Eu­ro­pol gibt Ent­war­nung

Nach Cy­ber-Atta­cke kri­ti­siert Mi­cro­soft Re­gie­run­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Nach der glo­ba­len Cy­ber-Atta­cke hat die eu­ro­päi­sche Po­li­zei­be­hör­de Eu­ro­pol vor­sich­tig Ent­war­nung ge­ge­ben. Es ha­be in Eu­ro­pa of­fen­bar kei­ne neuen in­fi­zier­ten Com­pu­ter ge­ge­ben, sag­te ein Spre­cher am Mon­tag in Den Haag. Auch die Bun­des­re­gie­rung er­klär­te, dass sich die Be­fürch­tun­gen ei­ner zwei­ten An­griffs­wel­le bis­lang nicht be­stä­tigt ha­be.

Auch Groß­bri­tan­ni­en, wo die Kri­mi­nel­len meh­re­re Kran­ken­häu­ser teil­wei­se lahm­ge­legt hat­ten, blieb am Mon­tag von ei­ner zwei­ten Atta­cke ver­schont. Eu­ro­pol hat­te vor ei­nem Cha­os zum Wo­chen­be­ginn ge­warnt, wenn vie­le Nut­zer nach zwei frei­en Tagen ih­ren Com­pu­ter wie­der ein­schal­te­ten. „Da­zu kam es zum Glück nicht“, sag­te der Spre­cher.

Al­ler­dings blieb wei­ter­hin un­klar, wer hin­ter dem welt­wei­ten An­griff steht. Die Er­pres­sungs­soft­ware „Wan­na Cry“hat­te am Frei­tag nach An­ga­ben von Eu­ro­pol min­des­tens 150 Län­der so­wie

200000 Or­ga­ni­sa­tio­nen und Personen ge­trof­fen. In Chi­na wa­ren es 30 000 Op­fer – rund 200 000 Com­pu­ter wur­den dort at­ta­ckiert. Mehr als 20 000 Tank­stel­len des chi­ne­si­schen Öl-Gi­gan­ten CNPC gin­gen dem­nach off­line.

In ei­nem der größ­ten Wer­ke des Au­to­her­stel­lers Re­nault im nord­fran­zö­si­schen Douai stand die Pro­duk­ti­on am Mon­tag noch still. In­for­ma­ti­ker soll­ten ver­hin­dern, dass sich das Vi­rus von mög­li­cher­wei­se in­fi­zier­ten Rech­nern aus wei­ter ver­brei­te. 3500 Mit­ar­bei­ter blie­ben am Mon­tag zu Hau­se.

Der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin schlug den USA er­neut ein Ab­kom­men über Cy­bersi­cher­heit vor. Im ver­gan­ge­nen Jahr ha­be Wa­shing­ton die Idee lei­der nicht auf­ge­grif­fen, sag­te Pu­tin.

Bei der Atta­cke am Frei­tag nutz­te die Soft­ware ei­ne Si­cher­heits­lü­cke im Mi­cro­sof­tBe­triebs­sys­tem Win­dows aus, über die sie au­to­ma­tisch neue Com­pu­ter an­ste­cken konn­te. Die­se Schwach­stel­le hat­te sich einst der US-Ge­heim­dienst NSA für sei­ne Über­wa­chung auf­ge­ho­ben, dann hat­ten un­be­kann­te Ha­cker sie aber pu­blik ge­macht.

Der Soft­ware-Kon­zern­rie­se gab den Re­gie­run­gen ei­ne Mit­schuld. Der An­griff sei ein wei­te­res Bei­spiel, war­um das Lagern von Schad­pro­gram­men durch Re­gie­run­gen ein Pro­blem sei, schrieb Mi­cro­soft-Prä­si­dent Brad Smith in ei­nem Blog-Ein­trag am Sonn­tag. Der An­griff sol­le ein Weck­ruf sein. Ein ver­gleich­ba­res Sze­na­rio mit kon­ven­tio­nel­len Waf­fen wä­re, wenn dem US-Mi­li­tär ei­ni­ge sei­ner „To­ma­hawk“-Marsch­flug­kör­per ge­stoh­len wür­den.

Rund 150 Län­der wa­ren laut Eu­ro­pol von der Cy­ber-Atta­cke be­trof­fen. Fo­to: dpa

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