter für ein Kom­plett­ver­bot des Frackings ein, des­sen kon­ven­tio­nel­le Me­tho­de in Nie­der­sach­sen schon seit Jahr­zehn­ten an­ge­wen­det wird. Die un­kon­ven­tio­nel­le und be­son­ders um­strit­te­ne Va­ri­an­te fin­det der­zeit in Deutsch­land kei­ne An­wen­dung.

Ei­ne Erd­gas­för­der­an­la­ge in Nie­der­sach­sen. An 200 Plät­zen wur­den Bo­den­pro­ben ge­nom­men. Fo­to: dpa

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