Tuifly ver­miest Tui den Win­ter

Krank­ge­schrie­be­ne Pi­lo­ten kos­ten Rei­se­kon­zern Mil­lio­nen – Bu­chun­gen stei­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Wo­hin soll es ge­hen? Ur­laubs­tipps fin­den Sie auf noz.de/rei­sen

Kreuz­fahr­ten wer­den im­mer be­lieb­ter – da­von pro­fi­tiert auch der welt­größ­te Rei­se­kon­zern Tui. Neue Schif­fe sol­len da­für sor­gen, dass das Wachs­tum wei­ter­geht. Aber Tui muss sich auch mit ei­ner Alt­last vom Herbst her­um­schla­gen.

HAN­NO­VER. Der welt­größ­te Rei­se­kon­zern Tui kommt beim Um­bau zum Ho­tel- und Kreuz­fahrt­kon­zern vor­an. Das Ge­schäft mit Ho­tels und Kreuz­fahr­ten lie­fe­re star­kes Wachs­tum, sag­te Vor­stands­chef Fritz Jous­sen am Mon­tag in Han­no­ver. Denn im Ge­gen­satz zum Ver­an­stal­ter­ge­schäft war­fen die bei­den Spar­ten von Ok­to­ber bis März or­dent­lich Pro­fit ab. Im Win­ter­halb­jahr brems­ten al­ler­dings der spä­te Os­ter­ter­min und der Är­ger um Tuifly das ope­ra­ti­ve Ge­schäft: Der um Son­der­pos­ten be­rei­nig­te ope­ra­ti­ve Ver­lust fiel mit 214 Mil­lio­nen Eu­ro um vier Pro­zent hö­her als ein Jahr zu­vor aus.

Flug­be­trieb lahm­ge­legt

Hin­ter­grund sind mas­sen­haf­te Krank­mel­dun­gen bei der Flug­li­nie Tuifly, die den Flug­be­trieb im Ok­to­ber 2016 zeit­wei­se lahm­ge­legt hat­ten: Vie­le Pi­lo­ten und Flug­be­glei­ter leg­ten die Ar­beit nie­der, nach­dem be­kannt ge­wor­den war, dass Tuifly un­ter Füh­rung der ara­bi­schen Flug­li­nie Eti­had mit der ös­ter­rei­chi­schen Air-Ber­lin-Toch­ter Ni­ki in ei­ne Hol­ding in­te­griert wer­den soll. Rei­hen­wei­se fie­len Flü­ge aus. Tui muss­te rund 3000 Rei­se­ver­trä­ge kün­di­gen, die meist meh­re­re zu­sam­men rei­sen­de Men­schen be­tra­fen. Die Flug­aus­fäl­le kos­te­ten den Rei­se­kon­zern 24 Mil­lio­nen Eu­ro.

Die Zu­sam­men­füh­rung von Tuifly mit der bis­he­ri­gen Air-Ber­lin-Toch­ter Ni­ki hängt wei­ter in der Luft. Ob das Bünd­nis zum Win­ter oder erst zum Som­mer­flug­plan 2018 zu­stan­de kommt, wag­te Jous­sen nicht zu sa­gen. Die vor­be­rei­ten­den Ge­sprä­che mit der EU-Kom­mis­si­on sei­en fast ab­ge­schlos­sen, da­nach wer­de die Ge­neh­mi­gung be­an­tragt. Der Tuif­lyNi­ki-De­al ist Teil der Ret­tungs­plä­ne für die hoch ver­schul­de­te Air Ber­lin.

Der Um­satz wuchs den­noch in der ge­wöhn­lich schwa­chen Win­ter­sai­son bis En­de März im fort­ge­führ­ten Ge­schäft um 3,3 Pro­zent auf rund 6,4 Mil­li­ar­den Eu­ro. Jous­sen äu­ßer­te sich zu­ver­sicht­lich, den be­rei­nig­ten ope­ra­ti­ven Ge­winn im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr bis En­de Sep­tem­ber um min­des­tens zehn Pro­zent zu stei­gern. Im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr lag die­ser bei rund ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro.

Star­ke Nach­fra­ge

Zu­gu­te kam Tui, dass sich ho­he Ab­schrei­bun­gen auf die Be­tei­li­gung an der Con­tai­ner-Ree­de­rei Ha­pag-Lloyd nicht wie­der­hol­ten, wie ein Kon­zern­spre­cher sag­te. Un­ter dem Strich sank der Ver­lust im ers­ten Ge­schäfts­halb­jahr um 19 Pro­zent auf 363 Mil­lio­nen Eu­ro. Rei­se­ver­an­stal­ter schrei­ben im Win­ter meist ro­te Zah­len, ih­re Ge­win­ne fah­ren sie im Som­mer ein.

Die Bu­chun­gen für den Som­mer lie­gen den An­ga­ben zu­fol­ge um vier Pro­zent hö­her als im Vor­jahr. Beim Um­satz be­tra­ge das Plus so­gar acht Pro­zent. Die star­ke Nach­fra­ge nach Grie­chen­land, Spanien, den Kap­ver­den, Zy­pern so­wie Fern­rei­se­zie­len glei­che nied­ri­ge­re Bu­chungs­zah­len für die Tür­kei und Ägyp­ten aus.

Tui-Chef Jous­sen ver­la­gert den Schwer­punkt des Kon­zerns weg vom um­kämpf­ten Ver­an­stal­ter- und Flug­ge­schäft hin zu lu­kra­ti­ve­ren Ho­tel- und Kreuz­fahrt­an­ge­bo­ten: Tui Crui­ses, Thom­son Crui­ses und Ha­pag-Lloy­dC­rui­ses stei­ger­ten das be­rei­nig­te ope­ra­ti­ve Er­geb­nis um mehr als 50 Pro­zent auf 75 Mil­lio­nen Eu­ro.

Sehn­sucht nach Son­ne: Vom Fern­weh der Deut­schen will Tui stär­ker pro­fi­tie­ren. Fo­to: dpa

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